Aus für die Raiba-Filiale in Gastern

Sinkende Kundenfrequenz und Schwierigkeiten des Ein-Mann-Betriebs als Ursachen. Bürgermeister kritisiert Vorgehen.

Michael Schwab
Michael Schwab Erstellt am 06. Oktober 2021 | 05:15
Gastern - Aus für die Raiba-Filiale in Gastern
Die Bankstelle der Raiffeisenbank Waidhofen in Gastern soll mit Dezember geschlossen werden.
Foto: Michael Schwab

Ab 1. Dezember wird es in der Marktgemeinde Gastern kein Geldinstitut mehr geben: Die Filiale der Raiffeisenbank im Amtsgebäude schließt in zwei Monaten für viele überraschend ihre Pforten.

„Schon vor Corona haben wir deutlich gesehen, dass die Kundenfrequenz am Schalter im Abnehmen ist. Je nach Bankstelle haben wir hier Rückgänge von einem Viertel bis zu einem Drittel im Lauf der vergangenen vier Jahre registriert. Zugleich haben die elektronischen Transaktionen im gleichen Zeitraum um rund 40 Prozent zugenommen“, beschreibt Christian Weinberger, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Waidhofen, zu der die Bankstelle in Gastern gehört, die Ausgangslage.

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Gastern als kleine Bankstelle mit nur einem Vollzeit-Mitarbeiter und einer Teilzeit-Arbeitskraft leide zudem unter dem Problem, dass Schalterdienst und Beratungsgespräche oft schwer miteinander vereinbar seien, erklärt Vorstandsdirektor Kurt Bogg. Auch eine Spezialisierung auf einzelne Teilbereiche wie Wertpapiere oder Versicherungen sei so nicht möglich, weil eine Person praktisch über alles Bescheid wissen müsse.

„Mitarbeiter und Betriebsrat stehen zu hundert Prozent hinter dieser Lösung, der Mitarbeiterstand bleibt erhalten, und die Arbeitsbedingungen verbessern sich sogar“, betont Bogg.

Nachbesetzung des Bankstellenleiters in Kautzen als Anlass

Da die Stelle des Bankstellenleiters in der Nachbargemeinde Kautzen nachbesetzt werden muss und der Gasterner Bankstellenleiter Klaus Winkelbauer diesen Job übernehmen soll, entschloss sich die Raiffeisenbank Waidhofen, diese Gelegenheit zu nutzen und die Bankstellen Gastern und Kautzen zusammenzulegen. „Dadurch passiert die Schließung in Gastern jetzt einige Jahre früher, als es vielleicht sonst geschehen wäre“, meint Bogg.

Für Bürgermeister Roland Datler (ÖVP) kam dieser Schritt auch angesichts des in Abstimmung mit der Bank durchgeführten Amtshaus-Umbaus, der nach wie vor am Laufen ist, überraschend. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend wurde eine Resolution gegen die Schließung der Gasterner Bankstelle beschlossen.

Gemeinderat fordert Angebot von Bankdienstleistungen

„Die Generalsanierung des Amtsgebäudes der Marktgemeinde Gastern befindet sich gerade in der Endphase. Jetzt die Gemeinde mit diesem feststehenden Beschluss des Vorstandes zu konfrontieren, ohne im Vorfeld das Gespräch mit der Gemeinde gesucht zu haben, und damit den Sinn des Sanierungsprojekts - die Ortskernbelebung - massiv zu untergraben, konterkariert die Bemühungen der Gemeinde, eine Grundinfrastruktur zu erhalten“, wird in der Resolution festgehalten. Der Gemeinderat fordert mit dieser Resolution die Raiffeisenbank Waidhofen auf, Gespräche mit Gemeindevertretern aufzunehmen, um auch in Zukunft Bankdienstleistungen in Gastern anzubieten.

„Zu dem Zeitpunkt, als der Amtshaus-Umbau geplant wurde, war die Schließung der Bankstelle in Gastern für uns noch kein Thema“, stellt Weinberger klar. Dass Bürgermeister Roland Datler mit diesem Schritt keine Freude hat, ist für Bogg und Weinberger verständlich. Jeder Bürgermeister kämpfe um jedes Stück Infrastruktur, und die Raiffeisenbank mit ihrem vergleichsweise dichten Bankstellennetz sei oft die letzte Bank, die aus einer Gemeinde gehe.

„Zur Abfederung haben wir uns dazu entschlossen, in Gastern die Miete für einige Monate weiterzubezahlen. Dadurch wollen wir der Gemeinde etwas den Druck nehmen, sofort einen neuen Mieter finden zu müssen. Wir würden auch für einen Nachmieter für einige Monate die Miete als Zuckerl und Anreiz übernehmen und lassen bis auf den Schreibtisch und den Bürosessel auch die Einrichtung drin“, verkündet Weinberger. Auf diese Weise soll das Geschäftslokal für Nachmieter attraktiver gemacht werden.

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