Tourismus: Das Waldviertel hört nicht in Zwettl auf. Die Hotels in Waidhofen/Thaya konnten von einem überraschend starken Sommer profitieren. Vor allem Radfahrer kamen in neuer Rekordzahl ins Thayaland.

Von Sebastian Dangl. Update am 17. September 2020 (06:53)
Das Stadthotel Waidhofen verzeichnete einen Zuwachs an Gästen.
Sebastian Dangl

Viele befürchteten nach dem Totalstilland der Tourismusbranche im Frühjahr schon das Schlimmste. Lange mussten die Hotels und das Gastgewerbe bangen, ob denn wenigstens die Sommersaison mitgenommen werden könne. Befürchtet wurde schon, dass selbst diese katastrophal verlaufen würde. Der Ernstfall ist nicht eingetreten, im Gegenteil: Manche sprechen sogar von einem Plus zum Vorjahr.

Waidhofen: Mehr Gäste im Stadthotel als im Sommer 2019

So auch das Stadthotel Waidhofen, wo im Juli und August mehr Gäste als im Sommer 2019 gezählt werden konnten. „Weil viele Menschen nicht ins Ausland gereist sind, wurde anscheinend das Waldviertel als Urlaubsdestination wiederentdeckt“, bemerkt Hotelchef Gerhard Hufnagl. Das Defizit aufzuholen sei natürlich unmöglich, doch vor allem ein Zuwachs an Radfahrern half dem Hotel nach der Krise. Zudem soll sich das Buchungsverhalten etwas verschoben haben.

„Wir hatten Gäste, die auch länger als zwei bis drei Tage blieben, manche sogar bis zu einer Woche.“ Weiters fielen dem Hotelchef überraschenderweise vermehrt Gäste aus Salzburg und Tirol auf. „Früher hat das Waldviertel den Tiroler gar nicht interessiert, es sei denn er fuhr auf Kur nach Harbach“, lacht Hufnagl. „Die Kenntnis über das Waldviertel hört oft in Zwettl auf. Vielleicht wäre es an der Zeit, unsere Region verstärkt in anderen Bundesländern zu bewerben.“

Für den Herbst sieht die Lage im Moment recht gut aus. Einer der Hauptgeschäftszweige des Hotels, der Businesstourismus, verläuft zufriedenstellend, wenn auch nicht vergleichbar mit dem Vorjahr. Gerhard Hufnagl bleibt jedoch vorsichtig: „Steigende Infektionszahlen können das Geschäft schnell wieder zum Erliegen bringen.“

Kurzfristige Buchngen statt lange im Voraus

Im Raabser Hotel Thaya konnte man in diesem Jahr ebenfalls so manche Veränderung bemerken. So herrscht laut Hotelchef Franz Strohmer ein komplett anderes Buchungsverhalten. „Normalerweise buchen unsere Gäste immer sehr weit im Voraus. Das war heuer komplett anders.“ Die Tendenz würde zu kurzfristigen Buchungen mit ein bis zwei Wochen Vorlaufzeit gehen.

Daraus ergaben sich wiederum neue Probleme. „Die Planungssicherheit war nicht einmal ansatzweise gegeben, was uns vor personelle Probleme stellte.“ Gerechnet habe man nach den Prognosen der Medien mit einem mageren Sommer. Weil es letztlich doch anders kam, wurde es schwierig, kurzfristig das nötige Personal zu bekommen. Am Ende konnte sich das Hotel Thaya aber doch auf die neue Situation einstellen und vom hoch im Kurs stehenden Radtourismus profitieren. Auch Kanufahrer kamen einige an die Thaya.

Nach dem Ende der Hauptsaison hofft Franz Strohmer jetzt auf gute Herbstferien und dass doch noch eine paar Gruppenreisen ihren Weg in sein Hotel finden, denn mit Schulklassen kann dieses Jahr nicht gerechnet werden. Die Lage bleibt weiterhin unsicher. Normalerweise hat das Hotel um diese Zeit schon einige Reservierungen für Weihnachtsfeiern, die jedoch bis dato ausgeblieben sind. „Wir werden wahrscheinlich einen Monat früher als gewohnt, im November, für den Winter schließen“, erklärt Strohmer.

Radtourismus war der größte Pluspunkt

Der Bezirk Waidhofen konnte im Sommer enorm von der großen Radfahrer-Zahl profitieren. Laut dem Obmann des Vereins Zukunftsraum Thayaland, Eduard Köck, verzeichnete die Thayrunde ein Plus von 20 Prozent. „Der Boom war in allen Tourismusbetrieben entlang der Strecke zu spüren, obwohl das Wetter im Vorjahr besser war“, berichtet Köck. An manchen Zählstationen entlang der Strecke wurde sogar die 1.000er-Marke überschritten. Der enorme Ansturm war aber auch zu viel für die Herbergen. „An manchen Wochenenden mussten tatsächlich Menschen abgewiesen werden. Es gibt sicher Möglichkeiten, ein größeres Angebot zu schaffen“, betont Köck.

In Waidhofen war der Radtourismus vorherrschend.
M. Ledwinka

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