Musikschulen im Lockdown: Auf lange Sicht kein Ersatz. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 14. April 2021 (05:17)
Lehrerin Michaela Haidl überträgt ihren Musikunterricht in der Musikschule Thayaland seit Ostern von zu Hause aus.
Sebastian Dangl

Nicht nur die Schulen haben es gerade nicht leicht. Auch die Musikschulen kämpfen nach einem Jahr Corona immer noch mit den Herausforderungen der neuen Unterrichtssituation. Die NÖN hat nachgefragt, wie der Musikschulbetrieb aktuell vonstatten geht. Denn gerade jetzt nach Ostern ist der erste Ausnahmefall in zwei Monaten eingetreten.

Da die Musikschulen eng an die Pflichtschulen gekoppelt sind, sind auch sie im Lockdown und damit im Distanzunterricht. Sonderlich viel Freude herrscht darüber nicht. „Der Distanzunterricht wird immer gerne schöngeredet, aber Ersatz ist er keiner“, meint Rainer Haidl, Leiter der Musikschule Thayaland. „Zusammenspielen geht aufgrund der Zeitverzögerung sowieso nicht, und wichtige Details wie die richtige Atemführung bei Blasinstrumenten sind schwer zu überprüfen.“

So würde der Online-Unterricht sich oft nur auf das Abfragen und Wiederholen der Hausübungen beschränken. Das Lernen neuer Stücke sei eine ganz neue Herausforderung, erst recht bei den Jüngeren, die zudem die Unterstützung der Eltern brauchen. „Mir fällt auch auf, dass die Kinder immer müder vom Distanzunterricht werden. Sie sehen, dass die gewohnten Möglichkeiten nicht da sind. So wird es zu einem einseitigen Vor- aber nicht Zusammenspielen“, betont Haidl. Trotzdem sei das besser als gar nichts. „Für kurze Zeit passt es schon, aber dann muss es schnellstmöglich zurück zum richtigen Unterricht gehen.“

Die Rahmenbedingungen wie sie vor Ostern herrschten wären dafür vollkommen in Ordnung. „Die Kinder haben sich nach der langen Zeit schon sehr gut an die Regeln gewöhnt und bringen die Routine mit“, meint Haidl. Ohnehin würde man sich bei den Einzelstunden im großen Gebäude nur selten über den Weg laufen. „Unsere großen Räume helfen auch, und wir lüften viel, sogar im Winter. Schüler und Lehrer ziehen sich jetzt halt wärmer an.“

Ein weiteres gravierendes Problem stellt derzeit die fehlende Präsenz der Musik dar. Konzerte lassen jetzt schon lange auf sich warten, und auch die Musikschulen können ihre Instrumente nicht in den Schulen vorstellen und bewerben. Im Thayaland hat man allerdings auch neue Lösungen gesucht und gefunden. Denn hier kommt das Internet auch einmal positiv ins Spiel. „Wir haben einen eigenen Youtube-Kanal eingerichtet und sind auch auf Facebook aktiv“, schildert Haidl. Hier gibt es jede Menge Videos von Schülern als auch Lehrern in Aktion. Momentan wird auf diese Weise auch fleißig Werbung in den Volksschulen betrieben, damit dort zumindest virtuell die Instrumente vorgestellt werden können.

„Ziele in diesen Zeiten enorm wichtig“

Einen ähnlichen Weg geht auch die Musikschule Vitis. Zu Advent und Fasching machte man ebenfalls mit vielen Online-Aktivitäten auf sich aufmerksam. Geplant sei zudem die Live-Übertragung von Anschlusskonzerten und Klassenabenden. „Das wird natürlich eine enorme technische Herausforderung“, erklärt Musikschulleiter Manfred Kreutzer. Enorm wichtig sei es jetzt, Ziele für die Musikschüler zu finden. „Wir hoffen, dass wir heuer wieder auch die Abzeichenprüfungen machen dürfen.“

Der Distanzunterricht selbst sei mittlerweile trotz der Abstriche recht gut eingespielt. „Die meisten Schüler kommen gut damit zurecht. Allerdings gibt es schon ein paar, die mit der Unterrichtsform nichts anfangen können.“ Der Erfolg hänge auch oft vom jeweiligen Instrument ab. So sei dem Feedback von Lehrern zufolge gerade das Klavier nur schwer über den Bildschirm zu unterrichten. Am meisten abgehen würde aktuell das gemeinsame Musizieren, das fehlt schon seit Langem. „Gerade in der Gruppe lernen die Schüler enorm viel voneinander“, erklärt Kreutzer.

Dieselbe Meinung vertritt auch Riccarda Schrey, Leiterin der Musikschule Waidhofen. „Unsere Schüler sind es gewohnt, miteinander und mit den Lehrern zu musizieren. Das musikalische und soziale Miteinander ist ein wesentlicher Teil der musikalischen Entwicklung, der in Zeiten wie diesen einfach fehlt“, schildert Schrey. Speziell in der elementaren Musikpädagogik und im Tanz fehle das Arbeiten in Gruppen extrem.

Eine zusätzliche Herausforderung stelle der ständige Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Unterricht dar. Auch Schrey bemerkt mittlerweile eine gewisse „Online-Müdigkeit“ bei den Schülern. Dahingehend sei der Präsenzunterricht unter Hygieneauflagen für sie die richtige Lösung. „Die Schüler arrangieren sich gut mit dem Unterricht unter den Corona-Rahmenbedingungen, weil sie gerne in den Präsenzunterricht kommen. Natürlich ist die Maskenpflicht nicht so angenehm, aber sie nehmen das einfach in Kauf und sind sehr diszipliniert.“

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