Ist für Reisebüros die Zielgerade in Sicht?. Die Reisebüros machen seit über einem Jahr kaum Umsatz. Impfungen und der grüne Pass machen jetzt Hoffnung, dass es ab dem Sommer wieder bergauf gehen kann.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 28. April 2021 (05:32)
Doris Bednar hofft, dass die Quarantäneregelung bei der Einreise nach Österreich bald fällt. Nur so könne sich der Tourismus erholen.
S. Dangl, S. Dangl

Es gibt eine Branche, die hat es gerade besonders schwer. Dass der Tourismus am härtesten von der Corona-Krise getroffen wurde, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Für den heimischen Tourismus war das Vorjahr dank einem unerwartet guten Sommer dann doch nicht ganz so katastrophal, wie befürchtet. Mancherorts sprach man von einem regelrechten Boom beim „Urlaub daheim“.

Sehnsucht nach dem Meer. Ein schwacher Trost für die Reisebüros, bei denen hauptsächlich internationale Reisen im Fokus stehen. Seit mehr als einem Jahr sind Buchungen hier Mangelware. In der aktuellen Situation ist das verständlich, doch eine gewisse Reiselust ist trotzdem spürbar, wie Doris Bednar vom Reisecenter Waidhofen&Gmünd bestätigt. „Die Leute wollen ja prinzipiell weg und man merkt das auch an der Nachfrage. Es herrscht Sehnsucht nach dem Meer und überhaupt nach Abwechslung“, erzählt sie.

Quarantäne schreckt ab. Trotzdem ist die nach wie vor unsicher Corona-Situation im Sommer für die meisten abschreckend. Ein Hauptproblem stellt dabei die aktuelle Quarantäneregelung bei Auslandsreisen dar. So ist bei der Rückkehr nach Österreich nach wie vor eine zehntägige Quarantäne Pflicht. „Die Bereitschaft der Menschen ist gegeben, nur will kaum jemand nach dem Urlaub in Quarantäne. Wenn ich heute eine Woche verreise, muss ich mir mit der Quarantäne einberechnet fast drei Wochen Urlaub nehmen. Solange diese Regelung nicht fällt, wird auch das Reisegeschäft nicht mehr anziehen.“

Griechenland lockert. Anderswo hätte man da schon mehr Einsicht gezeigt. „Im Mai fällt beispielsweise die Quarantäne bei der Einreise nach Griechenland. Dort reicht dann ein negativer PCR-Test“, schildert Bednar. Für Griechenland habe sich der Schritt ausgezahlt. Die Buchungen sind seit der Lockerung gestiegen. Bednar hofft auf einen ähnlichen Schritt vonseiten Österreichs.

Buchungen nur minimal. Die aktuelle Buchungslage sehe nämlich nicht rosig aus. „Hin und wieder verkaufen wir schon Etwas. Das ist mal Griechenland, mal Kroatien.“ Am Ende bleibe es aber nur ein Bruchteil des nötigen Geschäftes. Wenn, dann würden die Kunden aktuell auf E-Mail oder Telefon zurückgreifen. „So macht es eigentlich keinen Sinn, sich den ganzen Tag reinzusetzen. Es ist aber auch nicht so, dass wir keine Arbeit hätten“, erklärt die Reisebüro-Inhaberin. Verwaltungstechnisch gäbe es auch in diesen Zeiten viel zu tun, weil ständig neue Informationen von Veranstaltern oder der Wirtschaftskammer kommen, eine frustrierende Situation. „Es ist ein großer Haufen Arbeit, bei dem aber letzten Endes Nichts herausspringt.“

Werden alle überleben? Finanziell ist die Lage angespannt. Einen prozentuellen Umsatzersatz gäbe es nur, wenn das Reisebüro auch selbst Reiseveranstalter sei. „Wir bekommen schon Etwas, aber das ist einfach zu wenig. Ich weiß nicht, wie das alle Reisebüros überleben sollen“, befürchtet Bednar. Ohne eigene Reserven würde es jedenfalls nicht gehen. Im Vorjahr musste schließlich ein großer Teil der Anzahlungen zurückerstattet werden, nachdem die Stornierungswelle über die Reisebüros hereinbrach.

Linienbusse als letztes Standbein. Etwas anders ist die Situation beim Waldviertler Reise-Platzhirschen Frank-Reisen. Mit den eigenen Bussen inklusive Linienverkehr bleibt Geschäftsführer Christoph Wurz zumindest ein Standbein.

Frank Reisen-Chef Christoph Wurz steht mit seinen Bussen in den Startlöchern und wartet auf Reiseerlaubnis und grünen Pass.
Frank Reisen, Frank Reisen

„Wir haben die Situation soweit im Griff und bereiten uns gewissenhaft vor, sollten bald auch die touristischen Busse wieder fahren dürfen“, schildert er. Zugegebenermaßen sei die aktuelle Lage aber ungewiss.

Warten auf Erlaubnis. Im Vorjahr hatte man im Sommer zumindest eine geringe Reisetätigkeit. Für heuer könne man aber unmöglich Prognosen abgeben. „Wir wollen gerne starten, wenn der grüne Pass da ist und es die rechtlichen Grundlagen zulassen. Zuerst brauchen wir aber natürlich die Erlaubnis, überhaupt fahren zu dürfen“, schildert Wurz. Wenn die dann aber mal komme, stehe man schon in den Startlöchern. Ein neuer Katalog ist in Vorbereitung. Der soll aber erst erscheinen, wenn die Reisen auch wieder fix stattfinden können.

Finanziell abgesichert. Trotzdem gibt es auch jetzt schon immer wieder Buchungen. „Im Vergleich zu vor Corona ist das nichts“, meint Wurz. Finanziell stehe man trotz der Umstände noch gut da. Zum einen hilft der bereits erwähnte Linienverkehr. Auch Regierungshilfen kamen an. „Dafür sind wir sehr dankbar. Das hat uns wirklich gutgetan.“ Im Vorjahr nahm das Unternehmen zudem einen Überbrückungskredit auf. Finanziell müsse man sich aktuell keine Sorgen machen.

Ausbruch aus dem Reiselockdown. Die Aussicht auf die Einführung des grünen Passes ist auch für Klaudia Hofbauer-Piffl der momentan größte Lichtblick. „Genau so etwas brauchen wir dringend. Wenn Menschen geimpft, getestet oder genesen sind, braucht es wieder Reisefreiheit“, meint die Chefin von Piffl Reisen. Mit solchen Lockerungen könnte es schon ab Mai wieder bergauf gehen. Griechenland und Spanien würden sich eventuell wieder für Reisen anbieten.

Stornierungen so einfach wie nie. Die Erwartungen sind dabei natürlich längst zurückgeschraubt. Ein paar Buchungen gibt es zumindest jetzt schon. Im Bezug auf Stornierungen im Fall der Fälle seien die Veranstalter sowieso schon sehr entgegenkommend. „Es gibt den Flex-Tarif. Man bezahlt eine geringe Summe beim Buchen und kann dafür bis zu 14 Tage vor der Reise ohne Grund stornieren“, erklärt Hofbauer-Piffl. Bei Absagen vom Veranstalter würde ohnehin der komplette Betrag zurückerstattet werden. So oder so könne man laut Hofbauer-Piffl auch jetzt bedenkenlos buchen oder zumindest mit der Urlaubsplanung beginnen.

Herrscht Knappheit an Flügen? Denn eine spontane Reise im Sommer könnte sich durchaus als schwierig herausstellen. „Es gibt nach aktuellem Stand nur wenige Flüge, vielleicht 20 Prozent im Vergleich zu einem normalen Jahr. Die werden sehr schnell ausgebucht sein.“ Im Verbund damit rechnet die Reisebüro-Chefin zudem mit starken Preiserhöhungen, sollte die Nachfrage steigen.

Aufatmen nach Hilfszahlung. Kleine Hoffnungen auf einen guten Sommer gibt es noch. Zumindest ein wenig Umsatz nach 14 Monaten Pandemie würde nicht schaden. Nach einem erneuten Fixkostenzuschuss ist die Situation aber wieder entspannter. „Der Zuschuss kam am Montag plötzlich und ohne Vorwarnung. Man hat uns anscheinend doch erhört“, erzählt Hofbauer-Piffl, nachdem seit einem Jahr keine Unterstützung mehr kam. Damit könne man jetzt wieder aufatmen und positiver in die Zukunft schauen. Die Kurzarbeit würde auch helfen. Umsatzersatz gäbe es dagegen keinen. „Wir dürfen ja offiziell offen haben und die Regierung sagt deshalb, dass wir so gesehen verkaufen können.“

Minimalbetrieb bei Piffl. Der Betrieb im Reisebüro ist aktuell auf das Minimum heruntergeschraubt. Lange Öffnungszeiten seien momentan sowieso nicht notwendig. „In einem verkleinerten Zustand werden wir schon über die Runden kommen. Um aber wieder auf den Level von vorher zu kommen, wird es sicher ein paar Jahre dauern.“

Busse noch im Winterschlaf. Auch die eigenen Busse stehen momentan komplett still. Zur weiteren Kosteneinsparung wurden alle abgemeldet. Das heißt aber nicht, dass keine Kosten mehr anfallen, denn Wartungen sind immer wieder fällig. Falls nötig könne man die Busse aber auf Knopfdruck aus der Garage holen. „Ich denke schon, dass wir mit dem grünen Pass auch wieder unsere Busreisen durchführen können. Wir hängen da aber auch stark an Hotellerie, Lokalen oder Kultur. Wenn die nicht aufsperren, macht es auch für uns keinen Sinn. Wir sitzen alle im gleichen Boot.“

Senioren erste Zielgruppe nach Lockdown. Gerade Seniorenreisen seien bald wieder gut vorstellbar. „Die Senioren sind zu einem guten Teil schon geimpft. Sie sind eigentlich aktuell das ideale Publikum für uns.“ Etwas Vorlaufzeit brauche man natürlich trotzdem, um in der Planung nachzukommen. Insofern sei eine gewisse Planungssicherheit einer der ersten Wünsche für die nahe Zukunft. „Momentan schaut es dafür gar nicht so schlecht aus. Es wirkt so, als seien wir jetzt endlich auf der Zielgerade.“

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