Bei Krankheit droht Job-Verlust. GESETZESLAGE SCHADET ARBEITNEHMERN / Arbeiterkammer zeigt auf: Seit der Auflösung des Entgeltfortzahlungsfonds werden kranke Mitarbeiter öfter gekündigt.

Erstellt am 10. August 2011 (08:13)
Präsentierten die Halbjahres-Bilanz der Arbeiterkammer (von links): Jürgen Binder (Zwettl), Robert Fischer (Horn), Gabriele Lukassen, Leopold Kapeller (Waidhofen) und Michael Preissl (Gmünd).DL
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VON DANIEL LOHNINGER

WALDVIERTEL / In manchen Branchen kann es schnell gehen: Eine Kellnerin geht am Freitag mit Schnupfen zur Arbeit und sagt, dass sie zum Arzt gehen wird. Am Montag möchte sie ihren Dienst antreten und erlebt die böse Überraschung der Arbeitgeber aus dem Bezirk Horn hatte bereits das Dienstverhältnis aufgelöst. Fälle wie diese gibt es im Waldviertel mehrere, wie die Experten der Arbeiterkammer zu berichten wissen.

Vor allem in Betrieben ohne Betriebsrat besteht die Gefahr, dass Krankheit mit dem Ende des Dienstverhältnisses verbunden ist, erklärt Rechtsschutz-Expertin Mag. Gabriele Lukassen. Dass sich die Situation verschärfe, sei auch eine Folge der geänderten Gesetzeslage. Früher sei die Entgelt-Fortzahlung während des Krankenstandes über den Entgeltfortzahlungsfonds finanziert worden seit 2003 muss im Normalfall der Dienstgeber zahlen. Damit zahlt der Arbeitgeber sowohl den kranken Mitarbeiter als auch die Vertretung. Das führe dazu, so Lukassen, dass Dienstgeber ihre Mitarbeiter auch bei Kuraufenthalten oder Pflegefreistellungen unter Druck setzen so nach dem Motto: Wenn du auf Kur gehst, kannst du dir einen neuen Job suchen. Michael Preissl von der Arbeiterkammer Gmünd fordert deshalb, so wie seine Kollegen aus den anderen Waldviertler Bezirken, eine umgehende Wiedereinführung dieses Fonds.

Die Rechtslage sieht generell vor, dass kranke Mitarbeiter auch während ihres Krankenstandes gekündigt werden können. Erfolgt diese Kündigung durch den Dienstgeber, müssen allerdings alle anfallenden Ansprüche berücksichtigt werden. Manche Betriebe setzen deshalb auf eine einvernehmliche Trennung für die Zeit des Krankenstandes. Für Lukassen eine Vorgangsweise, die auf jeden Fall zu Lasten der Mitarbeiter geht. Wer dieser Trennung zustimmt, verliert sämtliche Ansprüche die Auswirkungen merkt man oft erst Jahre später, so Lukassen.