Autokauf: Kunden wählen öfter den Benziner. Aufgrund der Verunsicherung durch den „Dieselskandal“ wird wieder vermehrt auf Benzinmotoren gesetzt. Auch E-Autos sind beliebt.

Von Michael Schwab. Erstellt am 23. Januar 2019 (04:18)
Die Marke VW führt die Statistik an: Ulrich Weltzl, Markus Bauer und Jürgen Wais vom Autohaus Wais freuen sich über ein gutes Jahr.
Michael Schwab

Ein deutlicher Trend zum Benzinmotor zeigte sich im Vorjahr. Die Gründe dafür sind neben der Verunsicherung durch den „Dieselskandal“ auch die beim Diesel immer komplexer werdende Abgasreinigungstechnik, die bei Kurzstreckenfahrern problematisch sein kann.

Insgesamt wurden 2018 im Bezirk Waidhofen 831 Autos neu zugelassen, um 51 weniger als 2017. Die Autohäuser zeigen sich dennoch zufrieden. Auf Platz eins der Neuzulassungen im Bezirk Waidhofen liegt nach wie vor die Marke VW, dicht gefolgt von den eigenen Konzernmarken Seat und Skoda (siehe Grafik). „Der Anteil der Benziner war 2018 gegenüber den Vorjahren spürbar höher, das bedeutet aber keinesfalls, dass deswegen der Diesel aus der Mode gekommen ist. Gerade bei großen Fahrzeugen und Vielfahrern ist der Dieselmotor nach wie vor die wirtschaftlichere Wahl“, stellt Jürgen Wais vom Autohaus Wais (VW und Skoda) in Waidhofen klar.

Nutzungsprofil spielt größere Rolle

Was sich allerdings geändert habe, sei, dass Kunden heute nicht mehr so oft nur aus Prinzip ein Dieselfahrzeug kaufen, weil sie das immer so getan haben. Man achte viel mehr auf das Nutzungsprofil, ob dieses mit einem Dieselfahrzeug kompatibel ist. Denn seit der Einführung aufwändiger Abgasreinigungstechnik, insbesondere des Partikelfilters, sind Dieselfahrzeuge für reine Kurzstreckenfahrer nicht geeignet.

Hinsichtlich des Dieselskandals ortet Wais auch eine gewisse Verunsicherung. „Das Problem ist, dass den Leuten oft der Unterschied zwischen Stickoxiden und CO nicht klar ist. Die aktuellen Dieselmotoren stehen beim Stickoxid-Ausstoß sehr gut da und haben aufgrund des niedrigeren Verbrauchs gegenüber einem Benziner auch einen geringeren CO -Ausstoß“, erklärt Wais.

Das Elektroauto wird zur Alternative - nicht nur als Zweitwagen: MarionStoidl und Ewald Scheidl vom Autohaus Waidhofen mit einem Nissan Leaf.
Michael Schwab

Besonders hoch im Kurs waren 2018 einerseits SUVs wie T-Roc oder Tiguan, andererseits aber auch die günstigen Volumenmodelle wie VW Polo, Skoda Fabia oder Skoda Rapid.

Auf Platz vier der Neuzulassungen lag 2018 die Marke Landrover – es gab hier im Bezirk Waidhofen niederösterreichweit die meisten Neuzulassungen (56). „Wir hatten ein sehr gutes Jahr. 2018 war noch eine Spur besser als unser bisheriges Rekordjahr 2017, und das trotz der Behinderungen durch den Schauraum-Umbau“, freut sich Verkaufsleiter Manfred Dietrich vom Autohaus Dobersberg, das die Marken Landrover und Ford führt.

Besonders gut verkauften sich Landrover Evoque, Sport und Discovery, bei Ford der Kuga, der Focus und der Fiesta. „Bei Kleinwagen und in der Kompaktklasse werden verstärkt Benziner genommen, bei Landrover ist aber nach wie vor der Diesel weit vorne, von 40 verkauften Autos sind sicher 37 Diesel“, erläutert Dietrich.

Fahrverbots-Diskussion verunsichert Kunden

Neu in der Produktpalette ab der zweiten Hälfte des Jahres 2018 findet sich ein Benzin-Hybrid, der sich wachsender Nachfrage erfreut.

Auch im Autohaus Hofstetter (Opel und Kia) in Waidhofen bestätigt man den Trend zum Benziner. Manche Leute seien auch wegen des Dieselskandals verunsichert gewesen oder hätten sich mit der Frage, ob ein Umstieg auf ein Elektroauto sinnvoll wäre, beschäftigt. „Im Kleinwagenbereich und bei Wenigfahrern wird jetzt öfter der Benziner genommen, für Vielfahrer oder in größeren Fahrzeugen ist aber nach wie vor der Diesel interessanter“, präzisiert Hofstetter.

Bei der Marke Kia verkauften sich Picanto und Rio gut, vereinzelt auch der Sportage. Bei Opel standen Crossland, Grandland und Corsa vorn.

E-Autos: Zweitwagen wird zum Hauptauto

Kaum eine Änderung im Kaufverhalten stellte Rudolf Pokorny vom Autohaus Waidhofen (Nissan, Dacia, Renault) fest. „Wer einen Diesel will, bleibt nach wie vor beim Diesel. Nur wer wenig fährt, schwenkt eventuell zum Benziner“, bringt es Pokorny auf den Punkt. Die Verunsicherung durch den Dieselskandal sei mittlerweile wieder abgeflaut. Was sich laut Pokorny sehr gut entwickelt, ist der Verkauf von E-Autos. „Wir haben in den letzten Jahren immer um die 20 bis 25 Fahrzeuge pro Jahr verkauft“, berichtet Pokorny. Das Autohaus Waidhofen hat mit dem Renault Zoe und dem Nissan Leaf zwei Modelle mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis im Angebot, wobei der Leaf momentan bei den Verkaufszahlen führend ist.

„Was wir auch sehen, ist, dass diese Fahrzeuge oft zwar als Zweitautos gekauft werden, dann aber im Laufe der Zeit mitunter eher als Hauptfahrzeug genutzt werden, wenn sich herausstellt, dass die geringere Reichweite gegenüber einem Auto mit Verbrennungsmotor in der Praxis gar kein Problem ist“, sagt Pokorny.

"2018 war besser als 2017"

Bei den Verbrennern sind bei Renault der Clio und der Captur die Zugpferde, bei Nissan der Qashqai. „Sehr gut verkaufen sich auch die Dacia-Modelle“ fügt Pokorny hinzu.

Im Mitsubishi-Autohaus Lirnberger in Waidhofen zeigt sich ein deutlicher Trend zum Benziner und zum Hybridantrieb. „Hersteller wie Mitsubishi investieren aufgrund des Abgasskandals kaum noch in den Diesel“, stellt Alexander Lirnberger fest. Vor allem der Mitsubishi Outlander, den es auch als Hybrid gibt, der ASX und der Space Star verkauften sich im Vorjahr sehr gut.

Quelle: Statistik Austria; Illustration: A7880S/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Auf ein gutes Autojahr blickt man im Seat-Autohaus Holas in Vitis zurück. „2018 war besser als 2017, der neue Seat Arona hat bei uns die Latte ordentlich hoch gelegt. Aber auch die übrigen Modelle verkauften sich gut“, berichtet Geschäftsführer Alois Holas. Bei der Motorwahl gilt: Je größer, desto eher wird ein Diesel genommen.

In der Klein- und Mittelklasse seien die Benziner federführend: „Das war aber immer schon so“, relativiert Holas.

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