Sorgenfalten wegen der Lieferengpässe am Bau. Zahlreiche Bauunternehmen berichten von mangelnden Ressourcen und Preiserhöhungen. Was sind die Folgen?

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. April 2021 (05:29)
Eine der vielen Baustellen der Firma Reissmüller: Der Umbau und die Erweiterung der Polytechnischen Schule, die jetzt weitgehend abgeschlossen ist – noch vor der Rohstoff-Teuerung.
Reissmüller, Reissmüller

Ratlosigkeit macht sich breit. Die Baubranche fährt zwar trotz Corona weiterhin stark und freut sich über eine gute Auftragslage, doch just zur besten Bausaison macht sich ein Mangel an Baustoffen bemerkbar. Das sorgt für Sorgenfalten bei Bauunternehmern und Zulieferern. Neben langen Lieferzeiten ziehen gerade auch die Preise deutlich an. Was bedeutet das für die heimischen Baustellen?

Wartezeiten und Preissteigerungen. „Wir bemerken den Mangel an Baustoffen gerade massiv. Es ist ein Wahnsinn“, schildert Reissmüller-Geschäftsführer Richard Grün.

Reissmüller-Geschäftsführer Richard Grün.
Reissmüller, Reissmüller

Beim Bereich Holz sei man momentan bei langen Wartezeiten und Preiserhöhungen von bis zu 40 Prozent angelangt. Angefangen habe der Trend schon im Dezember, als Grün die ersten Preissteigerungen bemerkte. Damit nicht genug. Auch Plattenwerkstoffe, Leimbinder, Dämmstoffe, Kanalrohre, Styropor und noch mehr seien betroffen. „Generell kann man sagen, alles was von der Industrie kommt.“ Dann wären da noch die explodierenden Stahlpreise. „Seit Dezember ist auch dieser um 30 Prozent teurer geworden“, berichtet Grün.

„Obwohl der Bau einen guten Aufschwung hatte, bremst uns der Baustoffmangel jetzt massiv.“ Richard Grün

Bald Verzögerungen auf den Baustellen? Manche Stoffe würde man sogar überhaupt nicht bekommen. „Wir kriegen das Holz und die Plattenwerkstoffe nicht, wodurch wir Baustellen nach hinten verschieben müssen“, klagt Grün. Gerade in den letzten Wochen seien die Preise nochmals stark gestiegen. „Obwohl der Bau einen guten Aufschwung hatte, bremst uns der Baustoffmangel jetzt massiv. Wenn es so weiter geht, werden wir Probleme haben, die Mannschaft zu beschäftigen.“ Auch den Kunden gegenüber könne man mittlerweile keine Festpreise mehr garantieren. Die jetzt berechneten Kosten für Baustarts in einem halben Jahr würden durch die aktuelle Lage höchst unsicher werden. Durch den Trend kann sich schnell alles ändern. Die Bauunternehmen sitzen in der Preisschere.

Der System Weltmarkt wird zum Problem. Erklärungsversuche gibt es mehrere. So könnten zum einen Exporte nach Amerika und China für die Knappheit im eigenen Land sorgen. „Ich habe selbst mit jemandem von einem Sägewerk geredet und habe erfahren, dass dort viel Holz verschifft wird. Beim Export bekommt man anscheinend gerade doppelt so viel wie in Österreich“, erzählt Grün. Für ihn schlägt das Thema noch viel zu wenige Wellen. „Die Regierung hat anscheinend noch nicht ganz überrissen, dass da die nächste Krise auf uns zukommt. Die Politik muss schnellstmöglich reagieren, und das EU-weit.“

Kein Stahl in Sicht. Im selben Boot sitzt der Groß Sieghartser Bauunternehmer Andreas Peschel.

Bauunternehmer Andreas Peschel.
Peschel, Peschel

Bei ihm mache sich vor allem der Mangel an Stahl bemerkbar. Beim Holz gab es bislang keine Probleme. Die ersten extremen Preiserhöhungen bemerkte Peschel im Jänner. „Die Gründe für die Stahlknappheit liegen wahrscheinlich in der Industrie. Es könnte sein, dass da große Mengen zurückgehalten werden, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Rohstoffe innerhalb von vier Wochen aus sind“, schildert Peschel. An Corona könne man die Probleme auch nur schwer festmachen. Schließlich war im Vorjahr nichts von einem Engpass zu spüren.

Das Problem mit den Preisen. Die aktuellen Baustellen beeinflusse der Rohstoffmangel nur am Rande. „Unser Lager ist Gott sei Dank voll, wodurch wir noch problemlos bauen können.“ Bauverzögerungen in der Zukunft kann aber auch Peschel nicht ausschließen. Auch die Preisentwicklung könnte in der Planung noch Probleme bereiten, denn noch ist kein Ende der Preiserhöhungen in Sicht. „Ich kann nicht einfach drei Monate nach einem Vertragsabschluss sagen, dass es plötzlich 30 Prozent mehr kostet.“ Letztendlich liege das Problem am Weltmarkt. „Man hält Produkte zurück oder verkauft dorthin, wo man mehr damit lukrieren kann. Das ist ein normaler Prozess des Geschäftes.“

Angst vor leeren Regalen. Natürlich beschäftigt das Thema nicht nur die Bauherren. Auch die Baustoffhändler sind besorgt. Neben der Knappheit machen extreme Lieferzeiten Probleme. „Es dauert manches drei Monate länger als gewohnt“, erzählt Lagerhaus-Geschäftsführer Wolfgang Gwiß.

Der Geschäftsführer des Waidhofner Lagerhauses Wolfgang Gwiß.
Archiv, Archiv

In Folge könne man der Kundennachfrage nicht nachkommen und Regale müssen leer bleiben. Auch die Angst vor Hamsterkäufen in der Baubranche macht sich breit. „Es ist das gleiche wie zu Beginn von Corona, als plötzlich viele Menschen Klopapier oder Hefe hamsterten“, meint Gwiß.

Holz-Exporte nach Asien und Amerika als Preistreiber. Auch beim Waldviertler Fertigteilhaushersteller Hartl Haus blieb man von der Entwicklung der letzten Monate nicht verschont. „Wir bemerken dies vor allem bei Holz, Holzprodukten und Dämmstoffen“, berichtet Geschäftsführer Yves Suter.

Hartl Haus-Geschäftsführer Yves Suter.
Hartl Haus, Hartl Haus

Bei den Gründen kann auch er nur Vermutungen anstellen. „Ein Grund kann sein, dass dies die Nachwehen der Kurzarbeit in vielen Produktionsbetrieben im vergangenen Jahr sind. Produktionsmengen sanken, die Baubranche hat allerdings aufgrund der steigenden Nachfrage einen höheren Bedarf.“

Preisverdoppelung befürchtet . In Folge würden auch die Holzpreise durch die Decke gehen. „Ein alarmierendes Beispiel dafür ist der Preis für Leimholz. Hier rechnen wir damit, dass sich der Preis bis Mitte des Jahres im Vergleich zu Jahresbeginn verdoppeln wird. Bei diesen massiven Preisanstiegen zu Fixpreisangeboten zu stehen, bringt viele Firmen in Bedrängnis“, meint Suter. Aufgrund der vielen regionalen Partner sei man selbst noch auf der sicheren Seite. Lieferausfälle oder Verzögerungen müsse man aktuell nicht befürchten. „Es wird aber spannend, in welche Richtung sich die Situation weiter entwickeln wird.“

Regionalität als Lösung? Lösungsansätze sind jetzt gefragt. Österreich habe erstklassiges Know-how und Qualität – und die müsse im eigenen Land und in der Region bleiben. Nachhaltiges Handeln sei auch im Sinne der Umwelt das Gebot der Stunde und österreichisches Holz über den Atlantik zu verschiffen habe nichts damit zu tun. „Ein Ausverkauf und Preisschlachten dürfe hier nicht passieren“, meint Suter. Auch wenn es nicht die Lösung für alle Probleme darstelle, seien regionale Lieferanten und Partner ein Schritt in die richtige Richtung: „Um das Problem nachhaltig und dauerhaft anzugehen, braucht es politische Lösungen.“

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