Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 15. März 2019, 12:06

von Michael Schwab

Husky KTW: „Organisierte Verantwortungslosigkeit“. Betriebsrat und Mitarbeiter sprechen über Stimmung in der Belegschaft und die Frage, wie es weitergehen soll.

Betriebsratsvorsitzender Markus Schmid mit Günther Apfelthaler und Harald Kainz. Foto: Michael Schwab  |  Michael Schwab

Freitagvormittag gegen 10.15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Husky-KTW-Werk: In Scharen strömen die Mitarbeiter ins Freie, zu einer ganz speziellen Betriebsversammlung: Erstmals wollen sich Betriebsratsvorsitzender Markus Schmid und zwei Mitarbeiter den Fragen der Medien stellen.

„Das Schlimmste ist die Nicht-Wertschätzung“

Ein Wagen des ORF fährt vor. Vor der Kamera und der versammelten Belegschaft spricht Schmid über die aktuelle Lage. Die Verhandlungen für einen Sozialplan sollen nächste Woche starten, sonst weiß man von der Konzernführung noch nichts Konkretes, wie es weitergehen soll.

„Das Schlimmste ist die Nicht-Wertschätzung, die uns entgegengebracht wurde. Da kommen die Geschäftsführer daher und sagen nach 40 Jahren,  die wir Werkzeuge bauen, ihr könnt es nicht“ betont Schmid. Es gebe für ihn keine logisch nachvollziehbare Erklärung, warum Husky das Werk in Waidhofen zusperren will. Im Gegenteil – man würde sogar Sachen aus ausländischen Werken nach Waidhofen schicken, weil man sie dort nicht hinbekomme, heißt es aus der Belegschaft.

Welche menschlichen Schicksale hinter den Schließungsplänen stehen, schildern zwei Mitarbeiter von Husky-KTW. Einer von ihnen ist Günther Apfelthaler, der seit 22 Jahren in der Konstruktion arbeitet. Der alleinerziehende Vater hat drei Kinder, seine Frau starb vor vier Jahren.

„Meine älteste Tochter lernt seit zweieinhalb Jahren hier, jetzt sind unsere beiden Jobs weg. Ich kann wegen meiner Kinder nur eine Arbeit in der Umgebung annehmen, nach Wien zu pendeln, kommt für mich nicht in Frage. Es wird schwer werden, im Waldviertel wieder einen gleichwertigen Arbeitsplatz zu finden“, sagt Apfelthaler, aus dessen Stimme deutlich herauszuhören ist, wie sehr ihn das Ganze mitnimmt. „Wir waren im Waidhofner Werk wie eine Familie. Husky hat es zerstört und Keile hineingetrieben. Früher setzte man sich zusammen und hat geredet, heute werden nur mehr Mails geschrieben. Man wird nicht mehr als Mensch gesehen.“

„Es geht jedem dreckig, und man weiß nicht, wie es weitergeht“

Für Harald Kainz, der seit über 20 Jahren als Anwedungstechniker arbeitet, ist sein Arbeitsplatz mehr als nur ein Job. „Man ging gerne hier rein, schätzte den Zusammenhalt, und hat nicht auf die Uhr geschaut, wenn es darum ging, ein Projekt abzuschließen. Einen Job zu finden, wo wir so wie hier wie eine Familie sind, wird schwer werden“, stellt Kainz klar.

Für ihn ist es das Schlimmste, dass die Geschäftsführung sich vor 200 Leute hinstellte und sagte „ihr habt es nicht geschafft“. „Wenn Firmen aus Übersee bei uns bestellen, können wir nicht so schlecht gewesen sein“, meint Kainz dazu.

In Zukunft werden wohl viele seiner Kollegen lange Fahrzeiten zu einem anderen Arbeitsplatz in Kauf nehmen müssen, oder überhaupt auf andere Berufe umsatteln müssen, fürchtet Kainz. „Es geht jedem dreckig, und man weiß nicht, wie es weitergeht. Man kann auch schlecht Bewerbungen zu anderen Firmen schicken, wenn man noch nicht weiß, wie es hier weitergeht.“ Man müsse nun schauen, das Bestmögliche für jeden Betroffenen zu erreichen.

Dass die Produktion im Ausland wirklich effizienter und billiger ist, bezweifelt man in der Belegschaft. Besonders pikant: Nur drei Stunden vor der Betriebsversammlung, bei der die Schließungspläne verkündet wurden, habe man noch Erfolgsprämien für das gut gelaufene Jahr 2018 versprochen, in dem mehr Gewinn als 2017 erzielt worden sein soll. „Wir haben für den Managementstil von Husky mittlerweile einen neuen Begriff: Organisierte Verantwortungslosigkeit“ meint Gewerkschaftssekretär Erich Macho.