Quarantäne-Aus im Alltag: Von Skepsis bis Hoffen auf Vernunft

Erstellt am 09. August 2022 | 20:28
Lesezeit: 5 Min
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Der Raabser Arzt Kiril Kirilov sieht das Quarantäne-Aus skeptisch.
Foto: Archiv
Körpernahe Dienstleister und Gastronomen wollen Corona-kranke Mitarbeiter nicht einsetzen. Zuversicht bei Großbetrieben im Bezirk Waidhofen/Thaya.
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Seit 1. August gibt es keine Quarantäne für Corona-Infizierte mehr. Sie dürfen, wenn sie keine Symptome haben und sich gesund fühlen, auch mit Maske arbeiten. Die NÖN fragte nach, wie die ersten Erfahrungswerte dazu ausgefallen sind.

Krank ist krank

Kritik an diesen neuen Regelungen kommt vor allem aus der Gastronomie, wo Corona-Infizierte mit Maske ins Lokal, aber nichts konsumieren dürfen. Als „Schildbürgerstreich der Politiker“ bezeichnet etwa Jürgen Schuster, der im Bezirk Waidhofen einige Lokale betreibt, diese neue Maßnahme. Er könne und wolle keine Gäste testen. Sein Appell an die Gäste: „Alle, die Corona haben, sollten daheim bleiben, damit sie niemand anstecken.“ Daheimbleiben wird auch sein Personal, wenn jemand Corona-positiv ist.

Als „lustige Problematik“ bezeichnet Oswald Topf, Inhaber des mehrfach ausgezeichneten Landgasthofes Topf in Kaltenbach, diese Regelung. „Das gibt es nur in der Theorie, in der Praxis wird das niemand tun.“ Und dass jemand nur Speisen abholt, sei schon lange erlaubt. Oswald Topf stellt auch eines klar: „Corona-erkrankte Mitarbeiter bleiben zu Hause.“

„Wer Maske trägt, ist Corona-Positiv“

Besonders körpernah wird bei Frisören gearbeitet. „Wir legen großen Wert auf den Schutz von Kunden und Mitarbeitern“, sagt Ulla Schulz, die in Waidhofen einen Frisörbetrieb führt. Es werden Trennwände zwischen den Kunden aufgestellt und wer will, kann natürlich auch seine Maske tragen. „Wir haben in den vergangenen Tagen von vielen Kunden gehört, dass man auf die Maske verzichte, damit sie nicht als ‚Corona-krank‘ abgestempelt werden“, betont Schulz.

Sollte einer ihrer Mitarbeiter an Corona erkranken, werde dieser angehalten, daheim zu bleibe:. „Das kann und will ich meinen Kunden nicht antun.“

Das sieht auch Silvia Schuh, die Inhaberin der „Wellnessoase Silvia“, so: „Es macht keinen Sinn, wenn ein Mitarbeiter krank arbeitet. Auch mit einer Grippe bleibt man zuhause.“ Ob Kunden kommen, die an Corona erkrankt sind, könne sie nicht ausschließen. „Derzeit tragen nur ganz, ganz wenige unserer Kunden eine Maske und diese sagen uns auch, warum das so ist“, erklärt Schuh.

Auch Ärzte sind skeptisch

Als „nicht ganz zu Ende gedacht“ bezeichnet etwa der Raabser Arzt Kiril Kirilov die jetzt geltenden Corona-Maßnahmen. „Mir stellt sich dabei die Frage, wer die Kontrolle in den Gasthäusern machen wird, wenn Corona-Infizierte nur zum Plaudern kommen dürfen? Das ist mir schleierhaft.“ Durch den Wegfall der Quarantäne bestehe seiner Meinung nach die Gefahr, dass sich viele (wieder) anstecken könnten. „Als Mediziner ist mir nicht wohl dabei, denn bei dieser Corona-Variante gibt es auch schwere Verläufe.“ Er könne sich auch nicht vorstellen, dass die jetzt gültigen Maßnahmen im Herbst noch ausreichen werden.

„Jetzt geht es einfach darum, dass Positiv-Getestete nicht andere anstecken“, stellt Kirilov klar. Wichtig dabei sei es, die Infektion dem Arbeitgeber zu melden und sich an die geltenden Weisungen zu halten und wenn es sein muss, sich auch krank zu melden. „Da ist man natürlich als Arzt auf die Angaben des Patienten angewiesen. Wenn ich nicht den Patienten vertraue, dann bricht das ganze System zusammen.“

In seiner Ordination werden weiterhin die Patienten getestet und Verdachtsfälle von anderen Patienten abgesondert.

In der Ordination von Angelika Pallisch arbeitet man nach wie vor nach den Empfehlungen der Ärztekammer und den Vorgaben der Regierung. „Diese ändern sich ziemlich schnell, aber wir gehen mit unseren Patienten seit Beginn der Pandemie sehr schonungsvoll um“, meint die Ärztin. Corona-Tests durchs Fenster, Termine für Patienten, die Corona haben oder haben könnten, wenn andere Patienten nicht mehr vor Ort sind, gehören da genauso dazu, wie das Maske-Tragen.

Dass Mitarbeiter trotz einer Corona-Infektion zur Arbeit kommen, sei bisher kein Thema gewesen. „Das klären wir im Einzelfall, ob ein kontaktloses Arbeiten möglich ist. Wenn das nicht geht, dann bleibt dieser Mitarbeiter daheim. Es kommt natürlich auch auf die Höhe der Viruslast an.“

Großbetriebe sind zuversichtlich

Bei der TE-Connectivity Austria GmbH (Tyco) werde Corona-positiven Mitarbeitern, wo es arbeitstechnisch möglich ist, das Arbeiten von zu Hause aus ermöglicht, betont Werksleiter Christian Zotter, und: „Wir werden keine strengeren Vorgaben als jene aktuellen COVID-19-Verordnung in unserem Betrieb anwenden. Wer sich krank fühlt, der soll den Hausarzt aufsuchen. Dieser entscheidet über die Arbeitsfähigkeit.“

Seit 1. August habe es unter den rund 500 Mitarbeitern nur einen Kollegen in der Produktion gegeben, der mit einem positiven SARS-CoV-2-Test zur Arbeit gekommen ist. „Er war symptomlos und trug, wie gesetzlich vorgeschrieben, eine FFP2-Maske“, zeigt Zotter auf.

Bei der Firma Pro Pet in Gastern bringe die neue Regelung kaum notwendige Umstrukturierungen. „Bei uns haben unsere Mitarbeiter bisher schon die Möglichkeit genutzt, sich nach fünf Tagen einer Corona-Erkrankung freizutesten. Wenn jetzt ein infizierter Mitarbeiter keine Symptome zeigt, dann wird dieser auch arbeiten können, auf einem Einzelplatz und ohne Kontakt zu anderen. Er wird auch seine Pause alleine verbringen und durchgehend Maske tragen“, sagt die Leiterin der Personalabteilung Sarah Koller, die auf die generell höheren Hygiene-Standards im Lebensmittelbereich verweist, an die sich alle halten müssen. „Ich denke, wir bekommen auch diese neue Regelung hin“, meint Koller.

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