Neue Kreditregeln: Lieber abwarten, als hohe Schulden haben

Erstellt am 16. August 2022 | 20:50
Lesezeit: 4 Min
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Neues Siedlungsgebiet in Jaudling (Marktgemeinde Vitis): Bürgermeisterin Anette Töpfl bemerkt Stagnieren der Bautätigkeit im Gemeindegebiet.
Foto: Michael Schwab
Im städtischen Bereich wird oftmals einer Eigentumswohnung der Vorzug gegeben, auch im Bezirk Waidhofen/Thaya.
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Platzt der Traum vom Eigenheim für junge Familien durch die neuen Kreditregeln?

„In unserer Gemeinde ist das Interesse für das aufgeschlossene Bauland nach wie vor vorhanden, wenngleich man feststellen muss, dass Reservierungen doch eher zögerlich kommen und auch einige wieder aufgehoben wurden“, sieht Anette Töpfl, Bürgermeisterin der Gemeinde Vitis, die Situation. Auch in den Ortschaften merke man, dass die Bautätigkeit im Moment eher im Stagnieren sei. „Das ist eine Folge der Teuerung. Wer nicht schon mitten in den Arbeiten steckt, der wartet lieber jetzt einmal ab, wie sich die Gesamtsituation entwickelt.“

Finanzierungen müssen auch leistbar bleiben

Als „richtigen Schritt“ sieht Bürgermeister Josef Ramharter aus Waidhofen die neuen Kreditregeln. „Ich finde, dass es wichtig ist, dass Hausfinanzierungen leistbar sind. Zwanzig Prozent Eigenkapital ist eine sinnvolle Finanzierungsbasis, wenn eine junge Familie ein Eigenheim errichten möchte. Man kann nicht nur auf Kredit ein Haus bauen.“ Als ebenso sinnvoll sieht er, dass die Kreditraten 40 Prozent des Haushaltseinkommens nicht übersteigen dürfen. „Man muss schließlich auch bedenken, dass die Familien noch von etwas leben müssen und nicht immer können Eltern oder Großeltern einspringen.“

Im Bereich der Stadtgemeinde sieht Ramharter es als noch zu früh, um über Auswirkungen der neuen Kreditregeln zu spekulieren. „Es ist jedoch ein allgemeiner Trend beim Eigenheim in Richtung Wohnung statt Haus festzustellen. In den nächsten Jahren ist in Waidhofen auch der Bau von 130 Wohneinheiten geplant. Die Möglichkeit der Finanzierung durch eine Wohnbaugenossenschaft ist oftmals einfacher und auch die Energiekosten und Leistbarkeit des Wohnraums sprechen für diese Alternative.“

Große Nachfrage nach Immobilien bleibt bestehen

Die Regeln für die Kreditvergabe haben sich geändert, an der seit Beginn der Covid-Pandemie gewachsenen Beliebtheit von Immobilien im Waldviertel ändere das bisher aber nichts, sagt Johannes Wild, Geschäftsführer der J. u. E. Wild Immobilientreuhänder GmbH mit Sitz in Großdietmanns (Bezirk Gmünd) und Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder: „Die klassischen Einfamilienhäuser im Grünen werden immer noch gekauft und dementsprechend auch die finanziellen Mittel dafür aufgebracht.“

Beim Eigenheim-Neubau könne der Trend auch in die Richtung gehen, dass wieder kleiner – und somit leichter finanzierbar – gebaut wird. Dass es bei der Finanzierung einer Eigentumswohnung oder eines Hauses eng wird, komme insgesamt eher selten vor, sagt Wild – Investitionen seien in diesem Bereich meist gut überlegt, dahinter stünde großteils solide Eigenkapitalaufbringung: „Ich denke auch, dass es in Zukunft kein allzu großes Thema sein wird.“ Dass die Preise für Baugründe und Immobilien in der Region durch die hohe Nachfrage gestiegen sind, sei kein Nachteil, meint Wild: „Sie haben nun den Wert, den sie auch verdienen.“

Geht der Trend zu verdichtetem Wohnbau?

In seiner Funktion für die ARGE Wohnen und als Vorstandsdirektor für die WAV Siedlungsgenossenschaft Waldviertel in Raabs, die im gesamten Waldviertel auf eine rege Bautätigkeit verweisen kann, ist Manfred Damberger überzeugt, dass der Trend im Hausbau aus mehreren Gründen immer mehr zum „verdichteten Wohnbau“ geht. „Die Nachfrage der Einfamilienhaus-Bauer nach Reihenhäusern und Doppelhaushälften ist drastisch gestiegen. Diese Entwicklung ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass die neuen Kreditregeln in unserem Wohnbau nicht gelten. Bauträger und damit auch Kreditnehmer ist die Genossenschaft. Und die von uns angebotenen Finanzierungsmodelle der Miete mit Kaufoption sind besonders mieterfreundlich.“

Als einen weiteren Grund, der für den verdichteten Wohnbau spricht, zählt Damberger die Bodenversiegelung auf. „Diese ist beim Bau eines Einfamilienhauses zwei- bis dreimal höher als bei einem Doppelhaus. Und das ist ein positiver Beitrag zum Umweltschutz.“

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