Präsenz- und Onlineunterricht im Bezirk Waidhofen. Ergänzungsunterricht ist essenzieller Part der Vorbereitung auf Prüfungen. Schulen bieten Präsenz- und Onlineunterricht an.

Von Alina Kalaschek und Julia Fröhlich. Erstellt am 29. April 2021 (04:54)
Die HAK-Schülerinnen Julia Lenz, Katharina Pichler und Jasmin Buxbaum werden den Ergänzungsunterricht für Mathematik bei Professorin Iva Biglova auf jeden Fall in Anspruch nehmen.
Julia Fröhlich, Julia Fröhlich

Für viele der Maturanten war die ständige Ungewissheit in diesem Schuljahr neben den Prüfungen, unzähligen Arbeitsaufträgen und Online-Stunden im Homeschooling ein treuer Wegbegleiter. Wie die Gestaltung der Maturavorbereitungen heuer aussehen wird, ist mittlerweile zum Glück geklärt.

Unter gewöhnlichen Umständen würden diese im Rahmen des Ergänzungsunterrichtes vor Ort in jenen Fächern, in denen die Schüler maturieren, erfolgen. Sie können die Möglichkeit nutzen, um das erlangte Wissen der letzten Jahre zu wiederholen, zu festigen und jegliche Unklarheiten gemeinsam mit den Lehrkräften zu beseitigen. So ähnlich wird es auch in diesem Jahr ablaufen, da der Ergänzungsunterricht ein essenzieller Part der Vorbereitung auf die Reife- und Diplomprüfung ist. Die NÖN hat sich umgehört und die Stimmung in den Abschlussklassen eingefangen.

Lediglich September und Oktober gewohnter Unterricht. Roland Senk, Direktor des Bundesrealgymnasiums, fasst die neuen Regelungen bezüglich der Maturavorbereitung aus der neuen Verordnung des Bildungsministeriums kurz und bündig zusammen: „Da die Abschlussklassen lediglich im September und Oktober in gewohnter Weise unterrichtet werden konnten und den Rest im Schichtbetrieb oder sogar im kompletten Homeschooling während den Lockdowns verbracht haben, wird wie im Vorjahr ein zweiwöchiger Ergänzungsunterricht für die maturarelevanten Unterrichtsgegenstände angeboten.“

Zudem kann die mündliche Matura freiwillig absolviert werden und Schüler müssen nur in drei von vier Fächern eine schriftliche Prüfung ablegen. Für die Schüler der Abschlussklassen besteht die Möglichkeit, sich für den Ergänzungsunterricht anzumelden und ihn im Ausmaß der sonst üblichen Wochenstunden eines Unterrichtsgegenstandes auch zu besuchen. „Ich denke, dass dieser sehr gut angenommen werden wird, da die Schüler genau wissen, dass es ein Zusatzangebot der Lehrkräfte ist, maturarelevante Themengebiete nochmals zu wiederholen.“

Covid-Testfrequenz deutlich erhöhen. Die neue Verordnung sieht zwar vor, den Ergänzungsunterricht in Form eines Präsenzunterrichts anzubieten, jedoch beinhaltet sie einen gewissen Handlungsspielraum, diesen online abzuhalten, wenn es die epidemiologische Lage verlangen sollte.

„Wir werden diesen in der Schule abhalten, die Covid-Testfrequenz noch deutlich erhöhen und auf das durchgehende Tragen von FFP2-Masken setzen“, unterstreicht Senk. Seine Devise lautet: „Lieber einmal mehr testen als einmal zu wenig.“ Sofern Lehrkräfte verfügbar sind, werden auch Änderungen im Stundenplan vorgenommen, um Pausen zwischen den zusätzlichen Unterrichtseinheiten zu vermeiden und damit auch die Ansteckungsgefahr weitgehend zu minimieren.

Präsenzunterricht für HAK-Maturaten zu riskant. Der Direktor der Handelsakademie Waidhofen, Rudolf Mayer, erzählt jedoch, dass seine Maturanten einen Präsenzunterricht so knapp vor der Reife- und Diplomprüfung zu riskant fänden. Seitdem bekannt ist, dass die neuen Covid-Mutationen auch immer gefährlicher für junge Menschen sind, gilt in den Schulen, dass die gesamte Klasse bei einer Ansteckung eines Schülers für einen Zeitraum von 14 Tagen in Quarantäne muss. „Und das würde für meine Schüler bedeuten, dass sie erst im Herbst maturieren könnten, falls dies während des Ergänzungsunterrichtes passieren würde. Das möchte natürlich niemand“, meint Direktor Mayer.

Distance-Learning organisatorisch besser. Dies sei auch organisatorisch besser, denn die Ergänzungsunterrichtsstunden können aufgrund des fixen Stundenplans in den anderen Klassen oft nicht geblockt stattfinden. Im Distance-Learning könnten die Maturanten zuhause zwischen den zusätzlichen Unterrichtseinheiten in Ruhe selbst weiterlernen, was in der Schule vielleicht weniger gut gelingen würde. Die Schüler wurden in die Entscheidung miteinbezogen und waren sich einig, dass sie den Präsenzunterricht zwar bevorzugen würden, aber das Risiko, erst im Herbst maturieren zu können, es aber einfach nicht wert sei. Denn sehr viele haben schon Pläne für die Zeit nach der Matura, vom Zivildienst über Praktika bis hin zu festen Anstellungen.

Mayer ist unglaublich stolz, dass der Unterricht immer erfolgreich auf zwei Ebenen gehalten wurde. Einerseits für jene, die von zuhause aus mitgemacht haben, und andererseits für Schüler, die in der Schule präsent waren.

Prüfungen in HTL bestehen aus einigen praktischen Teilen. In der HTL Karlstein sieht es mit den Maturavorbereitungen wiederum ganz anders aus. Zum einen findet der Ergänzungsunterricht in Form von Präsenzunterricht statt. Dies sei laut Direktor Wolfgang Hörmann unbedingt notwendig, da die Prüfungen aus einigen praktischen Teilen bestehen würden, für die natürlich nur mit den Anlagen in der Schule geübt werden könnte. Deshalb war es wichtig, die Ergänzungsunterrichtseinheiten zu blocken, aufgrund der verkehrsmäßigen Erreichbarkeit der Schule für manche Schüler. Schon während des laufenden Schuljahres fand außerdem ein Zusatzunterricht neben dem normalen Stundenplan statt. Wolfgang Hörmann berichtet stolz: „Seit über einem Jahr hat es schon keinen Ansteckungsfall mehr innerhalb der Schule gegeben. Da hat sich unser Sicherheits- und Hygienekonzept, alle Personen, die ein- und ausgehen täglich zu testen, wirklich bewährt.“

Wie wird Maturazeugnis heuer aussehen? Was ebenfalls noch nicht ganz geklärt ist, ist wie das Maturazeugnis heuer aussehen wird. Klar ist, dass für diejenigen, die freiwillig mündlich maturieren werden, ein Vermerk im Maturazeugnis aufscheinen wird. Wie dieser aussehen wird, ist jedoch noch unklar. Tritt ein Maturant nicht zu den mündlichen Prüfungen an, wird die Jahresnote des Faches hergenommen. Wenn man nun freiwillig mündlich maturieren würde, könnte sich die Note zwar verbessern, jedoch auch verschlechtern. Wenn man zufrieden ist mit seiner Jahresnote, ist es also fraglich, ob es sich überhaupt auszahlt, freiwillig anzutreten. In der HAK Waidhofen haben sich jedenfalls schon einige wenige freiwillig angemeldet. Auch das Einbeziehen der Jahresnote ruft bei den schriftlichen Prüfungen noch ein paar Verunsicherungen bei den Schülern und auch bei den Lehrern hervor.

Wie schätzt man eine Deutscharbeit ein? Klar ist, dass mindestens 30 % der Maturaarbeit positiv sein muss. In Fächern wie Mathematik ist dies natürlich einfach abzugrenzen. Wie aber schätzt man ein, ob eine Deutscharbeit nun zu 30 % positiv ist oder nicht? Für Deutsch gilt deshalb, dass der Text zumindest inhaltlich positiv sein muss. Für die Schüler ist es aber oft schwer vorstellbar, was dies nun für die praktische Umsetzung bedeutet. Klar ist, dass man mit einem „Befriedigend“ im Abschlusszeugnis beruhigter zur Prüfung antreten kann, weshalb den Schülern ihr Abschlusszeugnis diesmal wieder besonders wichtig war.