Wohin geht’s im Sommer? Tourismus steht vor Comeback. Die Grenzen sind wieder offen, Lockdown ist keiner in Sicht. Eine ganze Branche atmet jetzt wieder auf, auch im Bezirk Waidhofen an der Thaya.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:10)
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Positiv gestimmt geht es in den Sommer. So langsam treffen auch im Reisebüro von Klaudia Hofbauer-Piffl wieder die Buchungen ein.
Dangl, Dangl

Die Ferne ruft wieder. Nach Monaten des Eingesperrt-Seins ist das Fernweh bei manchen so stark, wie nie zuvor. Zumindest Reisen ins nähere Ausland gewinnen nach mehreren Lockerungsschritten wieder an Beliebtheit.

Nachfrage ist wieder da. Das merkt man auch im Reisebüro Piffl, wo nach Monaten der Stagnation wieder ein Aufwärtstrend zu spüren ist. „In den vergangenen Wochen hat sich einiges getan. Die Nachfrage ist wieder stark zu spüren“, berichtet Geschäftsführerin Klaudia Hofbauer-Piffl. Griechenland sei dabei der vorherrschende Spitzenreiter der Urlaubsdestinationen. „Was gerade auch besonders gut geht, sind Radtouren“, erzählt Hofbauer-Piffl.

Buchungen noch zäh. Das Interesse ist also da, nur beim Buchen selbst würden viele noch zögerlich sein. „Es gibt zwar die Lockerungen, doch mit den Buchungen geht es nur zäh voran. Wir sind noch lange nicht da, wo wir 2019 mal waren“, meint die Reisebüro-Chefin. Verunsicherungen wären doch noch vorherrschend. Viele kurzfristige Buchungen über den Sommer seien dabei durchaus noch möglich, sollten weitere Lockerungen folgen. „Viele sind noch unentschlossen.“

Bussaison ist abgeschrieben. Bei den eigenen Reisebussen ist das Bild ein etwas anderes. Juli und August sind hier zu vernachlässigen. Im Juni ist normalerweise Hochsaison. „Das fällt heuer komplett aus. Ein paar Schulen haben zwar wegen Ausflügen angefragt, dann aber doch wieder abgesagt.“ So kurzfristig würde auch nicht mehr wirklich etwas zustandekommen. Hofbauer-Piffl glaubt, dass sich der Reisebus-Betrieb frühestens im Herbst wieder stabilisieren kann. Einen großen Relaunch plant dagegen Frank-Reisen (mehr dazu auf Seite 22!).

Auch mit wenig zufrieden. Positiv gestimmt ist Michaela Scheidl von „Reisen & Mehr“. „Seit den Öffnungsschritten im Mai kommen die Buchungen wieder,“ berichtet sie. Im Vergleich zu 2019 sei man aber nicht mal bei der Hälfte. „Ich will mich nicht beklagen, weil es doch wieder bergauf geht. Damit kann man zufrieden sein.“ Gebucht werden vor allem leicht zu bereisende Ziele, hauptsächlich Südeuropa. Griechenland, Zypern, Spanien und Kroatien zählen zu den gebuchten Destinationen. Für Italien gäbe es dagegen noch Zurückhaltung. „Hier besteht die Hürde von PCR-Tests, auch für Geimpfte“, erklärt Scheidl.

Auch Ministerium weiß nicht alles. Schwierig seien zudem noch die vielen unterschiedlichen Regelungen bei der Einreise. „Die Regelungen sind teilweise die gleichen doch unterschiedlich im Prozedere. So bracht man überall eine Online-Registrierung, die aber immer anders abläuft“, sagt Scheidl. Auch die erforderlichen Testnachweise seien unterschiedlich. „Sogar das Außenministerium weiß da manchmal nicht Bescheid, was gilt.“

Schwieriges Thema Familienreisen. Vor allem bei Kindern sind mancherorts Tests bei der Einreise ab zehn Jahren, anderswo dann wieder ab sechs nötig. „Jede Buchung braucht dadurch eine Recherche extra, weil sich ja auch bis zum Urlaubsantritt noch etwas ändern kann“, meint Scheidl. Auch für sie ein größerer Aufwand, der sich fast in der doppelten Planungs- und Beratungszeit niederschlägt. „Man muss auf jeden Kunden speziell eingehen, weil nichts allgemein und einheitlich gilt.“

Fernreisen noch unter dem Radar. „Es sind nicht mehr nur Anfragen, wir buchen tatsächlich auch wieder“, zeigt sich auch Doris Bednar vom Reisecenter Waidhofen & Gmünd zuversichtlich. Neben den üblichen Verdächtigen gab es bei ihr auch schon vereinzelte Buchungen außerhalb Europas wie etwa Ägypten. Wirkliche Fernreisen seien bei der aktuellen Lage aber nur schwer möglich.

Fleckerlteppich Europa. Vollbetrieb herrscht im Reisebüro auch noch keiner, die Planung sei aber trotzdem aufwendig. „Europa ist, was die Einreisebestimmungen betrifft, gerade ein Fleckerlteppich. Wir müssen immer wieder nachfragen, welche Regeln denn jetzt gelten“, berichtet Bednar. Aufgrund der unterschiedlichen Infektionsverläufe zeigt sich aber auch Verständnis, dass die Durchführung einer europaweiten einheitlichen Regelung keine leichte Aufgabe ist.

Hotels teilweise ausgelastet. Starken Aufwind spürt man gerade auch in der Hotelbranche. Nach monatelangem Bangen scheint das Geschäft jetzt doch stark anzuziehen. „Es geht uns blendend. Die bisherigen Buchungen über den Sommer allein sind schon mehr als ausreichend“, erzählt Michael Stocker von der Liebnitzmühle. Die Wochenenden seien bis November teilweise schon komplett ausgebucht. Selbst die Buchungslage im Juni sei kurzfristig stark angestiegen.

Wird das Vorjahr übertroffen? Seminare sind auch wieder angedacht und mit weiteren kurzfristigen Buchungen wird sowieso gerechnet. „Insofern machen wir uns keine Sorgen. Heuer wird wahrscheinlich noch mal um ein Eck besser als das Vorjahr, welches auch schon ein Wahnsinn war“, meint Stocker. Der Boom vom Urlaub daheim bleibt also vermutlich ungebrochen.

Zahlen hinken hinterher. Nicht ganz so euphorisch ist Gerhard Hufnagl vom Waidhofner Stadthotel: „Seit der Öffnung werden die Buchungen laufend mehr. Gerade jetzt, wo das Wetter wieder passt, sind wir relativ gut gebucht. Im Vergleich zum Vorjahr hinken wir aber noch hinterher.“ Gerade die Radtouristen etablierten sich 2020 zu einem großen Pluspunkt des Hotels, in dem der Fokus zuvor hauptsächlich auf Geschäftsreisenden lag.

Schwierige Aufholjagd. Nach dem kalten Mai erwartet sich Hufnagl zumindest einen kleinen Aufschwung mit den warmen Temperaturen. Die Zahlen des Vorjahres zu erreichen, schätzt er trotzdem als schwierig ein. „Wir sind etwas zeitverzögert mit der Öffnung im Vergleich zu 2020. Damals herrschte zudem gefühlt auch mehr Euphorie, endlich wieder raus zu dürfen“, meint er. Die „drei Gs“ seien natürlich auch ein Faktor, der Gäste abschrecken könnte. „Bisher hatten wir aber noch keine Probleme. Alle Gäste waren sehr diszipliniert.“

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