Maskenpflicht fällt weg - Kellner können aufatmen. Atemnot, Schwindel und Kopfschmerzen waren auch in den Gastronomiebetrieben im Bezirk Waidhofen tägliche Begleiter im Dienst.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 02. Juli 2020 (04:41)
Bianca Hofmann, Michelle Berndl und Bernhard Zimmerl vom Pub & Restaurant Foggy Mix litten unter dem Mund-Nasen-Schutz.
Gerald Muthsam

Aufatmen kann im wahrsten Sinn des Wortes mit Anfang Juli das Servicepersonal der Gastronomie. Kellner sind vom Tragen der oftmals belastenden Mund-Nasenschutz-Masken befreit.

„Ihr tut uns schon wirklich Leid mit den Masken“, bekam das Personal im Irish Pub & Restaurant Foggy Mix in der letzten Zeit immer wieder von den Gästen zu hören. Kellnerin Bianca Hofmann kann einiges darüber erzählen: „Anfangs hatten wir Stoffmasken, mit denen war das Arbeiten fast nicht möglich. Eine Kollegin probierte dann das große Gesichtsvisier, auch das war eine Katastrophe“, erzählt sie. „Mit dem kleinen Visier geht es halbwegs, aber es ist natürlich um einiges angenehmer ohne einen Schutz.“ Da es keine Möglichkeiten gab, den Schutz abzunehmen, mussten er über die gesamte Dienst zeit getragen werden.

„Wir freuen uns einen Haxen aus, dass wir das Ding los sind. Gerade mit der Stoffmaske hatten wir alle mit Luftproblemen zu kämpfen.“ Kellnerin Bianca Hofmann

„Wir freuen uns deshalb einen Haxen aus, dass wir das Ding los sind. Besonders mit der Stoffmaske hatten wir alle mit Luftproblemen zu kämpfen. Wenn es noch dazu heiß war, ging es fast gar nicht. Eine Kollegin bekam einen Ausschlag von der Maske. Das kleine Visier machte es zwar leichter, aber der Druck hinter den Ohren führte dann zu Kopfschmerzen“, beklagt sie.

Froh, dass Mitarbeiter die Maske los sind

Betreiber Bernhard Zimmerl meint, dass ihn persönlich die Maskenpflicht nicht so stark betroffen hätte, denn er sei die meiste Zeit in der Küche. „Ich bin jedoch froh, dass meine Mitarbeiter die Maske jetzt los sind, denn mir ist wichtig, dass es ihnen gut geht“, sorgt er sich um sein Personal. Die Kellner hätten sich selber nach Alternativen umgeschaut und dann die kleinen Visiere bestellt.

Mit dem Gästeaufkommen zeigt er sich den Umständen entsprechend zufrieden. „Mit den letzten Lockerungen merkt man auch, dass sich die Gruppen wieder mehr treffen, und sie freuen sich auch über die spätere Sperrstunde“, sagt Zimmerl. „23 Uhr war ein unwillkommener Zeitpunkt, um nach Hause zu gehen, denn da geht es erst los. Mit ein Uhr können die meisten nun leben.“

Sauerstoffmangel durch Maske, Spiegelungen durch Visier

„Also ich bin glücklich, dass die Maske endlich weg ist“, strahlt auch Bettina Scharizer vom Café & Restaurant Oswald’s. „Beim Tragen kam es durch den Sauerstoffmangel zum totalen Schwindelgefühl. Das Visier erzeugte Spiegelungen, und gemeinsam mit dem Druck auf die Stirn kam es zu starken Kopfschmerzen. Bei Brillenträgern spiegelte es sich nochmals stärker“, schildert sie die Qualen. Ihr Mann, Jürgen Scharizer, freut sich auch, dass die Masken weg sind: „Sinnlos. Das ist das einzige, das ich dazu sage. Es hatte ja keinen Effekt mehr. In jedem Supermarkt tummeln sich die Leute, und wir sollten mit Maske herumlaufen. Das ist nicht logisch.“

Bettina und Jürgen Scharizer vom Café & Restaurant Oswald’s sind froh, dass sie die Masken los sind.
Gerald Muthsam

Der Besuch sei in den letzten Wochen steigend gewesen, doch man sei noch lange nicht dort, wo man einmal war. Dies sei auch nicht möglich, da nach wie vor die Abstandsregel eingehalten werden müsse und deshalb weniger Gäste ins Lokal dürften. „Wir haben ein Viertel der Sessel rausnehmen müssen, und das merkt man natürlich.“

Entspanntere Atmosphäre für den Gast

„Wir sind sehr froh, dass die Masken weg sind, und ich denke, die restliche Gastronomie Waidhofens auch“, meint Tell-Betreiber Stephan Kainz. „Wir hatten auch mittlerweile auf die Schutzschilder umgestellt, weil das Atmen mit der Stoffmaske schon ein Problem war. Noch dazu hat der Gast deine Mimik nicht gesehen, und das wirkt mit der Zeit etwas befremdlich. Der Wegfall ist ein nächster Schritt zur Normalität und die Atmosphäre wirkt auch für den Gast entspannter.“

Die Lockerung, dass wieder mehr als vier Personen an einem Tisch sitzen dürfen, hat sich sehr positiv auf den Betrieb ausgewirkt. „Gruppen, die zu fünft oder zu sechst fortgehen wollten, kamen nicht. Darum war das eine sehr wichtige Lockerung, genauso wie die spätere Sperrstunde“, meint Kainz. „Die Zeit von elf bis eins ist in der Nachtgastronomie ganz wichtig, denn da geht am Wochenende schon noch einiges. Unter der Woche sperren wir auch schon früher zu.“

Fortgehlaune ist wieder da

Mit dem Besuch könne er generell zufrieden sein: „Es geht in die richtige Richtung. Die Leute sind schon wieder in Fortgehlaune. Für die herrschenden Bedingungen ist es okay und ich darf nicht raunzen. Das wird schon alles wieder.“

„Maske unzumutbar.“

„Was Gescheiteres hätten sie sich nicht einfallen lassen können“, sagt Franz Strohmer vom Hotel Thaya in Raabs über den Wegfall der Maskenpflicht. „Das ist genau der Wunsch, den ich immer wieder deponiert habe. Denn es ist unzumutbar für das Personal, mit Masken zu arbeiten.“ Nicht nur die Kellner hätten ein Problem mit dem Schutz gehabt, sondern auch die Gäste. Vor allem sei die Verständigung sehr schwierig gewesen. „Jetzt können wir uns wieder normal unterhalten, und das bringt die gemütliche Waldviertler Wirtshauskultur zurück“, meint Strohmer.

Als noch immer durchwachsen beschreibt er die Gästezahlen. Ihm fehlen nach wie vor die Busgruppen und Veranstaltungen. „Der Individual-Ausflugstourismus ist stark gestiegen, was jedoch auch Probleme aufwirft“, gibt er zu bedenken. „Denn jetzt habe ich unter der Woche viele freie Zimmer, und die Nacht von Samstag auf Sonntag könnte ich zehnmal verkaufen.“ Für die Buchungslage im Sommer könne man nicht weiter als drei Wochen nach vorne blicken, da die Leute sehr kurzfristig planen.