Fastenzeit: Verzicht fällt nicht allen leicht. Vorsätze sind schnell gefasst, nicht immer können sie eingehalten werden. Ein Gesprächspartner schaffte das.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 17. April 2019 (04:48)
Wäre die Mehlspeise eine Malakoff-Torte, hätte sich Manfred Damberger für den Apfel entschieden, aber bei diesem Match gewinnt eindeutig der Schokokuchen. Er fastet auf andere Weise.
Karin Widhalm

Fasten Sie? „Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich fahre gerade mit meiner Frau nach Wien zu einem Konzert und wir werden vorher fein essen“, muss Bürgermeister Rudolf Mayer (Raabs) über die Frage lachen.

Seine Amtskollegin Anette Töpfl (Vitis) reagiert ebenso amüsiert. „Ich bemühe mich eigentlich das ganze Jahr über“, antwortet sie dann. Fast alle bekunden im NÖN-Gespräch, ihre Fastenvorsätze nicht immer einhalten zu können – mit einer Ausnahme.

„Ich lese morgens keine Zeitungen. Nein, die NÖN muss ich rausnehmen: Ich lese keine Tageszeitungen.“ Manfred Damberger über seine längste Fastenzeit

Mayer hat Interesse daran, kürzerzutreten. „Ich habe doch sehr anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen, deswegen würde es guttun, auf die Ernährung zu achten. Man wird ja nicht jünger.“ Pflichten en masse: Gerade das bringt Essgewohnheiten durcheinander. Hat der Bürgermeister und HAK-Direktor viel zu tun, isst er tagsüber kaum bis gar nichts.

Das sieht er als Nachteil, weil dann abends der Heißhunger kommt. „Aber ich weiß, ich bin damit nicht allein“, kennt er Kollegen, die mit dem selben zu kämpfen haben. Töpfl fastet, aber: „Es gelingt mir nicht immer.“

Sie verzichtet auf Süßes und isst generell weniger, „damit ich mich wohler fühle und gesünder bin.“ An Aufgeben denkt sie trotz manchen Rückschlägen nicht: Die Gemeindechefin will auch im nächsten Jahr vor Ostern fasten. Ewald Polacek findet gerade diese Zeit sinnvoll, um sich auf eine Leichtigkeit im Sommer vorzubereiten. „Die Religionen machen das nicht zufällig“, erklärt der Gründer des „Theaters an der Mauer“ in Waidhofen.

Er fastet aber zurzeit nur „zögerlich“, nicht strikt. Das heißt: Er möchte seinem Körper weniger Kalorien zuführen, „damit die Leibesfülle ein bisschen reduziert wird.“ Das, was Mayer als Nachteil ansieht, macht Polacek sehr bewusst.

„Gerade jetzt habe ich sehr viel Arbeit, da wird auch den ganzen Tag gefastet.“ Denn: „Ich muss frisch und munter bleiben. Es macht Sinn, vor Proben und Aufführungen einen klaren Kopf zu bewahren.“ Er werde müde nach dem Essen, deswegen dienen die Nächte zur Einnahme der Mahlzeit. „So hat jeder seinen Lebensrhythmus.“

Apfel oder Kuchen? Wie sich Manfred Damberger entschied, zeigt das Foto ganz deutlich. „Eine klassische Fastenzeit nehme ich nicht in Anspruch“, erklärte der Vorstandsdirektor der Siedlungsgenossenschaft Waldviertel in Raabs.

„Gründonnerstag und Karfreitag versuche ich in der Fastenzeit so einzuhalten, wie es das christliche Leben vorexerziert“, macht er dies auf Basis seines Glaubens. Und: Einen Monat im Jahr trinkt er aus gesundheitlichen Gründen „keinen Tropfen Alkohol“. „Aber die 40 Tage habe ich noch nie eingehalten, da fehlen mir die Motivation und vielleicht auch die tief religiöse Einstellung.“

Der Begriff ist für ihn „sehr mannigfaltig einsetzbar“: Man könne Worte, Tätigkeiten, Auseindersetzungen oder Konflikte fasten. „Das obliegt jedem Einzelnen.“ So gesehen faste er schon seit vier Jahren. „Darauf bin ich eigentlich stolz“, lächelt Damberger. „Ich lese morgens keine Zeitungen.“ Nein, die NÖN muss er rausnehmen: „Ich lese keine Tageszeitungen“, wird er konkreter.

Damberger habe früher gespürt, dass sich die negativen Meldungen („Probleme, Politik, Mord, Unfall, Skandal“) auf das morgendliche Ehegespräch und seine Stimmung beim Verlassen des Hauses transportiert hatten. Nachrichten höre er jetzt als Vielautofahrer auf Ö1, damit versäume er nichts. „Es ist der Hammer: Es funktioniert“, startet er seine Tage viel besser. „Ich kann das jedem empfehlen. Damit ist das die größte Fastenzeit, die ich je hatte.“

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