Impfzentrum: Die Ärzte sind verärgert. Impfstraßen-Organisatoren im Bezirk Waidhofen/Thaya haben keine Freude damit, dass der Start verschoben wurde. Jetzt kommt ein „Impfzentrum“.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 07. April 2021 (05:04)
Dass die Vorbereitungen für die Impfstraße mit Start am 7. April wieder ad acta gelegt werden müssen, damit hätten Bürgermeisterin Eunike Grahofer (Waidhofen), Bundesrat Eduard Köck und die beiden Koordinatoren Anette Töpfl und Karlheinz Schmidt im März nicht gerechnet. 
Michael Schwab

Der Bezirk war bereit: Die Impfstraße wäre am Mittwoch (7. April) in Betrieb gegangen, hätte nicht das Land NÖ eine andere Entscheidung getroffen. Der Auftakt wird mit einem „Impfzentrum“ in größerem Ausmaß auf den 22. April verschoben. Erfreut ist man darüber im Bezirk Waidhofen nicht.
„Natürlich ist es richtig, wenn man sagt, wir müssen schauen, dass wir große Impfkapazitäten haben“, sieht dies Karlheinz Schmidt ein. Er vertritt die praktischen Ärzte im Bezirk und ist medizinischer Impfkoordinator. Aber: „Das Land hat da ein bisschen geschlafen“, ergänzt er, dass der Bezirk schon vorgearbeitet habe. „Die Gemeinden sind selbst in der Lage, das hinzukriegen.“

„Ich denke, es liegt an der Verfügbarkeit des Impfstoffes, aber das ist meine persönliche Einschätzung.“Anette Töpfl

Waidhofen ist der einzige Bezirk im Waldviertel, der keine Impfstraße betreibt. Der 14-tägige Betrieb ab 7. bis zum 22. April hätte 600 Impfungen pro Woche ermöglicht (insgesamt 1.200 Personen). „Das ist für den Bezirk Waidhofen schon etwas wert, mit dem kann ich etwas anfangen. Und natürlich hätten wir aufstocken können“, versteht Schmidt nicht, warum ein vorläufiger Betrieb nicht möglich ist. „Wir hätten die gesamte Impfstraße mit Freiwilligen betrieben“, ergänzt Anette Töpfl, Impfkoordinatorin und Bürgermeisterin (Vitis).

Notruf NÖ erklärt, dass an 20 Stationen im Bundesland täglich geimpft werden soll: Das sei mit Freiwilligen (auch rechtlich) nicht leicht zu bewältigen. Das Personal soll vorerst beim Land NÖ, das mit dem Roten Kreuz das Impfzentrum abwickelt, eingestellt werden.

„Wer soll impfen? Wir brauchen die Ärzte“

Die Details für die Abwicklung vermisst Schmidt: „Es muss etwas kommen, denn wer soll impfen? Zum Impfen brauchen wir doch die Ärzte.“ Er frage sich, wie der Mitarbeiter-Einsatz tatsächlich geregelt wird, das sei nur möglich, wenn man auf regionale Kräfte zurückgreift. „Der Zentralgedanke ist ja, wie müssen alle miteinander etwas tun, dass so viele geimpft werden.“

Das „Kommando retour“ habe ihn überrascht, auch weil noch wenige Tage zuvor versichert worden sei, dass ein Impfstraßen-Start seitens des Landes erwünscht sei. „Ein bisschen veräppelt sind wir uns schon vorgekommen und unangenehm ist es auch.“ ÖVP-Bezirkschefin Töpfl versteht die Terminverschiebung nicht ganz: „Ich kann das schwer nachvollziehen. Ich denke, es liegt an der Verfügbarkeit des Impfstoffes, aber das ist nur meine persönliche Einschätzung.“

Der Entschluss für den Aufbau der Impfstraße trafen alle Bürgermeister des Bezirks in einer Konferenz. Töpfl hat mit den Organisatoren der Impfstraße in Gmünd Kontakt aufgenommen und eine Vor-Ort-Begehung durchgeführt. „Das Wichtigste ist die logistische Abfolge“, erklärt sie. „Wir haben uns dann die Impfstoff-Menge, die kommt, angesehen.“ Diese sollte auf vier Linien in der Sporthalle Waidhofen verabreicht werden, dafür wird für jede Station je ein Arzt, dazu medizinisches und administratives Personal benötigt.

„Das war die größte Herausforderung“, sagt Töpfl. Schmidt organisierte die medizinische Seite – und ihn hat die große Bereitschaft an dem freiwilligen Einsatz gefreut: „Viele Kollegen haben sich aus dem ganzen Bezirk beteiligt. Alle, die impfen können, haben sich gemeldet. Das war sensationell.“ Mittwoch und Samstag hätte man vormittags und nachmittags geimpft.
Töpfl trieb den Aufbau (etwa der Kojen) voran – und erhielt hierfür „große Unterstützung“ vom Zivilschutzverband und der Stadträte Eduard Hiess und Markus Loydolt (Waidhofen). „Momentan ist das eine schlechte Nachricht, aber wir sind weiterhin bereit, das Rote Kreuz zu unterstützen. Wir haben den Dienstplan weiter erstellt“, so Töpfl, „Es sind alle bereit, dass sie mithelfen.“

Die Impftermine für die Einwohner im Bezirk Waidhofen werden weiterhin via Notruf NÖ koordiniert, bis zum Impfzentrum-Start wird bei niedergelassenen Ärzten oder in den Impfstraßen in anderen Bezirken geimpft.