Bis 40 Prozent Einbuße bei der Kartoffelernte. Witterung setzte den Kartoffeln stark zu, der Bezirk Waidhofen ist besonders stark betroffen. Bewässerung wäre ein Ausweg.

Von Michael Schwab. Erstellt am 06. September 2017 (05:23)
Gerhard Bayer auf einem Kartoffelfeld, das stark unter der Dürre litt.
Michael Schwab

Mit 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag als im Durchschnitt muss man bei der Erdäpfelernte aufgrund der extremen Trockenheit rechnen.

Der Bezirk Waidhofen ist neben dem Bezirk Horn besonders stark betroffen, denn diese beiden Bezirke waren in Niederösterreich jene mit den geringsten Niederschlagsmengen. Bewässerung war heuer der einzige Weg, normale Erträge zu erzielen, doch im Waldviertel gibt es dafür kaum Möglichkeiten.

Beim ErntegesprähH: Karl Scharitzer (Obmannstellvertreter der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau (IGE)), Franz Wanzenböck (IGE-Obmann), der Obmann der Niederösterreichischen Saatbaugenossenschaft Erich Kaltenböck, IGE-Geschäftsführerin und Kartoffelbauberaterin der Landwirtschaftskammer NÖ Anita Kamptner, der Obmann der österreichischen Stärkekartoffelvereinigung Alfred Sturm und AMA-Verwaltungsratsvorsitzender Franz-Stefan Hautzinger.
Michael Schwab

„Die Witterung hat alle Rekorde im negativen Sinn gebrochen. Wir hatten das dritt-heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, mit dem heißesten März und dem trockensten Juni. Im Schnitt sind die Erträge um 40 Prozent geringer als üblich, aber wenigstens die Qualität wird hervorragend sein. Weinbauern würden sagen, es ist eine kleine, aber feine Ernte“, fasste Franz-Stefan Hautzinger, Verwaltungsratsvorsitzender der AgrarMarkt Austria (AMA) beim Erntegespräch bei der Niederösterreichischen Saatbaugenossenschaft am Mittwoch der Vorwoche zusammen.

Es sei davon auszugehen, dass die heurige Witterung keine Ausnahme bleiben wird, und man sich daher auf die geänderten Bedingungen einstellen müsse. Eine Möglichkeit sei die Züchtung standortgerechter Sorten, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen. Eine andere bzw. ergänzend nötige Maßnahme ist die Bewässerung.

„Ohne Bewässerung wird es nicht gehen“

„Wenn die Witterung so bleibt und wir jedes Jahr Einbußen von 30 bis 40 Prozent haben, wird der Erdäpfelanbau nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sein. Genau dieses fehlende Drittel ist es nämlich, das notwendig ist, um wirtschaftlich überleben zu können“, stellte Alfred Sturm, der Obmann der österreichischen Stärkekartoffelvereinigung, klar. Man müsse daher prüfen, ob auch im Waldviertel eine Bewässerung eingerichtet werden kann. „Für das Weinviertel gibt es eine Machbarkeitsstudie, das brauchen wir auch für das Waldviertel. Das wäre ein langfristiges Projekt, nichts, was man in drei Jahren fertig hat. Darum wäre es umso wichtiger, bald damit anzufangen“, forderte Sturm.

Eine kontinuierliche Versorgung mit Erdäpfeln ist auch für die verarbeitende Industrie wichtig. Der Kartoffelstärkemarkt hat sich in letzter Zeit sehr gut entwickelt, doch die Produzenten von Chips und Pommes setzen vermehrt auf Standorte, wo die Versorgung berechenbar ist. „In vielen traditionellen Erdäpfelanbaugebieten stellt sich nun die Frage, ob die Produktion langfristig Sinn macht, da die Jahre mit extremer Trockenheit zunehmen“, erläuterte Hautzinger. Eine Bewässerung hätte den Vorteil, das Ertrag und Qualität abgesichert sind und die Lieferfähigkeit gewährleistet ist. „Der Konsument will heimische Kartoffeln, da sind wir gefordert, uns an die geänderten Klimabedingungen anzupassen“, betonte Hautzinger. Eine Bewässerung - möglicherweise mit Donauwasser - ist aber noch ferne Zukunftsmusik, sofern sie überhaupt möglich ist. Kurzfristig sei daher, so Sturm, eine bessere Risikoabsicherung durch Ernteversicherungen nötig.

Im Bezirk Waidhofen zeigen sich heuer deutliche regionale Unterschiede. Den Kartoffelen schadet nicht nur die Trockenheit, sondern auch die Hitze. „Über 25 Grad stellt die Kartoffelpflanze das Wachstum ein und kämpft nur noch ums Überleben. Darum waren heuer Stellen an Waldkanten, wo sonst der Ertrag geringer ist, weil die Bäume das Wasser abziehen, besser dran, weil dort die Pflanzen mehr Schatten hatten“, erklärt Gerhard Bayer, der Obmann-Stellvertreter des Lagerhauses Waidhofen und selbst Kartoffelbauer. Normalerweise ernte man pro Hektar um die 40 Tonnen, heuer seien es zwischen 15 und 25 Tonnen - für viele Bauern ein Minusgeschäft.