Fernreisen: Reisebuchungen bei Null. Reisebüros sind hauptsächlich mit Stornierungen beschäftigt. Nur vereinzelt gibt es Buchungen für Österreich-Reisen. Aufwärtstrend wird erst für Sommer 2021 erwartet.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 03. Juni 2020 (03:50)
Michaela Scheidl (Mitte) vom Reisebüro „Reisen & Mehr“,mit ihren Mitarbeiterinnen Sonja Burggraf und Tanja Dangl freut sich über jede einzelne Buchung.
zVg

Ziemlich finster ist die Stimmung nach wie vor in der Reisebranche. Während manche Branchen nach dem Hochfahren wieder beim Normalbetrieb angekommen sind oder es zumindest stückweise anläuft, stehen die Reisebüros weiterhin so gut wie auf Null.

Doppelte und dreifache Arbeit, aber kein Verdienst

„Momentan sind wir hauptsächlich mit Stornierungen beschäftigt“, erzählt Leopold Fraisl vom Waldviertler Reisebüro Fraisl, Groß Siegharts. „Wir haben mit den Rückbuchungen die doppelte und dreifache Arbeit und verdienen keinen Cent Provision damit. Wir sind also nicht von 100 auf Null gefallen, sondern von 100 auf minus 100. Die große Euphorie bricht auch jetzt noch nicht aus, wo die Leute sagen, hurra, die Grenzen werden geöffnet“. Die Situation habe sich in den letzten Wochen nicht verändert. Man wisse heute nicht, was in einem Monat sei. Dass man nach aktuellem Stand nach der Rückreise nach Österreich entweder 14 Tage in Quarantäne oder einen Test um rund 200 Euro machen müsse, mache die Sache auch nicht einfacher.

Herbst-Saison wäre nur mehr Schadensbegrenzung

Dann müsse man auch damit rechnen, dass es gewisse Einschränkungen geben wird, und das seien die Kunden nicht gewohnt. Es sei auch nicht klar, wann welche Flüge angeboten würden. Der Trend sei eher zur Verschiebung der Reise auf nächstes Jahr. „Meinem Gefühl nach werden auch im Sommer in die beliebten Urlaubsländern wie Italien noch nicht viele Leute kommen“, denkt Fraisl. „Wir hoffen zwar nicht, dass das Jahr schon völlig gelaufen ist, aber alles was noch im Herbst kommen könnte, wäre nur eine Minderung des Schadens.“

Auch bei Inlandsurlauben sei noch nicht sicher, welche Hotels wann öffnen würden. Das Verhalten der Leute sei hier im Moment eher so, dass man zuwartet und spontan dann selber etwas buchen würde.

Ohne Impfstoff keine große Wende

„Mir ist derzeit wichtig, dass meine Kunden ihre Anzahlungen zurückbekommen, dafür setzen wir uns ein“, betont Fraisl. „Bevor nicht ein Impfstoff vorhanden ist, wird auch nicht die große Wende kommen. Und auch dann wird es wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis sich die Branche erholt hat. Man kann auch hoffen, dass danach wieder mehr über die regionalen Reisebüros gebucht wird, denn alle, die selber über Internet gebucht haben, müssen nun auch selbst um ihre Rückerstattungen kämpfen.“

Buchungen für Österreich „tröpfeln“ herein..

Rosig ist die Situation auch nicht beim Reisebüro „Reisen & Mehr“ von Michaela Scheidl in Hollenbach: „Es tröpfeln zwar einige Österreich-Buchungen herein, aber ansonst gibt es keine Neubuchungen für den Sommer. Ich freue mich auch über einige Kunden, die ihre bereits gebuchte Reise für August oder September in Griechenland antreten wollen. Sie sagen, wenn das Flugzeug fliegt, dann fliegen wir mit.“

Buchungen für Österreich würden die Leute meistes ohnehin selber machen. Aber wenn jemand etwas Spezielleres wie ein Ferienhaus haben möchte, gäbe es bei ihr gute Angebote.

„Freue mich über jede Buchung.“

„Die Menschen müssen wieder Vertrauen gewinnen, erst wenn es die erste Mundpropaganda mit positiven Erfahrungswerten gibt, wird wieder Schwung in die Branche kommen“, ist sie überzeugt. „Derzeit freue ich mich über jede einzelne Buchung, und wenn ich drei habe, freu ich mir schon einen Haxen aus. Man spürt bei den Menschen auch im Moment nicht den Drang nach Urlaub. Abgesehen von Einkommensverlusten sind viele auch innerlich etwas heruntergefahren.“

Auf Empfehlungen angesprochen, meint sie, dass mit August, September, Oktober Griechenland und Zypern ein gutes Pflaster sein werde. Dort gäbe es viele liebe kleine Pensionen, da könne man auch gut am Strand Abstand halten. Aber auch Kroatien sei ein Tipp. Eine Angebotswelle gebe es im Moment nicht, könnte aber vielleicht noch kommen.

Bei Hilfsmaßnahmen tut sich nichts

„Die Reisebranche ist an sich krisenerprobt, weil es durch Krankheiten, Terror oder Krieg immer irgendwelche Krisenherde gab, aber wir hatten noch nie, dass die ganze Welt betroffen war“, erzählt Klaudia Hofbauer-Piffl vom Reisebüro Piffl in Waidhofen. „Seit ich mich erinnern kann, hat das Geschäft immer floriert. Jetzt haben wir seit Anfang März keine Buchungen mehr. Wir haben zwar vorher gut verkauft, aber die Hauptbuchungszeit fehlt uns bzw. bereits Gebuchtes wird nun wieder storniert.“ Auch bei den Hilfsmaßnahmen tue sich gar nichts. „Wir warten nach wie vor auf die Entscheidung der Regierung betreffend finanzieller Unterstützung. Wir fallen momentan bei allen Hilfspaketen durch. Wir warten auf eine Lösung wie auf einen Bissen Brot“, berichtet sie verzweifelt.

Mittlerweile hätten in Niederösterreich schon 20 Reisebüros geschlossen und würden voraussichtlich auch nicht mehr aufsperren. „Wir haben keine Perspektiven und Aussichten, wie es weitergeht. Bei den jetzt besprochenen Grenzöffnungen geht es hauptsächlich um Deutschland oder Tschechien. Jedoch betreiben nur wenige Reisebüros „Incoming“, das heißt, dass sie ausländische Gäste in Österreich vermitteln. Das klassische Reisebüro vermittelt die Einheimischen in die ganze Welt, und hier sind die Öffnungen der Länder nicht gesichert. Wir hoffen, dass Griechenland, das nur wenige Covid-Fälle hat, bis zum Sommer öffnet“, meint Klaudia Hofbauer-Piffl.