Teuerungen im Alltag: Wer soll das zahlen?

Erstellt am 17. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
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In Zeiten der enorm steigenden Kosten bleibt am Monatsende bei vielen nicht mehr viel im Börsl. Die Sorgen in der Bevölkerung sind deswegen groß.
Foto: Edith Hofmann
Vom Schüler bis zum Pensionisten – alle im Bezirk Waidhofen/Thaya sind von den steigenden Preisen betroffen und haben Angst vor der Zukunft.
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Egal wohin man schaut, alles wird teurer, im Geldbörsl bleibt am Monatsende viel weniger, als noch vor ein paar Monaten. Die Sorgen in der Bevölkerung steigen, ebenso das Unverständnis, denn nicht alle Preissteigerungen können der Corona-Pandemie oder dem Krieg in der Ukraine zugeschrieben werden.

Vor allem die ältere Bevölkerung habe Angst vor der Zukunft, das betonen sowohl Seniorenbund-Bezirksobmann Diether Schiefer, als auch Pensionistverband-Bezirksvorsitzender Leopold Kapeller. „Gerade diese Generation kennt ein schlechtes Leben mit wenig Geld. Dass jetzt wieder eine derartige Situation auf sie zukommt, ist nicht nachvollziehbar“, meint Diether Schiefer. Er fordert eine Pensionserhöhung, Leopold Kapeller ist für einen Teuerungsausgleich, denn: „Es kann doch nicht sein, dass die Personen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, jetzt in die Armut getrieben werden. Viele Pensionisten können sich die Reparaturen von Waschmaschinen oder Gasthermen nicht mehr leisten und das in Zeiten, in denen es in der Wirtschaft boomt und die Steuern sprudeln.“

Die Sorge um die Zukunft und um die Finanzierung des Lebens macht sich auch in der Bezirkshauptmannschaft Waidhofen bemerkbar. „Während die Anzahl der Anträge für Sozialhilfe etwa gleich bleibt, steigt die Anzahl der telefonischen Anfragen derzeit dazu deutlich an“, betont Bezirkshauptfrau-Stellvertreter Johannes Tüchler. Neben der Sozialhilfe gibt es mit dem bereits ausbezahlten Teuerungsausgleich oder dem Heizkostenzuschuss weitere Unterstützung.

Um in den Genuss dieser Förderungen zu kommen, braucht es einmal einen Antrag. „Und genau dabei helfen wir“, betont Raphael Hofbauer von der Arbeiterkammer Waidhofen. „Allgemein steigen die Sorgen in der Bevölkerung vor allem wegen der hohen Spritpreise. Ändern können wir das nicht, aber darauf aufmerksam machen schon.“

Die Teuerungen wirken sich auch auf  Schule aus

Gymnasium-Direktor Roland Senk verweist dabei auf die explodierenden Kosten für Energie und Heizung. „Es wird daher gerade geprüft, ob unsere Schule an das Fernwärmenetz angeschlossen werden kann.“ Für mehrtägige Schulveranstaltungen gibt es bei Bedarf Förderungen aus dem neu gegründeten Schulfonds. „In besonderen Härtefällen hilft auch der Elternverein“, sagt Senk, der auch schon ein geändertes Verhalten der Schüler bei der Jause bemerkt: „Viele Kinder nehmen eigene Trinkflaschen mit.“

Ein „günstigeres Einkaufen“ bietet im Bezirk Waidhofen der Second-Hand-Shop „Carla“ in Vitis. Laut dem Leiter Stefan Zangl ist ein leichter Anstieg bei den Kunden zu vermerken: „Jetzt kommen mehr Pensionisten zu uns, die, so wie alle anderen Kunden auch, die günstigen Preise und die gute Qualität der Waren schätzen.“

Das Häuslbauen ist derzeit eine der größten finanziellen Herausforderung. Die Materialkosten sind explodiert. Trotzdem ist bei Hartl Haus die Nachfrage ungebrochen stark. „Allerdings merken wir, dass Preisstabilität und Sicherheit große Themen der Kunden sind. Auch wir mussten hinsichtlich der Preisgestaltung reagieren. Die Kostensteigerungen können wir nicht mehr alleine tragen. Wir orientieren uns am Baukostenindex, reagieren aber tagesaktuell und für jeden Kunden individuell, um wirklich nur notwendige Mehrkosten weiterzugeben“, stellt Direktor Yves Suter klar.

Gerade die Baubranche und das Baunebengewerbe seien durch die Teuerungswelle massiv betroffen. „Hier gibt es viele längerfristige Aufträge, die Mehrkosten können nicht weiter gegeben werden“, zeigt Wirtschaftskammer-Bezirksobfrau Marlene Böhm-Lauter auf. Auch in der Lebensmittelbranche seien die Unternehmer unglücklich. „Hier spüren die Konsumenten natürlich den Preisanstieg.“ Deshalb fordert die Wirtschaftskammer eine sofortige Steuersenkung. „Im Bezirk Waidhofen sind die Unternehmen sehr gut aufgestellt, die eine Durststrecke auch überstehen werden“, meint Böhm-Lauter. Wie lange diese dauern wird, wisse man nicht.

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