Gastro glaubt ans Überleben. Die Gastronomie muss weiterhin kämpfen. Positiv bleiben wollen die meisten im Bezirk Waidhofen/Thaya, auch wenn es oft schwer fällt.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:51)
Der Abholservice des Foggy Mix läuft für Bernhard Zimmerl und Emanuel Steiner weiterhin gut.
S. Dangl

Ein konkreter Öffnungstermin für die Gastronomie wurde immer noch nicht bestätigt. So langsam rumort es aber hinter den Kulissen. Nicht ganz unberechtigt, denn die Gastronomen haben das ständige Verschieben mittlerweile satt. Die NÖN hat nachgefragt, wie die Stimmung im Bezirk angesichts der ungewissen Zukunft ist.

„Wir können uns soweit noch über Wasser halten. Die Kombination aus Gassenverkauf und finanzieller Unterstützung funktioniert“, erklärt Michael Christen-Schandl, Chef des Landgasthofs Streicher und Bezirkswirte vertreter. Gemeinsam mit der Kurzarbeit könne man noch weiter ausharren. „Viele andere trifft es aber auch härter als uns. Manche stehen kurz vor dem Zusperren.“

Belastung für jeden Betrieb unterschiedlich

„Es gehen sicher nicht alle zweimal die Woche testen, nur um ins Wirtshaus gehen zu können.“ Melitta Leuthner

Vor allem die Fixkosten sind in dieser Rechnung ein wesentlicher Faktor. Gerade da ist die zu tragende Last bei den verschiedenen Betrieben stark unterschiedlich. Schandl selbst kommt mit dem Fixkostenzuschuss gut über die Runden. Bei anderen Unternehmen würden jedoch Mieten und Versicherungskosten hart an der Liquidität nagen. „Man braucht schon einen gewissen Polster, um durch die Krise zu kommen, und den hat nicht jeder.“

Großer Pluspunkt war in dieser Hinsicht der starke Sommer des Vorjahres, durch den das Landgasthaus Streicher einige Reserven aufbauen konnte. Die würden allerdings auch so langsam knapper werden. Für ein Aufsperren zu oder sogar noch vor Ostern ist Schandl skeptisch. „Die Zahlen gehen ohnehin schon wieder in die Höhe. Ich glaube nicht, dass der Termin zu Ostern halten wird.“ Mitte Mai wäre laut ihm die realistischere Einschätzung. Selbst dann befürchtet er aber auch einen schleppenden Start. „All die Feiern werden sicher nicht von Beginn an so sein wie früher. Es wird lange dauern, bis wir wieder alles aufgebaut haben.“

Über eine drohende Testpflicht für die Gastronomie will sich der Wirt nicht beklagen. „Wir hatten auch schon Sorgen bei der Einführung der Registrierungspflicht. Das hat bei weitem nicht so viele Gäste abgeschreckt wie zuerst befürchtet.“ Bei der Testpflicht hofft er auf ähnliche Befürwortung in der Bevölkerung.

Schwierig ist die Situation auch in „Meli‘s Cafe Restaurant“ von Melitta Leuthner in Dobersberg. „Die finanzielle Unterstützung, die wir mittlerweile bekommen, hilft uns kaum noch weiter“, erklärt sie. Umso wichtiger ist es ihr deshalb, dass „Essen auf Rädern“ weiterhin gut genutzt wird. An einen annähernden Ersatz für den Normalbetrieb, selbst mit Abholservice, ist aber nicht zu denken. „Nur von dem, was wir gerade verkaufen, kann man nicht leben“, meint Leuthner. Das kratze auch an den privaten Ersparnissen, ohne die man in diesen Zeiten nicht auskommen würde.

Große Hoffnungen liegen auf einem guten Sommer. Vor allem von dem Boom an Radfahrern hätte man immer sehr profitiert. „Gerade im letzten Jahr hat das sehr geholfen. Wenn das heuer wieder so wird, schaut die Situation gleich besser aus“, meint Leuthner. Bleibt nur noch die Frage, wie ein Betrieb nach dem mehrmonatigen Lockdown überhaupt aussehen kann. Bei einer Testpflicht für die Gastronomie fürchtet Leuthner, dass viele Gäste ausbleiben. „Es gehen sicher nicht alle zweimal die Woche testen, nur um ins Wirtshaus gehen zu können.“

Das Wegfallen von Unterstützungen fällt auch Stefan Trefanitz vom „Treffpunkt Trefanitz“ in Thaya unangenehm auf. „Es wird immer aussichtsloser.“ Da ihm das Lokal selbst gehört, würde er die Zeit im Lockdown noch verkraften, doch die Per spektive gehe mittlerweile ab. Mit dem Essen zum Mitnehmen ist Trefanitz zumindest gut auf Schiene. „Vor allem die Burger sind sehr beliebt, und damit können wir soweit auch über leben.“

Wenn es dann tatsächlich wieder in Richtung Aufsperren geht, hofft Trefanitz auf nicht zu harte Einschränkungen. „Ich hoffe, dass es wieder bei der Registrierung eines jeden Gastes bleibt. Das hat eigentlich immer gut funktioniert.“ Einer Testpflicht kann er nicht viel abgewinnen. Zu viel der Einschränkungen für alle, die sich nur ein Bier holen wollen.

Rechnungen zahlen

dank Takeaway

Nicht beschweren will sich auch Bernhard Zimmerl vom Foggy Mix. „Die Unterstützungen sind schon noch okay“, meint er. Ein Pluspunkt bleibt auch weiterhin der Abholservice. „Man kann damit zwar nicht wirklich Profit machen, es hilft aber, die Rechnungen zu zahlen.“ Probleme gäbe es dagegen mit der Beschränkung der Öffnungszeiten. „Um 19 Uhr bekommen die meisten erst Hunger, und gerade da müssen wir schon wieder zusperren.“ Eine Verlängerung wäre laut Zimmerl wünschenswert.

Wichtig wäre zudem die baldige Bekanntgabe eines Datums für die Öffnung. Erste Öffnungsschritte mitsamt einer Testpflicht für die Gastronomie sind gerade das Thema vieler Spekulationen. Selbst wenn es dann recht zeitnah weitergehen kann, will der Chef des Foggy Mix vorsichtig bleiben. „Es kann gut sein, dass dann aufgrund der Testpflicht die Leute ausbleiben. Da könnte es wirklich passieren, dass wir mit geöffnetem Lokal weniger verdienen als jetzt mit der Unterstützung.“

Von der Verlängerung des Lockdowns für die Gastronomie will sich Zimmerl jetzt nicht die Motivation nehmen lassen. „Wir haben die Zeit genutzt, um eine neue Karte zu schreiben und neue Gerichte zu entwickeln. Zur Wiedereröffnung machen wir ein schönes Fünf-Gänge-Dinner.“ Damit sollte dann auch die Freude an der Kulinarik nach den vielen Monaten des Essens aus dem Pappkarton zurückkommen.

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