Landwirtschaft: „Wasser in der Region halten“. Die heimischen Landwirte zwischen Dürre, Borkenkäfer und Klimawandel – eine Standortbestimmung.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:31)
Muthsam

Steigende Temperaturen, weniger Niederschläge, Dürreperioden, Borkenkäfer, Klimawandel. Die heimische Landwirtschaft steht aktuell einer Reihe an Herausforderungen gegenüber, die diese womöglich auch nachhaltig verändern werden.

„Thema Nummer eins ist bei uns das Holz. Die Trockenheit und der Borkenkäfer machen alles sehr schwierig. Da sind wirklich ganze Existenzen bedroht“, sagt Renate Kainz, Landwirtin aus Kleinzwettl, zudem Bezirksbäuerin. Der Bezirk Waidhofen ist neben Horn und Zwettl ein Borkenkäfer-Hotspot. Alleine in der Stadtgemeinde Raabs fielen dem Schädling 2.000 der 3.750 Hektar Waldfläche zum Opfer.

"Erträge gehen massiv zurück"

Auch Grünflächen zur Futtererzeugung für die Viehhaltung werfen seit Jahren nicht mehr genug Futter ab, um alle Tiere durchzubringen. Etwas anders ist die Lage beim Ackerbau. „Die Qualität leidet nicht unter dem Klimawandel“, betont Nikolaus Noe-Nordberg, Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer. „Da ist es uns in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen, gute Qualitäten zu produzieren. Das basiert auf fachlichem Know-how und ständiger Weiterentwicklung.“ Was sich verändert, sind die Erträge: „Diese gehen massiv zurück.“

Die Bauern reagieren darauf, pflanzen vermehrt winterharte Früchte an. „Damit gehen sie der Frühjahrstrockenheit etwas aus dem Weg“, sagt Noe-Nordberg. „Sommergerste und Hafer gehen zurück. Man setzt mehr auf Triticale, Weizen und Braugerste. Der Klimawandel verändert das Anbauverhalten.“ Besser auf den Wasserhaushalt zu achten, ist unter Landwirten seit Jahren ein großes Thema. „Auch jede Bodenbearbeitung bedeutet einen Eingriff in den Wasserhaushalt. Die Landwirte reagieren auf die neuen Gegebenheiten, auch die Maschinentechnik entwickelt sich laufend weiter“, betont Noe-Nordberg.

Wie man langfristig auf die Veränderungen reagieren könne? „Ein Thema, das generell sehr wichtig werden wird, ist, wie man das Wasser in der Region halten kann“, sagt Noe-Nordberg.

„Dafür wird man vielleicht auch mit Zwischenspeichern arbeiten müssen. Diese wirken sich dann auch auf das Kleinklima aus und bringen dann vielleicht auch wieder mehr Niederschläge.“ Beregnung und Bewässerung werden jedenfalls Themen der Zukunft werden, ist der Kammerobmann überzeugt.

Viele Landwirte suchen Alternativen

Kainz bringt auch die Preispolitik mit ins Spiel. „Das Preis-/Leistungsverhältnis passt nicht mehr. Man versucht, global mitzuhalten, aber das lässt sich mit unseren Strukturen nicht vereinbaren“, sagt sie.

Um über die Runden zu kommen, suchen viele Landwirte Alternativen. „Das geht einerseits durch mehr Fläche, manche suchen nebenbei Arbeit“, schildert Kainz, die selbst in ihrer Wirtschaft die dritte Möglichkeit ins Auge gefasst hat.

Sie befüllt seit Jahren einige Marktnischen, brennt Schnäpse, ist Direktvermarkterin und betreibt zudem einen Heurigen. „Das ist eine gute Möglichkeit. Aber man muss immer schauen, was für einen am besten passt. Wenn man auf Nischenprodukte setzt, ist die ganze Familie sehr gefordert. Man muss auch bei den Arbeitszeiten sehr flexibel sein.“

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