Ärztemangel beschäftigt die Region Waidhofen. Arbeitsplätze, Mobilität und ärztliche Versorgung – das sind die Themen, welche den Gemeinden im Bezirk Waidhofen am Herzen liegen, und über die bei der Bezirksarbeitskonferenz der Volkspartei NÖ mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner am Mittwoch gesprochen wurde.

Von Michael Schwab. Update am 10. Oktober 2019 (06:31)
Michael Schwab
Die Vertreter aus den Gemeinden der Bezirks Waidhofen mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nach der Bezirksarbeitskonferenz.

„Es ging darum, Anliegen und Wünsche zu sondieren, und Bilanz zu ziehen, was wir gemeinsam in den letzten viereinhalb Jahren erreicht haben“, betonte Johanna Mikl-Leitner bei der anschließenden Pressekonferenz in der Waidhofner Filiale der Waldviertler Sparkasse Bank AG.

Ein Thema, wo aktuell der Schuh drückt, ist die ärztliche Versorgung am Land. Es gibt im Bezirk insgesamt 13 niedergelassene Allgemeinmediziner, doch wie derzeit die Situation in Groß Siegharts (die NÖN berichtete) zeigt, wird es immer schwieriger, Hausarztstellen nachzubesetzen. Mikl-Leitner erwähnte die Landarztgarantie, die dann greift, wenn eine Stelle trotz Bemühungen von Krankenkasse und Ärztekammer ein Jahr lang unbesetzt bleibt. Dann werden Ärzte aus den Kliniken bereitgestellt.

Die Landarztgarantie allein reiche aber nicht, um die bevorstehenden Pensionierungen von Landärzten auszugleichen. „Wir fordern deshalb unter anderem eine Verdoppelung der Medizinstudienplätze, Landarzt-Stipendien mit Länder-Kontingenten und die Schaffung eines Facharztes für Allgemeinmedizin“, stellt Mikl-Leitner klar.

Tourismus und erneuerbare Energie als Wirtschaftsfaktoren

Positives gibt es am Arbeitsmarkt zu vermelden: Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten sei zwischen 2015 und 2018 kontinuierlich gestiegen und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit zurückgegangen.

Mikl-Leitner wies aber auch auf die Herausforderung des Fachkräftemangels hin, dem man seitens des Landes mit der 46 Millionen Euro schweren Lehrlingsoffensive begegnen will: „Wir wollen junge Menschen bis 25 an die Hand nehmen, und ihnen fixe Beschäftigungsplätze bieten“, hob die Landeshauptfrau hervor.
Als zunehmend wichtig für den Bezirk Waidhofen bezeichnete sie die Rolle des Tourismus. Die Nächtigungszahlen sind von 2015 bis 2018 um 35 Prozent angestiegen, vor allem durch den Radweg „Thayarunde“. Nun seien private Quartiergeber gefordert, um das Zimmerangebot in der Region auszubauen.

 Auch der Klimaschutz wird im Bezirk Waidhofen zum Wirtschaftsfaktor: Bereits heute wird der Strom für 8.000 Haushalte vor Ort durch erneuerbare Energie gedeckt, wodurch fünf Millionen Euro Wertschöpfung pro Jahr erzeugt werden.

Verkehr: Bahnverbindungs-Angebot um 14 Prozent verbessert

Im Verkehrsbereich ging Mikl-Leitner auf die Verbesserung des Bahnverbindungs-Angebots ein: 14 Prozent mehr Verbindungen und zwölf Prozent mehr Fahrgäste habe man im Bezirk erreichen können. Daneben seien auch laufen Investitionen in Straßen und Brücken erfolgt.

Ein weiteres Anliegen ist der Landeshauptfrau die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine moderne Familienpolitik. „Wir haben zwischen 2015 und 2018 860.000 Euro an Förderungen aus dem Schul- und Kindergartenfonds und 600.000 Euro an Förderungen für die Kinderbetreuung in den Gemeinden des Bezirks bereitgestellt“, fasste Mikl-Leitner zusammen.

Vorrang und mehr Geld im Wohnbau für Jungfamilien

Jungfamilien will sie mit der neuen Wohnbaustrategie, die seit vergangener Woche gilt, unter die Arme greifen: Für sie wurden die Förderdarlehen verdoppelt, und Vorrang im geförderten Wohnbau geschaffen. Um der Abwanderung entgegenzuwirken, werden die Förderdarlehen in Abwanderungsgemeinden aufgestockt – drei Gemeinden erhalten um 3.000 Euro mehr, zehn Gemeinden um 6.000 Euro. Für die Ortskerne gibt es ein zusätzliches Förderdarlehen für Häuslbauer von bis zu 12.000 Euro, außerdem einen Bonus für Sanierungen im Ortskern und eine Förderung für Geschäftsflächen im Zentrum.