Weihnachten im Gefangenenlager. Sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest vorzubereiten und die wahre Bedeutung des Fests im Christentum zu erkennen – das war das Ziel eines Einkehrtages mit Altbischof Klaus Küng in Thaya am Samstagnachmittag. In eine Besinnungsstunde in der Pfarrkirche brachte Küng seine Gedanken zu Weihnachten näher, wobei er sich einiger praktischer Beispiele bediente, wie etwa der Erzählung eines älteren Priesters von einem Weihnachtsfest in russischer Kriegsgefangenschaft, die Küng als jungen Priester fasziniert hatte.

Von Michael Schwab. Erstellt am 15. Dezember 2019 (21:07)
Einkehrtag in der Pfarre Thaya: Provisor Thomas Skrianz. Ministrant Jakob Strohmer und Altbischof Klaus Küng.
Michael Schwab

Denn dass ausgerechnet dieses Weihnachtsfest für den Priester, der als Sanitäter im zweiten Weltkrieg mit der Wehrmacht auf den Russland-Feldzug geschickt wurde, das Schönste gewesen sein soll, vermag auf den ersten Blick unglaubwürdig zu wirken.

Zunächst habe es im Lager, erzählte Küng, noch die Hoffnung gegeben, dass der Krieg bald vorbei und man zu Weihnachten zu Hause sei. Doch als Goebbels im Herbst 1943 den „totalen Krieg“ ausrief, zerplatzen diese Hoffnungen. Krankheiten machten sich im Lager breit, die Leute starben wie die Fliegen. Der Pfarrer hatte alle Hände voll zu tun, um Sakramente zu spenden.

Russe flehte Priester an, zu sterbender Mutter zu kommen

Am 24. Dezember flehte ihn ein Russe an, zu ihm nach Hause zur sterbenden Mutter zu kommen. „Sie empfing die Sakramente und war danach so erleichtert und befreit, dass der Priester dies nie wieder vergaß“, sagte Küng. Zurück im Lager, setzte er seinen Dienst fort. Ein Mann verweigerte jegliche Hilfe des Priesters. Mit Mühe und Not schaffte man es, gegen Mitternacht ein paar Männer zu finden, um „Stille Nacht“ zu singen. „Da kam plötzlich der Mann, der den Priester weggeschickt hatte, und wollte das Lied noch einmal hören. Danach nahm er alle Sakramente an, und starb völlig erleichtert nur wenige Stunden später. Der Priester erzählte mir, dies sei für ihn das schönste Weihnachten gewesen“, schloss Küng seine Erzählung.

Geschenke: Liebe, nicht das Materielle im Mittelpunkt

Er wies darauf hin, dass stets auch das eigene Handeln und Tun im Spiel steht, wenn es darum geht, Gott in sein Leben und Herz zu lassen. Man müsse seine Fehler und Sünden eingestehen und vergeben lernen, und begreifen, dass beim Schenken nicht das Materielle im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr die Liebe zur beschenkten Person, die dadurch zum Ausruck gebracht wird.