Nationalrat Martin Litschauer muss nicht in Quarantäne. Der aus Thaya stammende grüne Nationalratsabgeordnete und Vizebürgermeister von Waidhofen, Martin Litschauer, muss nicht in Quarantäne. Er hatte zu dem am Freitag, 20. März positiv auf das Coronavirus getesteten Nationalratsabgeordneten Johann Singer (ÖVP) keinen Kontakt gehabt.

Von Michael Schwab. Erstellt am 21. März 2020 (18:37)
Martin Litschauer im Parlament. Zu dem am Coronavirus erkrankten ÖVP-Abgeordneten Johann Singer hatte er keinen Kontakt und muss sich deshalb nicht zu Hause isolieren.
privat

„Singer war am Freitag nicht im Parlament, und bei der Sitzung am vergangenen Sonntag, wo er anwesend war, hatten wir keinen Kontakt“, berichtet Litschauer. Daher müsse er sich nicht wie andere ÖVP-Abgeordnete in Heimquarantäne begeben.

„Nehme Einkäufe für ältere Leute mit"

Verändert hat sich sein Alltag dennoch: „Ich arbeite jetzt im Wesentlichen im Homeoffice, und muss nur fallweise zu Sitzungen im kleineren Rahmen. Wenn ich aus diesen Gründen das Haus verlasse, verbinde ich damit, wenn es geht, auch gleich notwendige Einkäufe für die Familie und einige ältere Personen im Umfeld, die Hilfe brauchen. Sie sagen mir Bescheid, was sie brauchen, und ich nehme es mit“, erzählt der Nationalratsabgeordnete.

Ins Parlament fährt er jetzt öfter mit dem Auto statt mit dem Zug – weniger aus Angst vor Ansteckung in öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern um auch spät am Abend nach Hause zurückkehren zu können. „In den Zügen sitzen meist kaum Leute, aber in den Situationen, wo ich früher öfter in Wien übernachtet habe, ist jetzt Heimfahren angesagt“, sagt Litschauer.

Im Parlament geht man auf Abstand

Auch die Sitzungskultur im Parlament selbst ist eine andere. Um den nötigen Abstand halten zu können, verfolgen viele Abgeordnete die Reden von Nebenräumen aus am Fernseher, und kommen nur zur Abstimmung in den Saal. „Da kann man dann zwar keine Zwischenrufe während der Reden machen, aber die sind in dieser ernsten Situation sowieso weniger gefragt“, merkt Litschauer an.

Handy statt Zurufen

In der eigenen Fraktion hält man auch Abstand, verständigt sich bevorzugt über Messengerdienste statt Ohrflüstern oder leisen Zurufen. „Wenn man im Fernsehen jetzt die Abgeordneten noch mehr als früher auf ihren Handys herumtippen sieht, dann ist das keine Spielerei aus Langeweile, sondern es dient der Kommunikation untereinander“, stellt Litschauer klar.

Zu Hause gilt es, die Familie beschäftigt zu halten. „Wir haben jetzt mehr Zeit, um öfter zusammenzusitzen. Die Kinder sind mit Schulaufgaben versorgt, aber manchmal streikt die Technik, weil die Lernplattforms-Server überlastet sind“, merkt Litschauer an.