Waidhofner Gabler-Mühle wird zur „Hopfenspinnerei“. Evelyn Bäck und Gwaël Gauthier erwarben Gabler-Mühle, und bauen sie zu einer Craft-Brauerei um.

Von Michael Schwab. Erstellt am 18. November 2020 (06:13)

Schon bald wird in der Bezirkshauptstadt wieder Bier gebraut werden: Vor Kurzem kauften Evelyn Bäck und ihr Lebensgefährte Gwaël Gauthier die historische „Gabler-Mühle“ in der Wienerstraße direkt an der Thaya. Das Ziel ist, die Mühle zur Brauerei umzufunktionieren und zugleich die historisch wertvolle Einrichtung zu erhalten.

Beginn mit 30-Liter-Kochtopf in Garage

Bäck hat 2017 die kleine Brauerei „Hopfenspinnerei“ in Walpersdorf (Bezirk St. Pölten-Land) gegründet. „Wir sind eine kleine Handwerksbrauerei mit möglichst wenig Technik. Wir wollen zurück zum Ursprungsprodukt, ein Bier, wie es ursprünglich einmal war, ein Frischeprodukt“, erklärt Evelyn Bäck ihren Zugang zum Bier.

Sie begann 2011 mit dem Hobbybrauen in der Garage in einem 30-Liter-Kochtopf, machte dann die Ausbildung zur Biersommelière und zur Braumeisterin und erkannte schließlich, dass sie auch beruflich in diese Richtung gehen will.

„Ich habe meinen Job als PR- und Marketingleiterin bei den Seefestspielen Mörbisch gekündigt“, erzählt Bäck. Schon 2018 holte sie einen Staatsmeister- und einen Vizestaatsmeistertitel mit ihren Craft-Bieren. In St. Pölten wurde ein Shop eröffnet, 2019 und 2020 folgten weitere Auszeichnungen.

Suche nach neuem Standort

Mit der Corona-Krise kamen neue Herausforderungen auf die kleine Brauerei zu. Der Shop in St. Pölten litt unter dem eingeschränkten Kulturbetrieb, und auch das Brauen in gemieteten Räumen sollte nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Daher beschloss Bäck, sich nach einem Standort umzusehen, wo sie alles, was ihr vorschwebt, unter einem Dach realisieren kann.

Die Gabler-Mühle kam da wie gerufen: „Wir hatten immer schon einen Hang zum Waldviertel, weil wir denken, dass die Leute hier Handwerk noch schätzen. Es sollte nicht hinter den sieben Bergen sein, daher kam uns Waidhofen sehr gelegen.“

Start bis spätestens Frühsommer 2021 geplant

Nun wartet viel Arbeit auf Bäck und ihren Lebensgefährten. Das ehemalige Magazin soll die Brauerei beherbergen, dazu muss der alte Fußboden entfernt werden, eine Heizung installiert werden und alles lebensmittelgerecht hergerichtet werden.

Auch der Kanalanschluss muss hergestellt werden, dazu musste im Hof aufgegraben werden. Ein neues Dach hat das Magazin bereits erhalten, auch eine Zwischendecke wurde schon eingezogen. Das daneben liegende Mühlengebäude samt historischer Einrichtung soll erhalten bleiben und eventuell einer musealen Nutzung zugeführt werden.

„Es soll aber kein reines Mühlenmuseum werden, sondern eine Kombination mit dem Produkt Bier“, plant Bäck. Verkauf und Verkostung sollen vor Ort stattfinden, auch kleine Events kann sich die Braumeisterin vorstellen. Sie möchte auch Braukurse für Hobbybrauer anbieten.

Den Lockdown und die über den Winter zu erwartende Zeit von Corona-Beschränkungen wollen Bäck und Gauthier nutzen, um die Brauerei und alles, was dazugehört, einzurichten. „Der Plan wäre, im Frühling bzw. Frühsommer 2021 fertig zu sein“, verrät Bäck.