Wirtesterben: Der Ofen bleibt kalt. Ein rauer Wind weht dem Wirt entgegen, ist aus der Branche zu hören. Jene, die standhalten, sind mit Herzblut dabei, erfuhr die NÖN.

Von Karin Pollak. Erstellt am 05. Juni 2019 (04:02)
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Symbolbild

42 Gasthäuser und vier Restaurants hat laut Wirtschaftskammer der Bezirk Waidhofen, vor zehn Jahren waren es insgesamt 47. Die Zahl (- 1) beunruhigt nicht, dennoch sind die Betriebe seit der Jahrtausendwend stetig zurückgegangen. Bezirkswirtevertreter Michael Schandl vom Gasthaus Streicher in Vestenötting bei Waidhofen macht die gesetzlichen Auflagen für den Rückgang der Gastronomiebetriebe verantwortlich.

WK NÖ; Foto: Iakov Filimonov/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

„Du verbringst schon mehr Zeit im Büro als bei den Gästen, um alle geforderten Unterlagen erfüllen zu können. Das schreckt auch viele davon ab.“ Der Arbeitsaufwand in einem Gastronomiebetrieb ist für alle Mitarbeiter groß. „Wenn die Freunde und Bekannte zu Hause sind, dann arbeitest du. Das wollen auch nicht mehr viele“, sieht Schandl einen weiteren Grund für die vielen verwaisten Gasthäuser.

Ein Wirt betreut quasi gleich zwei Häuser

Eines davon ist das Gasthaus Wagner in Windigsteig, das vor einigen Jahren nach der Pensionierung der Betreiber geschlossen hat. Um Hochzeiten, Begräbnisse, Geburtstagsfeiern oder die Veranstaltungen gastronomisch abzudecken, hat Michael Schandl zusätzlich zu seinem Gasthaus die Bewirtung dieser Gäste übernommen. „Mehr geht nicht, obwohl die Windigsteiger ein Gasthaus verlangen würden“, so Schandl, der seinen Beruf eher als Berufung ansieht und auf die gute Zusammenarbeit unter den Wirten im Bezirk Waidhofen hinweist. „Konkurrenz gibt es nicht, nur ein Miteinander.“ Jeder Wirt sei wichtig, die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Essen, das auch aus der Region kommt, sei nämlich wieder im Steigen.

„Ich wollte es mir nochmals selbst beweisen“

Einer, der als Wirt im Alter von 55 Jahren nochmals durchgestartet ist, ist Werner Winkelhofer. Er übernahm vor knapp einem Jahr das „Martin‘s“ und öffnete es als „Henry‘s Cafe & Pub“. „Andere reden in diesem Alter von der Pension, ich habe aber die Liebe dazu und wollte es mir nochmals selbst beweisen“, so Winkelhofer, der mittlerweile 27 Jahre in der Gastronomie tätig ist, davon 13 Jahre selbstständig im Buffet des Landesklinikums Gmünd.

„Einfach ist das nicht. 30 Jahre lang wurde das Personal in der Gastronomie ausgenutzt, jetzt wollen nur mehr wenige in diesem Zweig arbeiten und man bekommt kaum Mitarbeiter“, zeigt Winkelhofer auf. Das erste Jahr als Gastronom in Waidhofen sei „hart und durchwachsen“ gewesen, trotz eigener Philosophie mit Livemusik. „Aber die Liebe zu diesem Beruf macht das alles wett. Reich wirst du nicht.“

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