Kartoffeln: Heuer sind sie zu groß. Qualität und Menge der Ernte stellen zufrieden. Waldviertler Landwirte finden zum Teil aber schwer Abnehmer für Speiseerdäpfeln.

Von Karin Widhalm und Sebastian Dangl. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:11)
Nikolaus Noé-Nordberg (links): „Man muss langfristig Wasser auffangen.“ Alexander Kiennast (re.) vom Handelshaus Kiennast.
Eduard Reininger

Die Speisekartoffeln sind 2020 so groß geworden, dass die Landwirte Schwierigkeiten haben, Abnehmer zu finden: Das bestätigt Bezirksbauernkammer-Obmann Nikolaus Noé-Nordberg.

Nikolaus Noé-Nordberg: „Größe heuer grenzwertig oder liegt darüber.“
NOEN

Die Bauern arbeiten mit verschiedenen Vertragspartnern zusammen. „Es ist sicher der Fall, dass in den Verträgen Qualitätsnormen und Richtwerte festgelegt sind und dass wir heuer eine Größe im Speisekartoffel-Sektor haben, die sehr grenzwertig oder darüber ist.“ Der Grund für die Richtlinien liegt beim Großhandel und in der Gastronomie: „Die Erdäpfel werden dort maschinell geschält.“ Das könne nicht durchgeführt werden, wenn sie außer der Norm sind.

Was kann der Landwirt tun? „Er muss sich um einen anderen Abnehmer kümmern und meistens große Preisabschläge hinnehmen. Das trübt natürlich die Freude über den guten Ertrag und das schöne Wachstum.“ Das Problem sei, dass speziell bei Übergrößen der Markt beschränkt sei. „Wahrscheinlich ist es nicht möglich, alle Übergrößen auf den Speisekartoffel-Markt zu bringen, in dem Fall müssen sie an die Agrana weiterverkauft werden.“

Ob Kartoffeln in der richtigen Größe importiert werden müssen, müsse erst abgewartet werden. „Ich glaube, das lässt sich erst am Ende der Saison sagen“, erklärt Noé-Nordberg. „Der österreichische Markt ist sehr klein und regional. Es hängt auch davon ab, wie sich die Corona-Einschränkungen weiter auswirken. Angenommen, die Gastronomie und die Kantinen müssen wieder schließen, das wirkt sich natürlich auf den Kartoffelmarkt aus. Von daher ist es schwer vorauszusagen.“

Kiennast nimmt auch größere Erdäpfeln

Zufrieden ist die Bauernkammer mit der Ernte der Speise- und Stärkekartoffeln. „Generell ist sie sehr gut, da können wir uns nicht beklagen“, räumt der Obmann ein. „Die große Herausforderung, die wir jetzt haben, ist, dass die Lagerfähigkeit nicht ganz so gegeben ist, wie wir uns das wünschen würden.“ Man müsse mit erhöhten Lagerkosten rechnen. „Aber die Qualität passt, die Menge passt, in dem Fall können wir Erdäpfelbauern zufrieden sein.“

Alexander Kiennast: „Bis jetzt keine Probleme mit Übergrößen.“
Eduard Reininger

Alexander Kiennast vom gleichnamigen Handelshaus sieht die Lage nicht ganz so ernst: „Auch wenn die Erdäpfel einmal größer werden, versuchen wir, sie ganz normal in unser Sortiment aufzunehmen. Es gibt ja auch noch andere Verwertungsmöglichkeiten.“

Laut Kiennast habe es bis jetzt keine Probleme mit Übergrößen gegeben, doch er kann sich vorstellen, dass produzierende Betriebe ein Problem mit diesen haben könnten.