Handel: Was trotz Lockdown möglich ist. Unternehmen im Bezirk Waidhofen bieten Zustellung im näheren Umkreis an. Handwerksarbeiten und Reparaturen dürfen weiterhin ausgeführt werden.

Von Michael Schwab. Erstellt am 18. November 2020 (04:22)

Ausgerechnet zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts schlägt jetzt der zweite Lockdown für den Handel zu. Am Montag nutzten viele Kunden noch die für voraussichtlich drei Wochen letzte Chance, Elektronikartikel, Kleidung, Schuhe und andere nicht lebensnotwendige Güter im Geschäft zu kaufen. Die NÖN sprach exemplarisch mit einzelnen Unternehmen aus den betroffenen Branchen.

Elektrohandel wird mitten im Hauptgeschäft getroffen. „Bei uns beginnt das Weihnachtsgeschäft immer um den 26. Oktober, die ersten eineinhalb Novemberwochen waren schon sehr gut. Der Lockdown fällt für uns in der Elektronikbranche genau in die stärksten Wochen“, sagt Gregor Hörmann, Geschäftsführer von Expert Hörmann mit Standorten in Waidhofen und Schrems.

Am Samstag und Montag sei viel los gewesen, Kunden hätten Einkäufe vorgezogen. „Aber natürlich kann man in zwei Tagen nicht drei Wochen aufholen“, schränkt Hörmann ein. Sowohl von Schrems als auch von Waidhofen aus bietet Hörmann einen kostenlosen Zustellservice bis 25 Kilometer Entfernung an. Bestellen kann man online oder per Telefon, die Geschäftsstandorte sind zu den normalen Öffnungszeiten besetzt.

Installationen und Reparaturen weiterhin möglich. „Die Installationsarbeiten laufen unter verstärkten Sicherheitsmaßnahmen weiter, auch Reparaturen und Aufstellservice sind weiterhin möglich“, stellt Hörmann klar. Außerdem wird noch abgeklärt, ob man eine Abholstation am Parkplatz vor dem Geschäft einrichten kann.

Die Übernahme von Geräten zur Reparatur erfolgt in Waidhofen über den Hintereingang, in Schrems über die geöffnete Postpartnerstelle. Die Schauräume sind an beiden Standorten geschlossen und abgesperrt.

Wie groß ein Nachholeffekt sein könnte, lasse sich schwer abschätzen. Nach dem ersten Lockdown habe es diesen gegeben, und auch der Sommer sei gut gelaufen, da viele Leute auf Urlaube verzichtet und ihr Geld stattdessen für Elektronik ausgegeben haben, sagt Hörmann.

Appel: Handwerk läuft, Handel geschlossen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Firma Appel. Während der Gewerbe- und Handwerksbereich praktisch unverändert so wie in den vergangenen Wochen weiterlaufen kann, muss der Handelsbereich schließen. Für den Kunden bedeutet dies, dass Handwerksleistungen und auch Beratungen in Anspruch genommen werden können.

„Wir bitten in dem Fall aber um Voranmeldung per Telefon oder Mail. Es gilt, den Hausverstand zu benutzen. Nicht jedes Gespräch muss persönlich von Angesicht zu Angesicht erfolgen“, plädiert Geschäftsführer Helmut Hörmann für ein Abwägen von Nutzen und Risiken von Fall zu Fall. „Niemand wird einem Virus nur mit Gesetzen und Regeln Herr. Da braucht es auch unser aller Hausverstand und Intuition, um zu entscheiden, was noch in Ordnung ist und was nicht.“

In den Bezirken Waidhofen und Gmünd, sowie im Umkreis von 25 Kilometern vom Geschäftslokal stellt Appel Einzelhandels-Waren ab 50 Euro kostenlos zu. Auch eine telefonische Beratung ist möglich. Firmenkunden können Waren weiterhin vor Ort abholen, auch die Postpartner-Stelle ist geöffnet.

Modehandel: Hoffen auf Kundentreue. In der Modebranche kämpft man mit der Saisonalität der Ware. „Im Frühling kauft niemand Wintermode, die muss bis Ende Jänner draußen sein“, erklärt Ulrike Ramharter, die in Waidhofen ein Modegeschäft betreibt.

Für sie beginne die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts am letzten Novemberwochenende – dieses fällt durch den Lockdown aus. „Ich hoffe, dass die Leute warten, bis wir im Dezember wieder aufsperren dürfen, und ihre Einkäufe nicht inzwischen im Internet erledigen“, meint Ramharter.

Ohnehin rechnet sie heuer mit einer gedämpften Wintersaison, da mangels Feiern und Bällen auch die Nachfrage nach Festtagsmode gering sei. Einen gewissen Andrang an Kunden, die noch schnell vor dem Lockdown einkaufen gehen, habe es schon gegeben, aber nichts „Dramatisches“.

Wie schon im Frühling bietet Ramharter eine Lieferung von Artikeln an. „Wir stellen auch gerne eine Outfit-Box zusammen, wir können Fotos per WhatsApp schicken“, kündigt die Modehändlerin an. Ihre Mitarbeiter will sie für die Dauer des Lockdowns zur Kurzarbeit anmelden. Die Details dazu müssen aber noch geklärt werden, ebenso weiß Ramharter noch nicht, wie viel Umsatzersatz sie erhalten wird.

Werkstatt offen, Schauraum zu. „Nur“ einen Teil-Lockdown gibt es in der Fahrzeugbranche. Werkstätten dürfen weiterhin alle Arbeiten ausführen, Schauräume und der Fahrzeugverkauf müssen aber schließen.

„Die Reparatur- und Serviceannahme ist normal möglich. Wir haben Plexiglaswände zum Schutz unserer Mitarbeiter installiert, wir haben Masken und Desinfektionsmittelspender. Es spricht also nichts dagegen, die Zeit während des Lockdowns zu nutzen, um sein Fahrzeug in der Werkstatt auf Vordermann bringen zu lassen“, sagt Jürgen Wais, Marketingleiter des Autohauses Wais in Waidhofen.

Dass man momentan keine Beratung für den Kauf eines Neuwagens ins Anspruch nehmen kann und auch nicht im Schauraum stöbern kann, ist klar.

Auto abholen möglich- Ein Spezialfall ist die Abholung eines bereits bestellten Fahrzeuges. „Das ist in Form einer weitgehend kontaktlosen Übergabe im Freien ohne Einweisung möglich. Auch die Zulassungsstellen haben im Gegensatz zum ersten Lockdown geöffnet“, erklärt Wais. Die genaue Erklärung des neuen Autos werde dann später nachgeholt, aber man könne in der Zwischenzeit wenigstens fahren, was für Kunden, die dringend ihr neues Auto brauchen, sehr wichtig sei.

„Generell habe ich den Eindruck, dass die Regeln bei diesem Lockdown praxistauglicher formuliert sind. Beim ersten Mal gab es viel Unsicherheit darüber, was jetzt erlaubt ist und was nicht. Darum waren damals auch die Zulassungsstellen zu, obwohl sie gar nicht hätten zusperren müssen“, meint Wais.

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