Impfen: Schutz für sich selbst und andere. Als soziale Verantwortung erachten Experten aus der Medizin und Pflege die Durchführung von Schutzimpfungen.

Von Karin Widhalm und Maximilian Köpf. Erstellt am 12. Februar 2020 (04:31)
Impfen ist auch bei Erwachsenen ein Thema. Häufig fehlen Auffrischungsimpfungen.
Shutterstock/Syda Productions

Impfbefürworter gegen Impfgegner und teils auch Impfmuffel: Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von Schutzimpfungen sorgen in der Bevölkerung für konträre Sichtweisen und bieten Anlass zur Debatte. Um mehr Bewusstsein für wert- und vor allem wirkungsvolle Impfungen zu schaffen, setzt das Land Niederösterreich auf die Kampagne „Darum Impfen“. Aber wogegen? Wie oft? Warum eigentlich? Und was hilft sonst noch vor Erkrankungen? Die NÖN hörte sich um.

Die typischen Kinderkrankheiten, in der heutigen Zeit Hepatitis, bei Älteren Pneumokokken, bei den Jüngsten Meningokokken, die die gefährliche Hirnhautentzündung auslösen können: Das zählt Allgemeinmediziner Kiril Kirilov (Raabs) zu den wichtigen Krankheiten, die eine Impfung unerlässlich machen. „Noch viel zu wenig beachtet ist die Impfung gegen die echte Grippe, die Influenza, für ältere Patienten, die wie Kinder automatisch als immungeschwächt gelten. Die Immunantwort vom Körper ist automatisch abgeschwächt, sie kriegen nicht so leicht Fieber“, empfiehlt er eine Vorsorge ab dem 50er.

Apotheker Erwin Pusch gibt in Waidhofen laufend Auskunft: „Viele Leute informieren sich bei uns über Impfungen zu uns, schauen, was sie auffrischen müssen, damit sie nichts übersehen“, erklärt er. Viele suchen die „Apotheke zum Heiligen Hubertus“ vor allem vor Reisen auf. „Sie fragen, was für ihre Destination empfohlen wird. Das war nicht immer so. Wir haben früher öfter erlebt, dass jemand eine Last-Minute-Reise gebucht hat und dann eine Woche vor dem Abflug zu uns gekommen ist und gefragt hat, wogegen er sich impfen lassen sollte. Das ist eigentlich zu spät.“ Geboten werde spezielle Impfprogramme für verschiedene Regionen auf der Erde.

„Die Zeckenimpfung ist immer sehr nachgefragt“, ergänzt Pusch. „Gerade erst heute war eine Frau da, hat sich informiert, weil ihr Hund eine Zecke im Fell hatte. Die Impfung ist in jedem Fall sehr sinnvoll.“ Ärzte informieren Risikopatienten gezielt über die Grippe. „Viele kommen auch vom Lungenfacharzt.“ Der Apotheker empfiehlt, regelmäßig den Impfpass zu kontrollieren. „Wenn’s zu lange her ist, kann es sein, dass man den Impfschutz komplett verliert und man wieder mit der Grundimmunisierung starten muss. Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern geht auch ins Geld.“
„Großen Epidemien in Vergessenheit geraten“

Impfung bedeutet Selbstschutz, ergänzt Arzt Kirilov. „Das Einzige ist, dass man sich überwinden und den kleinen Stich ertragen muss.“ Dazu kommt: „Es ist schwer zu beziffern, wie viele ohne Impfung krank geworden wären.“ Niemand erinnere sich mehr daran, dass die Spanische Grippe im Ersten Weltkrieg 50 Millionen Todesopfer auf der Welt gefordert hat. „Die großen Epidemien sind in Vergessenheit geraten, durch die bessere Medizin und die Hygiene.“ Letztere hat eine besondere Stellung in Krankenhäusern.

Spezielle ausgebildete Hygienebeauftragte sind in den Waldviertler Landeskliniken tätig. Kernaufgabe ist die Erkennung, Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von Infektionen. „Wir sind auch bei allen Planungen für Neu-, Zu- und Umbauten und bei der Anschaffung von Geräten und Gütern involviert“, sagt Günther Kalchbrenner, Hygienefachkraft am Landesklinikum Horn-Allentsteig.

Im täglichen Ablauf sind regelmäßig Fragen zu hygienischen Problemen zu beantworten, müssen hygienerelevante Produkte freigegeben werden, Stationen besucht und Richtlinien überprüft, manchmal auch überarbeitet werden. Besonders herausfordernd sei etwa der Umgang mit Isolierpatienten. Zudem sei wichtig, Richtlinien auch in Stresssituationen (wie bei akuten Verletzungen) nicht zu vernachlässigen. „Ich glaube schon, dass die meisten Menschen eine gewisse Hygiene einhalten“, beobachtet Kirilov. Luft nach oben gebe es aber.