Webereimuseum Waidhofen mit besonderem Webstuhl. Federpenale, Krawatten und Taschen aus Seidenstoffen können im Stadtmuseum erworben werden. Stoff wurde auf 100 Jahre alten Seidenlanzierwebstuhl gewebt.

Von Sophia Schlager. Erstellt am 07. Januar 2021 (03:03)
Museumsleiterin Edith Monaco und Leopold Gudenus stellen die aus Seidenstoffen gewebten Taschen vor.
Schlager

Er ist genau 100 Jahre alt, ist der einzig funktionierende in ganz Österreich und er steht im Webereimuseum Waidhofen: Es handelt sich um einen Seidenlanzierwebstuhl, auch Krawattenwebstuhl genannt.

Alltagsartikel statt Krawatten

 Früher wurde er zur Produktion von Krawatten verwendet, und nun werden unter der fachkundigen Leitung von Heinrich Hetzer verschiedene Seidenstoffe in ansprechenden Farben gewebt. Sogar das „Waidhofner Mascherl“, die Türme von Kirche und Rathaus sowie der Waldrapp können auf den Stoffen vorgefunden werden. Nun ist mittlerweile ein kleines, aber feines Sortiment an Alltagsartikeln aus Seidenstoffen entstanden. Es gibt Federpenale, Krawatten sowie große und kleine Taschen, die im Stadtmuseum erworben werden können.

Die Auswahl an Faserstoffen ist riesengroß. So findet man neben Leinen, Baumwolle, Wolle und Seide auch Viskose und Polyestergarne. Daraus werden in Folge auch viele verschiedene Dinge im Vorführbetrieb vor den Besuchern gewebt. Darunter befinden sich Bänder, Etiketten, Futterstoffe, Tischwäsche, Krawatten, Frottiertücher und Möbelstoffe.

Sammlung umfasst 14 Webstühle

Im Verwendungsspektrum sind in erster Linie Naturfasern, da in der Einsatzzeit der Maschinen die Kunstfasern noch nicht so verbreitet waren wie heute. Es werden bodenständige Fasern wie Leinen Wolle neben Baumwolle und Seide verwebt. Polyester wird als Kette beim Krawattenstuhl verarbeitet.

Insgesamt kann man in der Dauerausstellung des Stadtmuseums 14 historisch bedeutsame Webstühle bewundern. Größtenteils sind diese exquisiten Exponate sogar betriebsfähig und werden auch regelmäßig benutzt.

Die Auswahl der Maschinensammlung fand natürlich unter anspruchsvollen Kriterien statt. Ein Schwerpunkt war die Jaquardtechnologie, ein anderer die Verbindung zur Heimat. Der Wunsch war, nur Maschinen im Stadtmuseum auszustellen, die in der Gegend in Verwendung waren.

Keine leichte Aufgabe – so mussten beispielsweise Originalmaschinen, die in der Region nicht mehr zu bekommen waren, anderswo besorgt werden. Am Ende wurden doch alle beschafften Maschinen mit zwei Ausnahmen auf dem Gebiet der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie erzeugt.

Beitrag zum Museumserhalt

Ein schöner Nebeneffekt war, dass es durch die Vielfalt der in der Region verwendeten Maschinen, Webtechniken und Faserarten gelungen war, nicht nur heimatbezogene Maschinen zu erwerben, sondern auch die Schausammlung mit Maschinen mit verschiedensten technischen Detaillösungen zu gestalten.

Mit der Herstellung von Alltagsartikeln werden alte Traditionen wieder neu belebt und gleichzeitig mit den Spenden ein Beitrag zum Erhalt des Webereimuseums geleistet.