Lokalaugenschein bei den „Käsemacher-Ziegen“. Vitiser Verarbeitungsbetrieb führt zu einem ihrer Ziegenmilch-Lieferanten, die in ihren Stall mit 130 Tieren blicken lassen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 12. Juli 2019 (07:04)
Karin Widhalm
Die Scheidls durften sich über die Ziegen-Drillinge Max, Moritz und Wilma freuen, allerdings verstarb die Mutter. Zwei von ihnen zieht jetzt „Bella“ auf, während die Dritte mit der Flasche aufgezogen wird. Vier Monate sind die Jungen jetzt alt. Dem Schauspiel ganz nah: Johann, Franziska und Jakob Scheidl (vorne) mit Doris Ploner.

Die Ziegen, besonders die jungen, sind neugierig: Sie nähern sich langsam „Käsemacher“-Chefin Doris Ploner und ihrer Marketing-Leiterin Nina Schreiber und können dann von ihren Streicheleinheiten gar nicht genug bekommen. Sie zupfen immer wieder am Kleid der Redakteurin, sodass Juniorhüter Jakob Scheidl alle Hände voll zu tun hat. Er will nicht, dass der Stoff zerreißt, während sie selbst Notizen macht.

Und schließlich ist eine besonders mutig: Sie hüpft sanft mit ihren Vorderpfoten auf die NÖN-Mitarbeiterin, um an einem Rucksackband kosten zu können. Dieser liebenswerte Akt wäre ein echter Schnappschuss gewesen, aber die Kamera war für niemanden griffbereit.

„Die Käsemacher“ führten zu einem der Ställe, die Ziegen beherbergen. Der Verarbeitungsbetrieb in Vitis nennt die Lieferantin aus Brunn respektvoll „Frau Scheidl“ und zwar so oft, dass sogar kurzzeitig der Vorname entfällt. Franziska, ihr Mann Johann und Sohn Jakob Scheidl betreuen 130 Ziegen. Einige von ihnen sieht man schon, wenn zum Bauernhof zufährt. Sie tummeln sich auf einem mit Stroh bedeckten Boden in einem aus Holz gebauten Stall, leben in der Herde, dürfen frei laufen und können jederzeit Futter zu sich nehmen.

Gute Ernährung schlägt sich auf Milch nieder

Viel Klee wird verfüttert, alles aus der eigenen, 40 Hektar großen Landwirtschaft. Die Wiesen und Weiden aller „Käsemacher“-Partnerbetriebe sind glyphosatfrei. Die gute Ernährung schlägt sich auf die Gesundheit der Tiere nieder. „Die Goaß werden älter und brauchen viel weniger Geburtshilfe“, beobachtet Johann Scheidl. Und sie schlage sich auf die Qualität der Milch nieder.

Die Milchabrechnung richtet sich nach dieser Qualität, konkret nach dem Gehalt an Fett und Eiweiß. Zwei Mal täglich, einmal morgens und einmal abends, werden sie gemolken; dafür geht eine Ziege nach der anderen zur Melkstation: 22 haben nebeneinander gleichzeitig Platz. Zwei Mal in der Woche kommen „Die Käsemacher“, um die Milch abzuholen. Zwei Autos fahren hierfür ihre Routen ab.

Warum hält die Familie keine Kühe? „Haben mir nie gefallen“, schmunzelt Johann Scheidl. „Die Arbeit ist dieselbe, aber das Risiko ist geringer“, denkt er an die durchaus mächtigen Tiere, die zum Beispiel mit ihren Hufen verletzen können. „Der Kuhmilchpreis ist zu unsicher und von einem Auf und Ab geprägt“, ergänzt Ploner. Das habe den Bauern in den letzten Jahren zugesetzt. Der Ziegenmilchpreis sei dagegen stabil. „Wir vereinbaren einmal im Jahr den Preis, der nur ein bisschen nach oben oder nach unten schwanken kann.“

„Ziegen-Region“ hat sich erst entwickelt

Ploners Vater hatte selbst einen Bauernhof, allerdings mit Kühen, und stellte dann auf Ziege und Schaf um. „Das ist mit uns gewachsen“, erzählt Tochter Doris, dass gerade das obere Waldviertel eigentlich nicht bekannt für die Hornträger war. Das habe sich erst in den letzten Jahren dahingehend entwickelt. Die Belieferung ihrer Ziegenmilch an die „Käsemacher“ stand für die Scheidls außer Frage. Die Partnerschaft besteht, seit 2008 die erste Ziege den Stall betrat.

Die Käsemacher beziehen die Milch nicht von großen Betrieben, durchschnittlich hat jeder Lieferant 150 Schafe oder 150 Ziegen. „In dem Bereich bewegen sich alle“, berichtet Ploner. Die Bauern kommen aus der Region – die meisten sind aus den Bezirken Waidhofen und Zwettl – und aus einer kleinstrukturierten Landwirtschaft. Das sei ihr wichtig. Und noch eines: „Wichtig ist, wie’s den Tieren geht“, betont Ploner.

Scheidls Ziegen machen übrigens ihrem Ruf alle Ehre: Sie sind äußerst klug und sorgten für Kopfzerbrechen in der Familie, weil sie alle Schlösser knackten. „Sie kriegen Karabiner auf und können die Kette runterwickeln“, schildert Jakob Scheidl. Die richtige Schließmethode musste erst gefunden werden, aber wer weiß, wie lange die Ziegen zum Knacken benötigen.