Luft nach oben für Sportstätten. Vom Schuldirektor über den Schulwart bis zum Bürgermeister und oft wieder retour – der Weg zu einem geöffneten Turnsaal ist für Sportvereine oft ein langer und beschwerlicher. Dabei zeigt eine Studie der Sportunion, dass Bedarf an zusätzlichen Hallenzeiten besteht (siehe Artikel rechts). Die NÖN hörte sich in der Region um.

Von Julia Fröhlich, Karin Pollak, Karin Widhalm und Bernd Dangl. Erstellt am 11. September 2019 (03:26)
Julia Fröhlich
Die Sportakrobaten nutzen den Turnsaal in Dobersberg (v.l.): Nico Richter, Emilia Litschauer und Julian Knapp. Der Platzbedarf wuchs, sodass Karlstein das zweite „Standbein“ des USV Dobersberg wurde.

Die Autotür fällt ins Schloss und Sportakrobat Nico Richter macht sich mit seiner Sporttasche auf den Weg in den Turnsaal der NMS Dobersberg zum wöchentlichen Training. Er ist noch lange nicht der Einzige: „Unser Turnsaal ist voll ausgelastet und das ist auch gut so, wir möchten ja die Vereine bei ihren Aktivitäten und bei ihrer Jugendarbeit unterstützen“, schätzt Direktorin Anita Fröhlich den Beitrag für Gesundheit und Gemeinschaft der Vereine.

Nicht immer finden Vereine Sportstätten für ihre Zwecke. „Viele können keine Kurse anbieten, weil einfach keine Kapazität da ist, obwohl es genügend Interessenten dafür gibt“, schildert Hannes Wittmann, als Sportunionsobmann zuständig für Waidhofen und Gmünd. „Wir hätten gerne, dass die Politik etwas mehr Geld in Sportstätten investiert“, betont Raimund Hager, Präsident der Sportunion NÖ.

"Schließung während der Ferienzeit macht Vereinen große Probleme"

Vor einer großen Problematik stehen die Handballer der Union Waidhofen. Früher in einer Spielgemeinschaft mit Horn, nehmen sie seit 2015 als eigenständiges Team an der Meisterschaft teil – aber ohne echte Heimhalle. Zunächst wurden die Heimspiele in Zwettl ausgetragen, seit 2017 in Horn. Der Grund: Der Boden der Sporthalle Waidhofen ist für die Handballer nicht geeignet.

Ein weiteres Problem: „Die Schließung der Sportstätten während der Ferienzeit macht den Vereinen große Probleme“, sagt Wittmann. Das hat allerdings der Tischtennisverein in Waidhofen mit der NMS in den Griff bekommen. „Sie zahlen während der Ferien höhere Mieten“, berichtet er. Der großen Kursnachfrage komme man in der Stadt nach: „Es wird auf das Kulturschlössl oder auf den Kindergarten ausgewiesen.“

„Wir haben fast jeden Tag jemanden drinnen“, bestätigt VS-Schulwart Gerald Zmill von einer guten Auslastung am Waidhofner Schulgelände. Das NMS-Sekretariat koordiniert alle Termine für Vereine, ein Chip ermöglicht den Zugang zur vereinbarten Zeit, die Reinigung obliegt der Schulgemeinde.

Die über 90 Sportakrobaten des USV Raika Dobersberg nutzen seit 1991 den NMS-Turnsaal – und seit über sieben Jahren wegen mangelnder Trainingskapazitäten und höherer Mitgliederzahl den HTL-Turnsaal in Karlstein. „Die Schulen sind wirklich sehr offen und kooperativ“, erzählt Trainerin Bianca Zuba. „Bis auf kleine Kommunikationsprobleme hat es keine erwähnenswerten Schwierigkeiten gegeben.“ Sie kann sich auch an keine Beschädigungen erinnern. „Sollte es aber doch einmal zu einem Schaden kommen, übernimmt der im Regelfall versicherte Verursacher die Verantwortung für diesen“, wirft Direktorin Fröhlich ein. Die Kooperation ist für die Sportler wichtig: Trainingspensum und die daraus resultierenden Erfolge wären sonst nicht möglich.

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