Pollmann: Zufrieden, aber etwas vorsichtig. Markt entwickelte sich besser als im Frühjahr erwartet. Ungewiss, wie neue Lockdowns sich auf Automobilindustrie niederschlagen.

Von Michael Schwab. Erstellt am 19. November 2020 (06:02)
Bei Pollmann (am Bild der Standort Vitis) zeigt man sich vorsichtig zufrieden mit der Entwicklung der Automobilbranche während der Corona-Pandemie. Dennoch bleiben viele Unwägbarkeiten.
Pollmann

Nicht unzufrieden zu sein, aber dennoch vorsichtig bleiben, lautet die Devise beim Automobilindustrie-Zulieferer Pollmann.

Verzögerte Marktreaktion auf Lockdowns

„Die Lage am Markt hat sich besser entwickelt, als wir im Frühjahr erwartet haben, vor allem August, September und Oktober sind gut gelaufen“, fasst Gesellschafter Robert Pollmann zusammen. Doch angesichts der zweiten Lockdown-Runde in weiten Teilen Europas in unterschiedlich harten Ausprägungen sei die Stimmung weiter verhalten.

„Wir wissen nicht, wie diese neuen Lockdowns sich auf die Automobilindustrie niederschlagen werden. Man hat hier eine träge Reaktion bei der Nachfrage, man spürt Auswirkungen erst einen Monat später“, gibt Pollmann zu bedenken.

Es würden zahlreiche Faktoren mitspielen, die letztlich entscheiden, in welche Richtung der Trend gehe, erklärt Pollmann: „Einerseits gibt es die Sichtweise, dass das Auto in Pandemiezeiten sicherer als der öffentliche Verkehr ist, weil man sich keinen Menschenmassen mit potenziell infizierten Personen aussetzen muss. Das kann dazu führen, dass etwa Pendler, die bisher mit Öffis zur Arbeit gefahren sind, auf den Pkw umsteigen, was dann je nach Ausgangssituation im Haushalt einen Fahrzeugkauf erforderlich machen kann. Andererseits fehlt vielen Leuten, die in Kurzarbeit sind, das Geld für solche Anschaffungen, oder sie sind im Homeoffice und brauchen kein Auto.“

Erholung besser als erwartet

Wohin die Waage ausschlagen wird, sei aber offen, daher müsse man vorsichtig bleiben.

„Immerhin kam die Erholung nach der ersten Welle besser und rascher als befürchtet, aufholen können wir die Verluste aus dem zweiten Quartal 2020 aber nicht mehr. Mittlerweile sind wir mit einem Rückgang um zehn Prozent gegenüber dem Normalbetrieb schon zufrieden“, resümiert Pollmann. In Österreich, Tschechien und den USA sei die Lage ungefähr vergleichbar, in China laufe es inzwischen wieder wie vorher: „Dort haben wir keine Corona-Probleme mehr.“

Tschechien: Aufträge durch Ausfälle teilweise nicht erfüllbar

Doch nicht nur die Auswirkungen der Pandemie auf die Nachfrage im Automobilbereich sorgen für Schwierigkeiten, auch Infektionen unter den Mitarbeitern können gehörig Sand ins Getriebe werfen. „In Tschechien haben wir einige Fälle im Betrieb, es sind so viele Leute in Quarantäne, dass Aufträge teilweise nicht mehr erfüllbar sind“, gibt Pollmann zu bedenken. In Österreich sei dies weniger dramatisch, man habe zwei oder drei Fälle und einige Mitarbeiter in Quarantäne.

Generell setze man in den Bereichen, wo es möglich ist, viel auf Homeoffice. Die Kurzarbeit wurde noch einmal verlängert und wird je nach Arbeitsanfall angewendet. Im Verwaltungsbereich praktiziert man bei Pollmann den „Frühschluss“ mit einer Viertagewoche, bei der die Mitarbeiter freitags frei haben. Dort, wo die Auslastung gegeben ist, wird voll gearbeitet.