Apotheker oder doch Hausarzt?. Rund-um- die-Uhr-Angebot steht wohnortnaher Versorgung mit Medikamenten gegenüber.

Von Karin Pollak. Erstellt am 04. September 2019 (04:00)
Michael Schwab
Die Apotheke als Versorger: Erwin Pusch (Mitte) mit Michael Pusch und Bianca Jagsch.

Wenn der Austausch zwischen Ärzten und Apotheken funktioniert, dann profitiert der Patient. Oft stehen die beiden aber in Konkurrenz zueinander. Der Grund: an die Arztordination angeschlossene Hausapotheken.

Die Umfrage der NÖN zeigte eines auf: Sowohl Ärzte als auch Apotheken fühlen sich vom derzeitigen System benachteiligt. Das über Jahrhunderte lange gemeinsame Wirken sei dadurch gestört.

Dass nur Arztpraxen mit angeschlossenen Hausapotheken das finanzielle Überleben eines Arztes ermöglichen und für viele Praxen ohne Hausapotheke Nachfolger vergeblich gesucht werden, kann der Großsieghartser Arzt Hans-Christian Lang nachvollziehen. „Das Einkommen der Ärzte wird schlechter. Die Hausapotheke bringt da schon ein beträchtliches Zusatzeinkommen“, so Lang, der nach der Pensionierung seiner beiden Kollegen in Groß Siegharts seine Kassenverträge kündigte und nur mehr Wahlarzt ist. Seither wird intensiv versucht, Ärzte-Nachfolger zu finden. Eine Lösung scheint jetzt gefunden (die NÖN berichtete).

Als Beispiele für finanzielle Einbußen führt Lang an: „Die Honorare der Bauern, die schlechter geworden sind, und die Laborleistungen werden ab nächstem Jahr gestrichen. Durch die Hauskrankenpflege gibt es auch nicht mehr so viele Visiten“, so Lang, der dabei auf die steigenden Lohnkosten für die Ordinationsmitarbeiter verweist. „Das Einkommen eines Arztes kann nur mehr über die Masse erhöht werden. Für den Arzt bedeutet das Fließbandarbeit, die kaum Zeit für den Patienten zulässt. Die Lösung wäre einfach. Man bräuchte nur die Honorare leistungsgemäß anpassen“, so Lang. Für das Ziehen von 30 Nähten erhält er zum Beispiel das gleiche Honorar wie für das Blutdruckmessen.

Für die Apothekerin in Groß Siegharts, Heidrun Holik, ist es vorrangig wichtig, dass sich wieder ein Arzt in Groß Siegharts ansiedelt: „Unsere Patienten sind mangels unserer Ärzte zu Ärzten mit Hausapotheken abgewandert. Dort erhalten sie ihre Medikamente und kommen nicht mehr zu uns. Trotzdem habe ich keine Angst um meine Existenz, auch wenn es heißt, dass sich in Groß Siegharts wegen unserer Apotheke keine neuen Ärzte ansiedeln.“ Nur: „Wenn ich zusperren würde, dann ginge die Konzession sofort weiter. Mit drei Arzt-Planstellen in einem Ort gibt es sowieso keine Konzession für eine Hausapotheke“, zeigt Holik auf.

Betrieb in Apotheken ist Pflicht, bei Ärzten nicht

Unter folgendem Blickwinkel sieht diese Debatte Ärztin Ute Waldmann, die in Thaya eine Praxis mit einer Hausapotheke führt: „Die Hausapotheke ist eine große Erleichterung für Patienten, sie erhalten ihre Medikamente direkt bei mir verschrieben, erklärt und auch ausgegeben. Für mich ist es natürlich ein Zugewinn und lindert den Arbeitsdruck. Ohne sie müsste ich viel mehr arbeiten, um meine Familie ernähren zu können, aber genau das will ich nicht.“ Ihr sei nämlich ausreichend Zeit für ihre drei Kinder und ihren Gatten ebenso wichtig wie die Arbeit.

Ärzte hätten laut Waldmann auch ohne Hausapotheke ein ausreichendes Einkommen: „Wir Ärzte verdienen besser als andere Akademiker. Man muss halt Maß halten“, meint die Ärztin aus Thaya. „Wenn drei Ärzte in Groß Siegharts sich es klug einteilen, dann verdienen sie ausreichend und stehen nicht so unter enormen Druck.“ Konkurrenz zur Apotheke will sie nicht sein, denn: „Apotheken haben unzählige zusätzliche Medikamente und längere Öffnungszeiten. Für Ärzte wäre die Möglichkeit einer Abgabe der Basismedikamente einfach wichtig.“

In der Apotheke zum Heiligen Hubertus in Waidhofen, die von Apotheker Erwin Pusch betrieben wird, waren mit Ende August 4.794 verschiedene Artikel und 34.705 Packungen gelagert. „Wir haben ja einen Versorgungsauftrag, haben das ganze Jahr hindurch geöffnet, das gibt es bei keinem Arzt“, so Pusch. Dass Ärzte nur mit einer Hausapotheke überleben können, kann er nicht nachvollziehen: „Wir haben vier Kassenärzte in Waidhofen ohne Hausapotheke. Wie schaffen die das?“

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