40 Jahre im Einsatz bewährt. Feuerwehr Vitis schwört auf ihr Tanklöschfahrzeug Baujahr 1978 – natürlich noch mit alten „Taferln“.

Von Michael Schwab. Erstellt am 07. August 2019 (03:13)
Michael Schwab
Der Mercedes LAF 911B der FF Vitis steht noch immer da wie neu. An der Stoßstange prangt nach wie vor das originale Kennzeichen aus dem Jahr 1978, als das Auto in Dienst gestell wurde.

Oldtimerfans schätzen sie, doch sie werden immer seltener: die schwarzen Nummerntafeln mit weißer Schrift.

Denn die alten Tafeln werden bei einem Besitzerwechsel bzw. einer An- und Abmeldung eines alten Fahrzeuges eingezogen und gegen neue Nummerntafeln ersetzt. Man findet sie daher nur noch an Fahrzeugen, die sich schon lange beim selben Zulassungsbesitzer befinden.

Die Freiwilligen Feuerwehren sind geradezu prädestinierte Eigentümer solcher Fahrzeuge, bleiben doch Einsatzfahrzeuge in der Regel zumindest 25 Jahre im Einsatz.
In der Garage der FF Vitis befindet sich ein solches Schmuckstück – ein Mercedes LAF 911B, Baujahr 1978. Rost sucht man an dem nunmehr 40 Jahre alten Fahrzeug vergeblich, ein Vergleich mit dem Foto von der Fahrzeugsegnung lässt das Einsatzfahrzeug wie neu dastehen. Natürlich ist man, was Wartung und Instandhaltung betrifft, bei der Vitiser Wehr stets auf Zack, doch dafür hat man einen tollen Oldimer in der Garage, den man nicht nur zu Oldtimertreffen ausführen, sondern auch im Einsatzalltag nach wie vor nutzen kann.

„Das ist kein Museumsstück“, betont Kommandant Markus Holzweber. 124 kW leistet der Motor des als Tankwagen ausgerüsteten Lkw, der wegen seines 2.000-Liter-Wassertanks nach wie vor bei Bränden zum Einsatz kommt. „Außerdem verfügt das Fahrzeug über eine große Trommelseilwinde an der Front, die uns bei Lkw-Unfällen stets gute Dienste leistet“, berichtet Holzweber. Vorurteile, dass ein derart altes Fahrzeug ein Geldgrab wäre oder unzuverlässig sei, kann er zerstreuen.

Im Unterhalt eines der günstigsten Fahrzeuge

„Der alte Mercedes braucht nicht viel Geld, er ist, was Wartung, Pickerl und Service betrifft, eines der günstigsten Fahrzeuge. Die Technik ist robust, es gibt keine fehleranfällige Elektronik, und man kann noch viel selbst daran reparieren“, führt der Kommandant die Vorteile an.

Trotz Anfragen: Auto steht nicht zum Verkauf 

Bis auf ein paar Verschleißerscheinungen wie einen defekten Kühlmittelschlauch hat es nie etwas gegeben. Das schwarze Taferl aus den 1970ern prangt noch immer stolz am Fahrzeug, und dabei wird es, solange der Wagen bei der FF Vitis steht, auch bleiben. Wobei: Ein Verkauf steht für die Wehr derzeit sowieso außer Frage. „Es hat schon ein paar Anfragen von Kaufinteressenten gegeben. Aber wir geben ihn nicht her“, stellt Holzweber klar.

Eine weitere Feuerwehr, die noch mit schwarzen Nummerntafeln herumfährt, ist die FF Lindau. Ihr 28 Jahre altes Kleinlöschfahrzeug, ein Ford Transit, ist noch mit seinen Originaltaferln unterwegs. „Die Nummerntafel umzutauschen wäre eine unnötige Ausgabe, von der niemand, schon gar nicht die Bevölkerung, etwas hat. Deshalb bleibt die alte Nummerntafel, solange uns kein Tausch vorgeschrieben wird“, stellt Kommandant Gerald Arthaber klar.

Jede Feuerwehr müsse darauf achten, ihr Geld sinnvoll auszugeben – daher kauft man statt neuen Nummerntafeln lieber Ausrüstung für die Mannschaft, die im Ernstfall von Nutzen ist. Und Hand aufs Herz: zu einem Oldtimer passt schließlich auch das historische Kennzeichen am besten.