Unvermutet: Koinzidenz im Kubus in Primmersdorf. Vergangenheit und Gegenwart schienen in unvermuteter koinzidenter Harmonie zu verschmelzen. Vier Künstler ausgestellt.

Von Julia Fröhlich. Erstellt am 09. Juli 2021 (04:55)

Umhüllt von einem ehemaligen Reitstall aus dem früheren 19. Jahrhundert im Areal vom Schloss Primmersdorf schwebt ein modern gestalteter Kubus, welcher aus dem Dornröschenschlaf erweckt und erneut als Ort der Kunst von Galeristin Freya Kropfreiter auserkoren wurde. Bei der Eröffnungsvernissage am 3. Juli schienen Vergangenheit und Gegenwart in unvermuteter koinzidenter Harmonie förmlich zu verschmelzen, da die zwei autonomen Räumlichkeiten einander nicht konkurrenzieren, sondern sich ergänzen. So auch die vier ausstellenden Künstler: Birgit Lorenz, Martin Anderl, Freya Kropfreiter und Hein Eibl.

Die aus Deutschland stammende Künstlerin Birgit Lorenz malt buchstäblich mit allem, was sie in die Finger bekommt. „Nichts ist mir heilig“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Sie liebt es, Mischtechniken anzuwenden, sich sozialkritisch auszudrücken und den Betrachter in eine Symbolwelt eintauchen zu lassen. „Am liebsten deute ich Geschichten nur an, sodass jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen“, erklärt sie.

„Am liebsten deute ich Geschichten nur an, sodass jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen“, Birgit Lorenz

Am liebsten greift sie Themen auf, die sie selbst bewegen, und vermischt sie mit ihr bekannten Gesichtern. „Überwiegend male ich Frauen- oder Kinderporträts, wobei ich aber keine typische Porträtzeichnerin bin, da ich nur von einem authentischen Modell ausgehe, dieses aber auf meine Art und Weise verändere“, räumt Lorenz ein. In ihren Arbeiten verbindet sie Gegenständlichkeit mit Abstraktion. Sie malt sowohl zwei- als auch dreidimensional in Form von rechteckigen Türmen.

Ihr Ehemann Martin Anderl unterstützt sie, wo er nur kann und hält ihr den Rücken frei: „Er ist meine rechte Hand.“ Sofern er aber Zeit dafür findet, widmet er sich seinen Stahlarbeiten. Angelehnt an das Waldviertel erschafft er in seiner Serie „Bäume an der Thaya“ Stahlwerke in Baumform.

„Ich gehe immer von einer Zypressen-Form aus, wandle die Oberfläche aber immer den Einflüssen entsprechend ab“, so der Künstler. Zeigen möchte er damit, dass sich der Mensch in der Natur breit macht und die Wertschätzung oftmals verloren geht. Da er selbst mehrere Handwerksberufe erlernt hat, weiß Anderl gekonnt mit Glas, Stein, Holz und Stahl umzugehen.

Der Dritte im Bund, Hein Eibl, erschafft Porträts und großformatige Holzskulpturen aus einem einzigen Baum. Sein größtes Werk misst stolze vier Meter und ziert nun den Dorfplatz in Speisendorf. Der Künstler verrät: „Die Grundfigur habe ich meist im Kopf, ob das Holz meinen Plan aber genehmigt, stellt sich erst im Laufe meiner Arbeit heraus.“ Gerne lässt sich der 73-Jährige von Eindrücken im Alltag oder früheren Erlebnissen inspirieren. Nur knapp einen Monat dauert es von der Idee bis zum fertigen Kunstwerk. „Ich selbst bin mein bester Kunde, denn nicht selten ziehen meine Skulpturen erst einmal bei mir zu Hause ein“, gesteht er schmunzelnd.

Freya Kropfreiter liebt es bunt und abstrakt. „Ich bin verliebt in Farben“, schwärmt die leidenschaftliche Malerin. Die Galeristin geht sogar soweit zu behaupten, dass in ihrer leeren, weißen Leinwand bereits alles enthalten ist und sie es nur mehr entdecken muss. Sobald sie die Farben auf die Leinwand aufträgt, fängt sie im „Farbenlodern“ ihr ganzes freies Lebensgefühl ein.

„Das Bild ist erst fertig, wenn es mich nicht mehr ruft“, gibt sie einen Einblick in ihr Inneres. Deshalb stecken auch enorme Malprozesse in ihren Werken, nicht selten sogar mehr als fünf Schichten. „Ohne Konzept zu malen erfüllt mich ungemein, denn so lasse ich mein Bild frei von allen Vorstellungen entstehen“, schließt sie ab.