„Haben sehr viel gelernt“ - Meinungen zum Schuljahr. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern, wie es ihnen ergangen ist.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:04)

„Im Nachhinein gesehen gibt es immer Dinge, die man besser machen hätte können, aber ich war eigentlich sehr begeistert von der professionellen Vorgangsweise im Fernunterricht“, erzählt die Handelsakademie-Absolventin Simone Brodesser. „Wir hatten während des E-Learnings regelmäßigen Online-Unterricht über die Plattform ‚Microsoft Teams‘, wodurch wir mit unseren Professoren in ständigem Austausch waren.“ Zudem hätten sie sehr viele Übungsaufgaben für die Matura erhalten. In den außergewöhnlichen Umständen sieht sie auch einen Nutzen: „Wir Maturanten haben durch diese Zeit sehr viel gelernt. Von heute auf morgen war niemand mehr da, der uns gedrängt hätte, bestimmte Aufgaben zu erledigen - das alles lag in unserer Eigenverantwortung. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass viele von uns durch das Homeschooling selbstständig geworden sind.“

„Es war auf jeden Fall ein herausforderndes Schuljahr für alle Beteiligten“, meint HAK-Direktor Rudolf Mayer. „Wobei bei unseren Schülern sicher weniger Betreuung seitens der Eltern notwendig war als bei Pflichtschülern.“ Vor allem sei er froh, dass die Reife- und Diplomprüfung durchgeführt werden konnte, und alle, die angetreten sind, sind auch durchgekommen. Es hat auch eine gekürzte, aber doch sehr feierliche Verabschiedung im Stadtsaal gegeben, natürlich unter Einhaltung aller Coronaregeln. Sollte es im Herbst nochmals zu Schließungen kommen, hätte er aber einen Wunsch: „Man braucht Möglichkeiten viel schneller bei Schülern reagieren zu können, bei denen der Kontakt verloren ging. Vereinzelt gab es Schüler, die Probleme beim Wiedereinstieg hatten, da sie dem Fernunterricht nicht gefolgt sind.“

Informationsfluss zu langsam.

Problematisch war für HTL-Karlstein-Direktor Wolfgang Hörmann der Informationsfluss seitens des Bildungsministeriums: „Als Schulleiter musste ich Informationen über Verordnungen den Medien entnehmen, weil Amtswege zu langsam liefen, aber schnelle Entscheidungen getroffen werden mussten.“

Aufgrund des technischen Know-hows der Schule hätte der Fernunterricht schnell gestartet werden können. Jedoch litt der praktische Unterricht: „Beruf bedeutet ‚tun‘ und das ist nur bei Präsenz mit Unterstützung der Lehrer möglich. Die Schüler haben die nötigen Werkzeuge, Maschinen und Einrichtungen zuhause nicht zur Verfügung“, gibt Hörmann zu bedenken. Bei den Reifeprüfungen sind alle berufsbildenden Elemente herausgenommen worden, die übrigen Fächer haben wunderbar funktioniert und in allen Ausbildungen, die abgeschlossen wurden, gibt es eine weiße Fahne. „Leider konnten sie ihre guten Diplomarbeiten heuer nicht öffentlich präsentieren“, meint der Direktor. „Dass Schüler jetzt trotz mehrerer ‚Nicht genügend‘ aufsteigen können, finde ich in einer berufsbildenden Schule auch problematisch.“

Umgang wurde wertschätzender.

„Die größte Überraschung ist, wie schnell es geht, dass man sich auf andere Dinge einstellt“, zeigt sich Gymnasium-Direktor Roland Senk erstaunt über die neuen Unterrichtsformen. Er habe auch mit den Klassensprechern hinterfragt, was gut oder schlecht in der Zeit war. „Nachteile waren sicher die fehlende direkte Kommunikation bzw. manche kamen ohne der fixen Struktur schwerer zurecht“, meint Senk. „Teilweise fehlte die nötige technische Ausstattung oder Schüler mussten sich zusätzlich auch um kleine Geschwister kümmern. Es kam auch Feedback von den Eltern mit viel Lob aber auch Anregungen. Das war für uns sehr wichtig.“

Ein weiteres Resümee: „Viele haben in der Krisenzeit den Umgang mit den anderen sehr wertschätzend gestaltet. Das Wort ‚Danke‘ hat man wieder vermehrt gehört, und man sah nicht mehr alles als selbstverständlich an.“

Für Eltern war es nicht einfach.

„Wir haben versucht, unser Bestes zu tun, um die Kinder so gut wie möglich zu erreichen, und ich denke, es ist auch gelungen“, berichtet Manuela Gegenbauer, Direktorin der Volksschule Waidhofen. „Wir haben auch nur positive Rückmeldungen bekommen. Natürlich war es für die Eltern nicht einfach, gerade wenn man mehr Kinder hat.“

Freude über Rückkehr in Schule.

„In der Volkschule und Neuen Mittelschule Dobersberg und in der Volksschule Waldkirchen hat die Kommunikation zwischen Schülern, Eltern und Lehrern sehr gut funktioniert“, kann auch Direktorin Anita Fröhlich berichten.

„Unsere Schüler haben die Herausforderungen mit Unterstützung der Eltern auch zuhause gut gemeistert, die Lehrer haben sich sehr engagiert um jeden Einzelnen bemüht. Natürlich haben sich alle Beteiligten sehr gefreut, als der Unterricht wieder in der Schule stattfand.

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