Fotografie: Arbeit läuft langsam an. Einblick Sie sind als Nebenberufler in der Branche aktiv, spüren aber die Corona-Auswirkungen: drei Professionisten aus dem Bezirk.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 15. Mai 2020 (06:32)

Stark getroffen hat die Coronakrise die Berufsfotografen: Sie müssen eklatante Umsatzeinbrüche hinnehmen. Das trifft vor allem jene, die viel mit Menschen arbeiten und ein Studio führen. Die nebenberuflich Tätigen spüren den Einschnitt auch.

Eins nach dem andern abgesagt

David Anderle aus Vitis arbeitet in einem Software-Haus, das auf die Betreuung von Lebensmittel-Verarbeitern spezialisiert ist, – genau diese Branche erlebe gerade ein Hoch. Der andere Bereich liegt gerade brach: Anderle ist weder in seinem Studio anzutreffen, noch als künstlerischer Fotograf aktiv. „Im April hätte ich eine Ausstellung in der alten Schmiede Schönberg ausrichten können, die leider abgesagt werden musste“, erzählt er. Er bereite sich mehrere Monate lang auf solche Veranstaltungen vor. Er hoffe auf ein Nachholen 2021.

Andreas Biedermann, neben seinem Job in einer Bank fotografisch aktiv, musste ebenso Pläne verwerfen: Veranstaltungen im Thayapark oder in Vitis sind ausgefallen, Hochzeiten wurden abgesagt, eine Ausstellung in Groß Siegharts hätte alte Bauernhöfe fokussiert („Ausgedient. Spuren der Zeit“). Die Sommerakademie in Motten mit Fotosafari zu „Lost Places“ wird er im September nachholen können.

„Man hat Ausgaben“

„Ich muss nicht davon leben. Das ist eine Sondersituation als nebenberuflicher Fotograf“, sagt Biedermann. „Aber man hat natürlich seine Ausgaben, wie Leasingraten, und Investitionen, die man trotzdem machen muss“, denkt er an seinen erst angeschafften PC. Der Waidhofner werde prüfen, ob er eine Finanzhilfe aus dem Härtefallfonds erhalten kann. Anderle helfe dies vor allem, um Fixkosten zu decken. „Die derzeit geltenden Regeln für die Phase zwei der Unterstützung finde ich zielgerichtet, aber trotzdem soweit offen, dass auch ich als Nebenerwerb-Fotograf noch mitmachen kann“, führt er aus. „Dennoch müssen Aktionen wie diese über die kommenden Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, refinanziert werden.“

Kein Antrag auf Finanzhilfe

Ronald Samuiloff aus Ruders wird indes keine finanzielle Unterstützung beantragen. „Es gibt Leute, die brauchen das Geld dringender. Solange es mir gut geht, muss ich mir das Geld nicht holen. Das haben offenbar noch nicht alle verstanden“, betont er. „Natürlich geht das Geld ab, aber andere hat es schlimmer getroffen.“ Er selbst verlor Hochzeits- und Porträtshootings. Herausforderung werde die Fotografie mit Maske oder Abstand sein, da werde er andere Objektive verwenden.

Gewerbe-Öffnung: gut oder nicht?

Zwei Meinungen prallen aufeinander, wenn es um die Öffnung des Gewerbes 2012 geht: Fotografen durften zuvor nur nach Ausbildung ihr Gewerbe anmelden, die Liberalisierung ermöglicht dies für alle. Das habe einen Preisdruck verursacht, ist von Fotografen aus dem Bezirk Horn zu hören. Samuiloff sieht das anders: „Man wird wirklich an der Qualität gemessen und nicht, ob man einen Meisterbrief hat oder nicht.“ Eine Preisregulierung wäre nicht in seinem Sinn: „Um Gottes willen nicht! Die Fotografie soll es für jede Bevölkerungsgruppe geben“, wäre das erst recht eine Regulierung. Er sehe, dass die Leute für Qualität mehr zahlen wollen „als vor drei Jahren“.

Biedermann bestätigt einen Preisdruck, „aber es sind schon sehr viele Hobbyfotografen von der Bildfläche verschwunden, sobald sie die Steuererklärung abgeben, die Sozialversicherung bezahlt und gesehen haben, es zahlt sich nicht aus.“

Zurück ins Metier

Langsam läuft das Geschäft wieder an: Biedermann, auf Architektur spezialisiert, hat bereits Appartements für einen Auftraggeber fotografiert. Samuiloff ist am Samstag bei einer Hochzeit aktiv. „Und die Kleinkinderfotografie geht wieder los. Es fängt wieder an, wenn auch im kleinen Rahmen.“ Anderle hat sich zuletzt jedes Jahr auf ein anderes Thema konzentriert: Die Serien stellt er dann aus. Viel Energie, Zeit, aber auch finanzielle Mittel stecken dahinter: „Ich wünsche mir, dass sich diese Projekte irgendwann selbst tragen und nicht von Auftragsarbeiten finanziert werden müssen.“

Biedermann geht übrigens davon aus, dass 2021 die Nachfrage nach Hochzeitsfotografen steigen wird. 1.100 Berufsfotografen zählt Niederösterreich, 2019 heirateten 8.200 Paare.