Nikolaus wird heuer abgehen. Zum ersten Mal seit fast 30 Jahren wird Gabriele Pusch nicht ins Nikolauskostüm schlüpfen. „Mir tun vor allem die Kinder leid.“

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 02. Dezember 2020 (05:24)
Einen Nikolausbesuch wie im Vorjahr beim Märchenadvent in Kautzen kann es heuer nicht geben. Nur Hausbesuche werden erlaubt. Und selbst dann darf der Nikolaus nur bis zur Türschwelle und nicht weiter.
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Viel Verunsicherung herrschte in der letzten Woche zum Thema Nikolaus in Coronazeiten. Eigentlich fällt der 6. Dezember noch in den Lockdown, und Abstand halten lässt sich zudem nur schwer mit dem Gedanken des Brauches vereinbaren.

Die Entscheidung wurde aber getroffen, zugunsten des Nikolaus. Hausbesuche sind erlaubt, jedoch nur stark eingeschränkt. Bis zur Haustür darf der Nikolaus kommen, dann ist Endstation. So mancher Nikolaus nimmt den Kompromiss in Kauf, andere sagen ihre Auftritte für heuer ab.

„Würde sich falsch anfühlen“

Auch Gabriele Pusch gehört zur letzteren Gruppe. Seit fast 30 Jahren schlüpft sie in Waidhofen in den roten Mantel und setzt sich die Mitra auf. Mit den Einschränkungen, die dieses Jahr mit sich bringt, wäre das Aufrechterhalten des Brauches für sie unmöglich.

Gabriele Pusch bewahrt jedes ihrer selbstverfassten Gedichte in Büchern auf.
Michael Schwab

„Nur zur Haustüre zu gehen und dem Kind aus der Ferne das Geschenk zu überreichen, das wurde sich falsch anfühlen“, sagt sie. Diese Lösung hält sie für viel zu unpersönlich. „Ich bin mit Herz und Seele dabei. So wie angedacht, würde das nicht mehr dem Nikolausgedanken in seinem Ursprung entsprechen“, meint Pusch.

Das Sackerl vor die Tür stellen

Dann solle der Nikolausbesuch doch lieber geheimnisvoll bleiben. So wie früher, als auch nicht immer der Nikolaus persönlich vorbeikam. „Man hat dann halt nur das Sackerl vor die Tür gestellt und dem Kind gesagt, der Nikolaus sei gerade vorbei gegangen“, erzählt sie.

Abgehen wird ihr der Nikolaus aber schon. „Ich hätte das nicht so lange gemacht, wenn es mir nicht auch etwas zurückgeben würde.“ Vor allem die Kinder tun ihr Leid, die jetzt nach den vielen Absagen in diesem Jahr wieder auf etwas verzichten müssen. Es würde aber nicht anders gehen. So bleibt es beim Hoffen auf das nächste Jahr.

Keine Adventmärkte, kein Nikolaus

Für die Nikolaustradition dürfte auch das Ausfallen der Adventmärkte ein schwerer Schlag sein. In Kautzen wurde im Vorjahr mit dem Märchenadvent noch groß gefeiert. Ein Nikolausbesuch stand da natürlich auch auf dem Programm. Heuer alles nicht umsetzbar.

In Waidhofen organisiert der Verein „Pro Waidhofen“ für gewöhnlich einen Nikolausbesuch mit Punschstand. „Mit der Abstandsregelung und dem Lockdown geht das halt leider nicht“, sagt Obfrau Ulrike Ramharter.

In Gastern kommt der Nikolaus

Nicht von den heurigen Einschränkungen aufhalten lässt sich dagegen Werner Traun. Er wird heuer wieder in Gastern unterwegs sein. Weiter, als bis zur Türschwelle darf er aber nicht.

Besser als gar nix, lautet für ihn die Devise. „Es ist eine Einschränkung, aber man kann den Kindern nicht auch noch den Nikolaus wegnehmen. Ostern fiel ja bereits der Pandemie zum Opfer“, meint Traun.

Mittlerweile entspannter bei der Sache

Für Gabriele Pusch wird es dagegen vermutlich erst im nächsten Dezember weitergehen. 2018 war sie noch für die Volkshilfe als Nikolaus unterwegs. Das bedeutete drei Tage lang von früh bis spät in das Kostüm schlüpfen. Letztes Jahr trat sie aber aufgrund der Anstrengungen einen Schritt zurück.

Ein weiterer Grund sei auch der Rückgang der Wertschätzung gewesen. So erlebte sie öfters, dass während ihres Besuches Fernseher oder Radio eingeschaltet blieben. „Da fällt keinem ein, dass sie diese abdrehen.“ Manchmal wäre sie sogar nicht einmal ins Haus gebeten worden. „Der Knackpunkt war bei einer Haustür, als mir jemand zwei Euro in die Hand gedrückt und gesagt hat: Können Sie uns von dort drüben einen Punsch holen?“, erzählt sie. Letztes Jahr konzentrierte sie sich deshalb auf Familien, die die Tradition tatsächlich pflegen.

Die tiefe Stimme muss schon sein

Als Frau in einer Rolle, die größtenteils von Männer verkörpert wird, steht sie diesen in nichts nach. Naja, eine Sache gibt es vielleicht doch. „Ich tue mir schwer, die Stimme zu verstellen“, gibt die Frau Nikolaus preis.

Dafür gibt es aber für jedes Kind ein eigenes Gedicht von ihr, dass sie dann mit tiefer Stimme vorträgt. Verloren gegangen ist davon noch kein einziges. Sie alle werden feinsäuberlich in Büchern gesammelt, und das seit fast 30 Jahren.

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