Lehrling ist zeitgleich Student . Maturanten können bei „TE Connectivity“ eine Lehre starten – und parallel an der Fachhochschule studieren.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 09. Juli 2020 (05:29)

Marcel Wielander war während seiner HLW-Zeit klar: Ein Job in diesem Bereich wird ihm keine Freude bereiten. Er schloss trotzdem ab – und begann dann eine Lehre bei „TE Connectivity“. Der Weg des 22-Jährigen mit Faible fürs Technische ist kein typischer – und er nutzt jetzt eine Chance, die für einen 16-Jährigen noch Zukunftsmusik ist: Der „TE Connectivity“-Lehrling kann zeitgleich ein Studium abschließen.

Wichtig: Matura & Interesse

Voraussetzung ist: die Matura in der Tasche und ein hohes technisches, digitales Interesse. Die Aufnahmeverfahren bei „TE Connectivity“ und an der Fachhochschule müssen geschafft werden. Zwei Jahre arbeitet der Dimlinger Betrieb schon daran, diese duale Ausbildungsform anbieten zu können.

Ausbildungsstart trotz Corona

„Wir hätten schon im März starten wollen“, schildert Nina Fietz, zuständig für „Human Ressources“ im Betrieb. Corona verzögerte den Plan, aber Maturanten – egal, aus welcher Schule – können sich noch melden: Die Fachhochschule (FH) St. Pölten hat die Anmeldephase bis August ausgeweitet.

Ausbildung ist intensiv

Sie sollten sich bewusst dafür entscheiden, denn auch wenn sich die Lehrzeit auf 2,5 Jahre und selbst der Berufsschulunterricht verkürzt: Intensiv ist die Ausbildung. Zeit muss investiert werden, am Willen darf es nicht fehlen. Wielander hat sich mit einem weiteren Lehrmädchen für diesen Weg entschieden: „Wenn man älter ist, ist man zielstrebiger“, findet der Vitiser.

Freitag und Samstag wird studiert

Er kann die Theorie auf Hochschulniveau mit der betrieblichen Praxis verbinden. Die Lehre zum Elektrotechniker erfolgt bei „TE Connectivity“ und in der Landesberufsschule Stockerau. Parallel dazu sucht man (und frau) am Freitagnachmittag und Samstag (ganztägig) die FH auf: Sieben Semester (dreieinhalb Jahre) dauert das Bachelor-Studium „Smart Engineering of Production Technologies and Processes“.

Die Studierenden erhalten Lehrlingsentschädigung – und haben einen passgenauen Job. Ihre Karrierechance erhöht sich bis hin zum mittleren und höheren Management. Der Sprung zu internationalen Standorten ist möglich, ergänzt Fietz.

„Einziger Betrieb im Waldviertel“

Das Ausbildungssystem ist neu: „Wir sind der einzige Betrieb im Waldviertel, der das anbietet. Das ist für das Waldviertel ein großer Pluspunkt, denn das wird auch in Zukunft die Fachkräfte in der Region halten“, betont Lehrlingsausbildner Christian Lapacka. Fünf Betriebe sind niederösterreichweit mit im Boot, darüber hinaus wird in Österreich diese Aufbildungsform (noch) nicht angeboten.

Was lernt man?

Lehrlingsausbildner Robert Wenisch fasst dies mit „Infotronik“ zusammen: Man programmiert, kennt sich in der Elektronik und Digitalisierung aus, lernt „ein bisschen Mechatronik, aber nicht allzu viel“. „Virtual & Augmented Reality“, Cyber-Security und die Mensch-Maschine-Interaktion gehören dazu. Die traditionelle Produktion wird mit digitalen Technologien verbunden.

Die Lehrlingsausbildner bauen etwa Roboter mit den Lehrlingen, ein Teilgebiet der Elektrotechnik, Informatik oder des Maschinenbaus. Ziel ist es auch, zu wissen, wie mit geringem Aufwand ein effektives System geschaffen wird: Nicht nur die Industrie will „TE Connectivity“ ausstatten, sondern auch die breite Masse. Die smarte Technologie einer Kaffeemaschine oder eines Induktionsherdes darf daher nicht teuer sein.