Gastro-Öffnung: Publikum ist entscheidend. Alter des Publikums ist noch ausschlaggebend für Lokalbesuch. Lokale mit jüngeren Gästen waren gut besucht, während ältere Gäste noch zögerlich sind.

Von Gerald Muthsam und Michael Schwab. Erstellt am 20. Mai 2020 (03:58)

Dass es sehr vom üblichen Publikum eines Lokals abhängen kann, ob der Start am Wochenende gut oder weniger erfolgreich verlaufen ist, spürte der Waidhofner Lokalbetreiber Stephan Kainz am eigenen Leib.

Zufrieden beim „Tell“, schwerer Einbruch beim „Alberto“

Er betreibt in Waidhofen zwei Lokale. Während er beim „Tell“, das als Zielgruppe ein eher jüngeres Publikum hat, vorsichtig zufrieden ist mit dem Besuch, hat das „Alberto“ im Einkaufszentrum einen katastrophalen Einbruch erlitten. „Hier hatten wir auch schon ein Stammpublikum, jedoch mit einem höheren Durchschnittsalter und von dem hängt es anscheinend jetzt ab, wie gut der Besuch ist“, meint Kainz. Für das „Tell“ seien schon Tage vor der Eröffnung die Reservierungen eingetroffen und die Gäste kämen aufgrund der frühen Sperrstunde auch schon um 17 Uhr. Grundsätzlich hielten sich die Gäste an alle Vorschriften, nur einige wenige wollten keine Masken beim Betreten des Lokals tragen. „Schwieriger wird es natürlich, wenn mehr Alkohol im Spiel ist und die Leute immer weniger auf die Regeln achten“, sagt Stephan Kainz. „Hier muss der Wirt dann dauernd draufschauen und man will ja nicht ständig maßregeln und den Leuten den Abend vermiesen.“

Mit lustigen Schildern Humor zeigen

Darum habe er versucht mit lustigen Schildern und Hinweisen ein wenig Augenzwinkern in die Sache zu bringen. Die Schilder würden aber gerne von den Besuchern mitgenommen, da sie ihnen gefallen. Er meine auch noch, dass die ersten Tage noch nicht repräsentativ seien, man müsse die ganze Woche abwarten. Durch die Regelung könne er nur die Hälfte der Sitzplätze anbieten, darum gebe es noch immer Kurzarbeit und er arbeite meistens selber. „Man muss die Verluste irgendwie abfedern, aufholen kann man sie ohnehin nicht mehr“, meint der Wirt. „Man muss schauen, dass man irgendwie überlebt. Alles was die Regierung für uns macht, ist zu begrüßen, wird aber auch nie alle Verluste ersetzten können.“

Foggy-Mix: Gesamtes Personal wieder aktiviert

Foggy-Mix-Betreiber Bernhard Zimmerl konnte aufgrund der Größe seines Lokals bereits wieder sein gesamtes Personal aktivieren. Auch bei ihm läutete schon Tage vor der Eröffnung das Telefon zwecks Reservierungen Sturm. Spontan einen Sitzplatz zu bekommen, war am Wochenende schwierig. Als neues Angebot gibt es jetzt am Sonntag Vormittag ein amerikanisches Frühstück mit Pancakes, Bagels und dergleichen und auch das war völlig ausreserviert. „Die Gäste hielten sich an die Vorschriften, es herrschte aber trotzdem eine entspannte Atmosphäre“, erzählt Zimmerl.

Kaffeehäuser: Gassenverkauf gut, Lokalbesuch verhalten

In den Waidhofner Kaffeehäusern zeigte sich ein zweigeteiltes Bild. Während der „Gassenverkauf“ gut anlief, zeigten die Gäste beim Konsumieren vor Ort noch Zurückhaltung. „Mir kommt vor, als seien die Leute noch im Zuhause-Bleib-Modus“, meint Konditor Wolfgang Schützner.

Ähnliches berichtet auch sein Kollege Andreas Müssauer: „Die Leute zeigten sich sehr zurückhaltend und distanziert. Was aber gut lief, war das Abholen von Eis in der Box.“ Manche Gäste seien wiederum richtig erpicht darauf gewesen, gleich am ersten Wochenende einen Platz im Schanigarten zu ergattern: „Die haben eine Woche vorher reserviert, trotz unsicherer Wetterprognose“.

In der Cafébar Sischka lief das Geschäft schleppend an. „Der Sonntagvormittag war nicht schlecht, aber der Nachmittag war zäh“, fasst Betreiber Alexander Proksch zusammen. Er führt die Zurückhaltung der Gäste auch auf die Verunsicherung durch die Hygienemaßnahmen zurück. Viele wüssten nicht, was genau gilt, etwa im Hinblick auf die Maskenpflicht, Reservierungen oder die Zahl der Gäste pro Tisch, und würden lieber abwarten, bis andere den Lokalbesuch „ausprobiert“ haben. „Ich schätze, es wird etwas Zeit brauchen, um vom Angstmodus in die Normalität zurückzukehren“, ist sich Proksch sicher.