20 Jahre Euro: Am Ende doch kein „Teuro“?

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:32
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8269619_wai03dsnoe.jpg
Vor 20 Jahren wurde in Österreich vom Schilling auf den Euro gewechselt. Wie war die Meinung zur gemeinsamen Währung damals, wie heute?
Foto: Symbolbild/Shutterstock (BildagenturZoonar GmbH)
20 Jahre mit dem Euro sind ins Land gegangen. Haben sich die Erwartungen erfüllt oder sind die Befürchtungen wahr geworden?
Werbung

Ist das denn schon wieder 20 Jahre her? Mit dem 1.1.2002 wurde in Österreich der Euro eingeführt. Die gemeinsame Währung mit vielen Ländern der EU war damals schon ein kontroverses Thema. Haben sich die Befürchtungen letzten Endes bewahrheitet? Wurde der Euro zum „Teuro“, oder überwiegen doch die Vorteile?

„Grundsätzlich glaube ich, dass der Euro bis auf wenige Ausnahmen nicht zum Teuro wurde. Die durchschnittliche Inflation in den ersten 20 Eurojahren liegt bei 1,8 %, im letzten Schilling-Jahrzehnt lag sie bei 2,2 %“, erklärt Kurt Bogg, Vorstandsdirektor der Waidhofner Raiffeisen. Das Argument, der Euro hätte alles teurer gemacht, würde also nur bedingt greifen.

Die mit der gemeinsamen Währung erhofften Fortschritte seien dagegen nach 20 Jahren mehr als positiv zu erwähnen. „Die gemeinsame Währung sollte einerseits das Zusammengehörigkeitsgefühl in Europa stärken und andererseits die Währung stabiler machen. Beides ist meiner Meinung nach im Großen und Ganzen erfüllt. Eine Miniwährung wie der Schilling wäre in diesen Zeiten Spekulationen wahrscheinlich ziemlich hilflos ausgeliefert“, meint Bogg.

Enorme Vorteile brachte die neue Währung auch für den Tourismus und den grenzüberschreitenden Handel. Geldwechsel, Kursschwankungen und Umrechnen waren passé. Der gesamte Zahlungsverkehr wurde erleichtert und auch Preisvergleiche einfacher.

Der Raiffeisen-Vorstandsdirektor kann sich noch gut an die Zeit rund um die Euro-Einführung erinnern: „Ich war in unserer Raiffeisenbank direkt mit der Euro-Einführung betraut. Wir haben Info-Veranstaltungen für Kunden gemacht, und ich kann mich noch gut an die Erstlieferung der Münzpakete und Geldscheine erinnern. Die Einführung habe ich sehr begrüßt, wenn auch die Regeln für den Beitritt in den Euro-Raum wahrscheinlich strenger hätten sein müssen, wie man am Beispiel Italien oder Griechenland sieht.“

Kritik an der

Europäischen Zentralbank

Kurt Boggs Fazit nach 20 Jahren Euro fällt also durchaus positiv aus. Unzufrieden zeigt er sich allerdings bei der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: „Aus Rücksicht auf die südlichen Mitgliedsländer wird das Zinsniveau künstlich tief gehalten. Das ist schlecht für die wichtige private und betriebliche Vorsorge und schwächt den Euro international .“

Vonseiten der Waldviertler Sparkasse gibt es zahlreiche Positivbeispiele, die im Verbund mit dem Euro hervorzuheben sind. Marketingleiter Manfred Füxl streicht einen Anstieg des Wirtschaftswachstums, die Robustheit der Währung sowie erhöhte Preistransparenz hervor. „Ein direkter Preisvergleich innerhalb des Euroraums ist dadurch möglich geworden. Der damit verbundene Wettbewerb bietet eine größere Produktvielfalt und günstigere Preise“, erklärt er.

Europa wuchs mit dem Euro zusammen

Die Umstellung vor 20 Jahren sei auch für die Banken ein Großereignis gewesen. „Als die Sparkassen die ersten Starter-Sets ausgaben, herrschte ein immenser Andrang. Das Interesse war riesig. Für die Sparkassen war die Einführung des Euros gleichzeitig eines der größten Projekte in unserer mehr als 200-jährigen Geschichte“, unterstreicht Füxl. In 20 Jahren sei Europa aufgrund des Euro ein Stück näher zusammengerückt. „Heute kann sich niemand mehr vorstellen Geld wechseln zu müssen, wenn es im Urlaub nach Italien oder Spanien geht“, betont er.

Der befürchtete Inflationsschub hätte nie eingesetzt. Heute ist der Euro die zweitstärkste Währung der Welt. „Der stetige EU-Zuwachs hat nicht nur jüngeren Mitgliedsstaaten massive Wachstumsbeschleunigung verschafft – auch Länder wie Österreich haben stark von den neuen Investitionsmöglichkeiten und vergrößertem Binnenmarkt profitiert, wodurch der Wert des Euro über die letzten 20 Jahre massiv gestiegen ist und zu unserem heutigen Wohlstand erheblich beigetragen hat“, betont Füxl.

Als nächster Schritt bahnt sich die Einführung eines digitalen Euro als digitale Bargeldalternative. Das Interesse in der Bevölkerung sei laut Füxl groß, auch aufgrund des Bedürfnisses nach einer Alternative zu Kryptowährungen, bei denen Zahlungen zu leicht einsehbar sind und wenig Privatsphäre bieten.

„Wir sehen großes Potenzial für den digitalen Euro, denn er wird aller Voraussicht nach programmierbar sein und uns ermöglichen, neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die momentan vielleicht noch gar nicht denkbar sind. Die meisten Industriestaaten arbeiten derzeit an eigenen digitalen Währungen. Es wäre ein großer Fehler die Zukunft zu verschlafen“, meint Füxl..

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage beendet

  • Rechnet ihr noch in Schilling um?