Waldbad Groß Siegharts: „Wir sind Idealisten“. Groß Sieghartser Naturbad bietet ruhiges Badeerlebnis ohne Eintritt. Pächterin Monika Hirtl hat sich in Bad „verliebt“.

Von Michael Schwab. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:45)

„Wir wissen die Ruhe zu schätzen, das ist ein schöner Ausgleich für uns“, sagen Christian und Claudia Goll, während sie gemütlich ein Eis auf der Terrasse des Waldbad-Cafés genießen. Das in Mostbrunn lebende und in Wien arbeitende Ehepaar kommt jedes Jahr ein- bis zweimal nach Groß Siegharts, um eine Auszeit vom hektischen Großstadtleben zu nehmen.

Viel Platz auf Liegewiese

Das Waldbad ist für die beiden ein Ort, der dieses Bedürfnis nach Ruhe gut erfüllen kann. Das zeigt sich auch beim NÖN-Lokalaugenschein am vergangenen Wochenende. Es ist überhaupt kein Problem, auf der mehrere tausend Quadratmeter großen Liegewiese wahlweise einen Platz in der Sonne oder unter einem der schattenspendenden Bäume zu finden, im Wasser kann man als Schwimmer seine Bahnen ziehen, ohne sich im Zick-Zack-Kurs den Weg zwischen den anderen Badegästen suchen zu müssen, und einen Hauch von Urlaubsfeeling gibt es mit dem Sandstrand auch.

Eine Angabe der Wassertemperatur sucht man vergeblich, laut Betreiberin Monika Hirtl soll sie derzeit bei ca. 22 Grad Celsius liegen: „Wir haben aufgehört, die Temperatur anzuschreiben. Die einen sagen, es ist kalt, andere sagen, es ist warm genug, und manche glauben sowieso nicht, was auf dem Schild steht“, bringt Hirtl die Temperaturdiskussion auf den Punkt.

Der Anziehungspunkt für die jungen Badegäste ist freilich die 18 Meter lange blaue Wasserrutsche. Jugendliche nutzen gerne den Steg und das Sprungbrett, auch ein Ausflug zum Floß am gegenüberliegenden Ufer ist möglich.

Monika Hirtl und ihr Mann Franz haben sich vor langer Zeit in das Waldbad „verliebt“. Seit 2007 haben sie das Waldbad gepachtet, das 1959 eröffnet wurde. Die Verbindung der Hirtls mit dem Bad reicht bis Anfang der 1990er-Jahre zurück, als das zuvor eine Zeitlang eingeschlafene Bad wieder revitalisiert wurde. „Franz arbeitete als Bademeister, die Sparkasse betrieb damals das Bad“, erinnert sich Monika Hirtl.

Privat finanziert, Eintritt ist frei

Geld verdienen kann sie nur mit dem Waldbad-Café, das ganzjährig geöffnet ist – der Eintritt ins Bad ist frei. „Wir sind Idealisten“, meint Hirtl. „Pro Saison finanzieren wir um die 3.000 Euro privat für Strom, Wasser, Pfosten und ähnliche Dinge.“ Geschätzt würde das Waldbad besonders von Zweitwohnsitzern, aber auch Besuchern aus Nachbarbezirken, die bewusst kommen, weil sie ein ruhiges Badeerlebnis genießen wollen.

Die heurige Badesaison ist laut Hirtl etwas durchwachsen, es fehlten bisher längere heiße Perioden ohne Gewittergefahr. „Am besten waren die heißen Tage Ende Juni und Anfang Juli. Ich habe auch das Gefühl, dass das Naturbaden momentan keine Hochphase hat. Das ändert sich alle paar Jahre“, resümiert Hirtl.

Im kommenden Jahr wird Hirtls Pachtvertrag mit der Gemeinde auslaufen. „Wir werden uns ansehen, wie die neuen Bedingungen aussehen. Dann entscheiden wir, ob wir weitermachen“, sagt Hirtl.

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