Boom bei Haustieren: Tierheime teils überfüllt. Überforderung und unüberlegte Anschaffungen von Haustieren bringen manche Tierheime an die Belastungsgrenze. Im Waldviertel bleibt die Lage recht entspannt.

Von Sebastian Dangl und Johannes Mayerhofer. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:40)
Die auf Nagetiere spezialisierte Tierpflegerin Anikó Peter kümmert sich im Kremser Tierheim um Kaninchen.
Johannes Mayerhofer

Einfach so nebenbei ein neues Haustier anschaffen, sei es gegen die Einsamkeit oder gar aus Langeweile. Dieser Trend ist in Corona-Zeiten verstärkt bemerkbar geworden. Vorsicht ist aber geboten, denn nicht jeder kommt mit dem Zeit- und Kostenaufwand eines Hundes klar. Das merken dann auch die Tierheime. Welche Auswirkungen hat die Coronakrise bei ihnen?

Zumindest im Garstener Tierheim Schlosser ist die Pandemie bisher nur bedingt angekommen. „Wir sind eigentlich ganz gut ausgelastet, aber nicht überfüllt. Schön langsam wird die Anzahl der Tiere aber größer“, berichtet Obmann Erwin Schlosser. Aktuell befinden sich acht Hunde, 18 Katzen, ein Hase und ein Papagei in seiner Obhut. Auch ein paar Igel dürfen im Haus überwintern. Kapazitäten sind noch vorhanden.

Keine Veränderungen im Waldviertler Tierheim

Dass seit der Pandemiesituation signifikant mehr Tiere abgegeben werden, kann Schlosser nicht bestätigen. „Es hat sich nicht wirklich etwas verändert. Die Zahlen sind relativ gleichgeblieben.“ Auch an den Gründen, warum Tiere ins Tierheim verfrachtet werden, hat die Pandemie nichts Neues ans Tageslicht gebracht. Laut Schlosser sind diese immer noch fast zu viele, um sie alle aufzuzählen. „Umzug, Scheidung, Allergien, Oma/Opa gestorben. Auch, dass der Hund deppert sei und nichts lernen würde, haben wir schon mal gehört“, erzählt er. Oft würde auch der Zeitaufwand und die Kosten eines Haustieres unterschätzt werden. Dann hieße es einfach, der Tierarzt und das Futter seien zu teuer.

All das führte zu den vielen Tieren ohne Besitzer, die aktuell im Tierheim in Gastern untergebracht sind. Auch während des Lockdowns ist der Besuch zum Anschauen der Tiere erlaubt, allerdings nur mit einer telefonischen Voranmeldung. Regelmäßigen Besuch würde es auch weiterhin von den „Gassigehern“ geben. „Leute können sich einen Hund holen und ein bis zwei Stunden mit diesem spazieren gehen, ganz ohne Verpflichtungen.“ Vor allem ältere Menschen, die sich keinen eigenen Hund mehr nehmen wollen oder nicht die Zeit aufbringen können, würden dieses Angebot öfter nutzen. „Man merkt schon, dass wegen dem Lockdown einige Menschen gerade deswegen zu uns kommen. Sie gehen dann einfach mal eine entspannte Runde mit dem Hund, bevor ihnen daheim die Decke auf den Kopf fällt“, schildert Schlosser.

Trotzdem sei das grundsätzliche Interesse nicht wirklich gestiegen. „Merklich gesunken ist dagegen die Spendenbereitschaft. Ich nage jetzt nicht am Hungertuch, aber wenn es noch lange so weitergeht, kann es knapp werden“, betont der Obmann des Tierheimes. Fixkosten würde man nicht abstellen können. Der Tierarzt, das Futter und die Erhaltung des Gebäudes, nichts davon wäre wegzudenken. Auf Förderungen des Landes oder der Gemeinden kann Schlosser nicht hoffen. „Ich muss mit den Spenden und dem, was ich selbst erwirtschafte, auskommen.“

Anders als in Gastern hat das Tierheim Krems den Haustierboom deutlich zu spüren bekommen. „Wir haben mit Beginn des ersten Lockdowns einen gewaltigen Anstieg der Zahlen von Anfragen von Leuten erlebt, die sich gerne ein Tier zulegen wollen“, bestätigt die Obfrau des Kremser Tierschutzverbandes, Nina-Maria Zinn-Zinnenburg. Gleichzeitig habe es in diesen März- und Aprilwochen keinen einzigen Menschen gegeben, der ein Tier abgeben wollte. „Das Tierheim war ja geschlossen zu der Zeit, aber über Mail- und Telefonanfragen haben wir dieses deutlich größere Interesse mitbekommen.“

Kuriose Anfrage:

Ein Tier „mieten“

Zwar nicht regelmäßig, jedoch immer wieder, sei es auch zu kuriosen Anfragen gekommen. „Wir erlebten einige Male, dass Interessenten zu uns kamen, die dachten, sie könnten sich ein Tier quasi ,mieten‘. Wenn sich etwa jemand für die Zeit im Homeoffice oder in der Kurzarbeit eine Katze oder einen Hund anschaffen und dann wieder zurückgeben will.“ Das habe man seitens des Tierheimes „dankend abgelehnt“. Das Tier habe eine Seele und gewöhne sich an die neue Umgebung, wisse dabei nicht, dass es bald wieder zurückgegeben wird. Andere Tierheime berichten davon, derartige Interessenten würden dies als kurzweiligen Zeitvertreib für sich und als „eine Art Urlaub vom Tierheim“ für den Vierbeiner betrachten.