Stephan Rabl über den Kulturhauptstadt-Rauskick. Die künstlerische Leitung der Kulturhauptstadt Bad Ischl-Salzkammergut übernahm er im Oktober, die dahinterstehende GesmbH hat am Dienstag entschieden: Stephan Rabl muss gehen. Jetzt nimmt der Waldviertler erstmals öffentlich Stellung zu den Vorkommnissen.

Von NÖN-Redaktion, APA. Update am 02. April 2021 (14:29)
Stephan Rabl
Usercontent, Martin Kalchhauser

„Für mich war es wichtig, meine Arbeit in den Monaten des Lockdowns sowohl im Sinne der Region Salzkammergut und der bereits erfolgten Planungen als auch auf eine europäische Dimension hin auszurichten“, erklärt Stephan Rabl den NÖN. „Dieser Bogen ist gerade in der derzeitigen Pandemie, die massive Auswirkungen auf den Kulturbereich hat, sehr wichtig“, führt er aus.

Die GesmbH veröffentliche in einer Erklärung, dass „die Zugänge zur inhaltlichen Ausrichtung des Projektes sowie zur Kommunikation nach und innen und außen zu unterschiedlich waren“. Rabl habe sich laut Standard-Bericht mit Kunstschaffenden überschlagen. Die Entscheidung zur Trennung sei einstimmig gefallen, mehrmals hat man sich dafür getroffen.

Rabl sagt dazu: „Es ist schade, dass die Differenzen, die es gab, nicht anders zu lösen waren. Ich nehme die Entscheidung der Gesellschafter zur Kenntnis und wünsche der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 alles Gute und viel Erfolg.“

Unstimmigkeiten zwischen dem gebürtigen Waldviertler und dem Team hatten vor mehr als einer Woche zu Ablösespekulationen geführt. Aufsichtsratsvorsitzender Hannes Heide hatte da schon erklärt, dass es „unterschiedliche Sichtweisen mit dem künstlerischen Leiter“ gebe. Projektwerber sollen sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Aufsichtsrat und die Gesellschafter hatten dann vergangenen Freitag mit Rabl gesprochen. Am Montag (29. März) fand ein weiteres Gespräch mit Heide statt, aber erst am Dienstag fiel die Entscheidung.

Heide erklärte nach der Generalversammlung: „Wir bedanken uns bei Stephan Rabl, einem kompetenten und gut vernetzten Kulturmanager, für seine Arbeit und werden auf den Ergebnissen aufbauen und daran weiterarbeiten. Nach Reflexion der Erfahrungen mit dieser Position wird die Nachbesetzung rasch erarbeitet.“ Die GmbH bleibe mit der kaufmännischen Geschäftsführerin Manuela Reichert handlungsfähig, sie werde mit einem Team von sieben Mitarbeitern die begonnenen Projekte „vorantreiben“.

Stephan Rabl aus Radessen (Bezirk Waidhofen) ist als Gründer der „Szene Bunte Wähne“ bekannt, die er später zur „Szene Waldviertel“ umgeformt hat. Er war Gründungsintendant des Oberösterreich-Festivals „Schäxpir“, arbeitete im Theaterhaus „Dschungel Wien“ und im Museumsquartier, seit Oktober 2020 war er künstlerischer Leiter der Kulturhauptstadt Bad Ischl-Salzkammergut. Holger Schober hat die „Szene Waldviertel“-Leitung von ihm übernommen.