Ungewisse Zukunft für die Waldviertler Kulturszene. Die Kulturszene kommt seit Corona kaum mehr über die Planungsphase hinaus. Termine wackeln erneut. Die Hoffnungen liegen jetzt im späteren Frühjahr.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:48)
Das Ensemble des TAM wartet sehnsüchtigst auf die Wiedereröffnung.
Sophia Schlager

Auch für die gesamte Kulturszene heißt es weiterhin abwarten. Während Handel und Dienstleister zu großen Teilen öffnen durften, bleiben die Sitzplätze der Theater und Veranstaltungsräume vorerst leer. Wie wird trotz alledem das Kulturjahr 2021 aussehen? Kann es überhaupt irgendwann starten?

„Die Nachricht der erneuten Lockdown-Verlängerung mussten wir schweren Herzens hinnehmen“, erklärt TAM-Prinzipal Ewald Polacek. Er hätte doch mit einem Aufsperren im Laufe des März gerechnet. Die ständige Verschiebung des Öffnungstermins kommt im Theater an der Mauer nicht gut an. „Ich mache jetzt schon den insgesamt fünften Frühjahrsspielplan. Ständig alles umzuschmeißen ist auf die Dauer zermürbend.“ Zudem müsse man ja die Stücke auch im Vorhinein proben. „Wenn wir immer verschieben müssen, laufen alle Proben ins Leere.“

„Ein normales Festival wäre heuer nicht möglich. Wir müssten spätestens jetzt mit der Planung anfangen.“ Herbert Höpfl

Der neue Termin zum Saisonstart liegt jetzt im April. Zur Wiederöffnung will Polacek das Stück „Mein Ungeheuer“ von Felix Mitterer auf die Bühne bringen. Dieses Stück wäre auch schon für das 25-jährige Jubiläum im Vorjahr geplant gewesen. Gerade im Jubiläumsjahr war das TAM nicht gerade vom Glück verfolgt. Seit dem Ausbruch der Pandemie war das Theater gerade einmal zwei Monate geöffnet. Eine große Jubiläumsproduktion mit Beteiligung aller Schauspieler musste ausfallen. Die letzte Aufführung am 31. Oktober ist nun auch schon eine Weile her.

Gehofft wird auch auf eine baldige Rückkehr zum uneingeschränkten Normalbetrieb. Als kleines Theater hätte das TAM nämlich gewaltige Probleme mit einer Personenbeschränkung. Betrübt betrachtet Polacek zudem auch die Situation bei den Theaterkursen, vor allem für Kinder und Jugendliche. „Die Kinder würden leidenschaftlich gerne kommen, dürfen aber nicht, und das, obwohl die Schulen mittlerweile auch schon wieder geöffnet sind.“

Im Folkclub Waidhofen ist frühestens ab Mai mit Konzerten zu rechnen. Laut Obmann Herbert Höpfl halte man sich die Option für drei geplante Konzerte offen. Die Musiker von „Edi Nulz“, „Somerset Barnard & The Holy Gamblers“ und „Brot & Sterne“ stehen in den Startlöchern. Wenn es eine sinnvolle Möglichkeit gibt, werden wir das durchziehen“, betont er. Sinnvoll würde heißen: ein Meter Abstand höchstens. „Erst dann rentiert sich ein Konzert im Igel.“ Eine Maskenpflicht würde Höpfl dafür auch in Kauf nehmen.

An ein normales Musikfest ist heuer nicht zu denken.
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Die große Frage gilt natürlich gerade dem Musikfest. Nach jetzigem Stand denkt der Folkclub über ein Festival in abgespeckter Form nach. „Drei bis vier Konzerte am Tag bei fester Platzzuweisung kann ich mir durchaus vorstellen.“ Auf Ausschank und Verpflegung müsse dabei aber vermutlich verzichtet werden. „Wenn, dann auch nur sehr reduziert“, meint Höpfl. Ein Fragezeichen steht auch noch über der Campingmöglichkeit. Ausschließen will sie der Folkclub-Obmann noch nicht.

So oder so ist die Planung eines Festivals eine große Herausforderung., und das auch ohne Corona. „Die Vorlaufzeit ist normal groß. Alleine deshalb wäre ein normales Festival heuer unmöglich. Wir müssten spätestens jetzt mit der Planung anfangen“, erklärt Höpfl. Der Fall, dass so wie im Vorjahr komplett abgesagt werden muss, sei nicht ganz unwahrscheinlich.

Fürs Erste abgesagt sind jetzt die bisher geplanten Veranstaltungen im Kulturkeller Dobersberg. Schon am 6. März wäre ein Filmabend im Programm gewesen. Auch ein Austropop-Konzert im April muss ausweichen. „Vor Juni sind im Kulturkeller keine Veranstaltungen mehr geplant. Wir wollen lieber auf der sicheren Seite sein“, erklärt Obfrau Anita Fröhlich. Die Gesundheit aller Beteiligten gehe vor.

Zum aktuellen Stand soll der Start für den Kulturkeller dann mit einer Lesung von Julia Stemberger am 12. Juni stattfinden. „Aphrodite - ein Fest der Sinne“ lautet der recht ungewöhnliche Titel für die Lesung eines Kochbuches. Danach soll im Juli und August eine Ausstellung des Künstlers Daniel Schwarz folgen.