Abholservice in aller Munde. Nachdem auch im Februar keine Öffnung geplant ist, heißt es für die Wirte im Bezirk Waidhofen/Thaya weiter ausharren. Fad herumsitzen will aber keiner.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 04. Februar 2021 (03:50)

Es wird immer weiter verschoben und nochmals verschoben: Die Gastronomie muss weiter auf einen Termin zur Öffnung warten. Während der Lockdown nach aktuellem Stand am 7. Februar gelockert werden soll, bleiben die vielen Lokale im Bezirk noch länger zu. Wie lange, weiß niemand. Wie lange kann das noch gut gehen, ist die andere große Frage. Kommen die Wirte im Bezirk so weit über die Runden?

Unterstützung wird weniger. „Es geht sich momentan noch einigermaßen aus. Die Hilfen, die versprochen wurden, sind alle angekommen“, erklärt Tell-Betreiber Stephan Kainz. So langsam würde die Unterstützung aber auch weniger werden. „Es ist verständlich. Wo soll denn auch das ganze Geld herkommen?“ Vorsicht ist also geboten, wenn das Lokal die Krise unbeschadet überstehen soll.

Pizza zum Abholen. Seit Neuestem ist auch das Tell dem Trend nachgezogen und bietet seine Speisen zum Abholen an. Damit bricht Kainz die Stille, die seit November um das Pub herrscht. „Es dauert jetzt einfach schon zu lange. Wir müssen rein aus psychologischer Sicht wieder etwas machen“, betont er. Der Zuverdienst würde natürlich nicht schaden. Auch im Gespräch zu bleiben, sei dabei nicht unwesentlich. „Der Kundenkontakt ist so enorm wichtig. Sonst geraten wir wirklich irgendwann in Vergessenheit“, meint Kainz.

Zum Takeaway angeboten werden fast alle Speisen der normalen Karte mit Burgern, Gebackenem, Risotto und Pizza. Letzteres ist natürlich am beliebtesten ist. „Es funktioniert alles ganz gut. Wir haben bereits jetzt, kurz nach Start, einige Kunden.“

Wie lange noch, bevor es „kracht“? Mit einer Öffnung rechnet Kainz nicht mehr vor Ostern. Spätestens dann würde die Zeit langsam kommen. „Es wird immer schwieriger, alles aufrecht zu erhalten. Im Tell können wir wenigstens kochen, aber bei anderen geht gerade gar nichts.“ In der Cafe-Bar Alberto, die Kainz zusätzlich betreibt, steht momentan alles still. „Ich weiß nicht, wie lange wir uns noch so durchwurschteln können.“

Kostenersatz hilft nur bedingt. Das Limit ist auch für das Oswald‘s so langsam erreicht. „Auch mit der Unterstützung ist es schwer, über die Runden zu kommen“, meint Inhaber Jürgen Scharizer. „Trotz Kurzarbeit gilt es, die vielen Abgaben zu zahlen. An der Miete wird auch nichts nachgelassen.“

Konkurrenzdruck auch im Lockdown. Die laufenden Fixkosten bleiben also das größte Problem. Da würde auch der Abholservice nicht mehr viel herausholen können. „Uns fehlen dabei halt die Getränke. Nur mit dem Essen macht man leider keinen großen Gewinn“, schildert Scharizer. Obendrauf sei der Aufwand mit Verpackung und Planung nicht unerheblich. Auch der Konkurrenzdruck mache sich so langsam bemerkbar. „Alle Lokale in Waidhofen kochen mittlerweile. Leute gibt es deswegen aber auch nicht mehr. Wir machen das, damit wir unseren Stammgästen etwas bieten können, und um zu zeigen, dass wir noch leben.“ Positiv hervorzuheben sei auch, dass man den Mitarbeitern dadurch die Kündigung ersparen und sie in der Kurzarbeiten halten könne.

Nicht alles ist zum Mitnehmen geeignet. Gekocht wird im Oswald‘s sieben Tage die Woche. Die Karte musste für den Abholservice etwas reduziert werden, da sich natürlich nicht jede Speise zum Mitnehmen eignet. Die Flammkuchen, für die das Lokal bekannt ist, sind auch in Lockdown-Zeiten äußerst beliebt. Zusätzlich will Scharizer den Vegetariern eine breite Auswahl an Gerichten bieten.

Aufsperren wenn’s wärmer wird. Insgesamt bleibt das Fazit des Abholservice aber bei „schlecht und recht“. Die Hoffnungen beruhen auf einer baldigen Wiedereröffnung. „Ich würde mir einen Termin noch vor Ostern wünschen, aber das wird‘s wahrscheinlich nicht spielen“, meint Scharizer. Bei etwas wärmeren Temperaturen könnte man zumindest neue Möglichkeiten in den Raum bringen. „Ein logischer Schritt für mich wäre, dass wir wieder aufsperren, sobald die Gäste draußen sitzen können.“

Testpflicht in Gastro: Ein No-Go? Ganz gut aufgestellt ist zumindest momentan noch das Fit Restaurant. „Wir haben das Glück, dass das Gebäude uns gehört und wir keine Miete zahlen müssen“, erklärt Fit-Chef Stefan Bittner. So lange das Kurzarbeitsmodell funktioniere, sei der Lockdown noch tragbar. Im Verlauf des März sollte es aber laut ihm schon so langsam in Richtung aufsperren gehen, bevor die Stimmung in der gesamten Gastronomie kippt. „Die Frage ist nur, unter welchen Einschränkungen es dann weitergehen kann. Wenn die zu streng sind, könnten die Gäste trotzdem ausbleiben“, meint er. Ein Testpflicht für den Lokalbesuch wäre zumindest strittig. „Es müsste dann schon ein wirklich praktischer und müheloser Schnelltest sein. Falls das nicht so ist, wird es sicher Menschen geben, die ‚Nein, danke‘ sagen und daheim bleiben.“

Die richtige Einstellung. Beim Abholservice will sich Bittner nicht beklagen, auch wenn das große Geschäft ausbleibt. „Ich habe mir nie wirklich viel davon erhofft. Es geht darum, den Mitarbeitern zu zeigen, dass sie gebraucht werden. Es wäre die falsche Einstellung, gar nichts zu machen.“

Das Wirtshausleben geht ab. Nicht mehr groß über die Situation nachdenken will Kirchenwirt Klaus Jöch: „Es bringt ja nichts. Ich will nicht jeden Tag schlechte Gedanken haben. So lange wir noch Unterstützung bekommen, habe ich kein Problem mit der Schließung.“ Der Abholservice würde zumindest momentan passen. Gemeinsam mit Kostenersatz und Kurzarbeit käme man schon über die Runden. „Es ist halt nur leider nicht mehr das Wirtshausleben, wie wir es uns wünschen würden.“