Rotes Kreuz Waidhofen kauft das Jirku-Areal. Waidhofen an der Thayas Bezirksstellenleiter Stöger nutzt mit der Hilfsorganisation eine „Jahrhundertchance“. Iris Jirku gibt (noch) kein Statement ab.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 21. Oktober 2020 (06:05)
Bei der Versammlung wurden Beförderungen ausgesprochen (v.l.): Christian Pfabigan (Beförderung zum Haupthelfer), Bürgermeister Eduard Köck, Kurt Jürgen Göbl (zum Abteilungskommandant), Bezirksstellenleiter Günter Stöger, Dominik Zettel (zum Oberhelfer), Sebastian Maresch (zum Oberhelfer) undBezirksstellenleiter-Stellvertreter und Ehrenpräsident Willi Sauer.
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Beim Roten Kreuz denkt man nicht nur über eine Erweiterung nach, um den Platzerfordernissen gerecht werden zu können. Die Organisation will das nachbarschaftliche Jirku-Areal kaufen – und hat dahingehende Gespräche mit Eigentümerin Iris Jirku geführt.

„Für uns war es wichtig, eine Jahrhundertchance zu nützen. Ein zweiter Standort wird auf Dauer zu teuer kommen.“Günter Stöger

„Der Vertrag ist bereits von beiden Seiten unterschrieben, und wir sind gerade in der notariellen Abwicklung des Kaufs“, erklärt Bezirkshauptmann Günter Stöger, der zugleich Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes ist. Iris Jirku will noch keine Stellungnahme dazu abgeben und abwarten, bis endgültig alles unter Dach und Fach ist.

„Für uns war es wichtig, eine Chance zu nützen, das ist doch eine Jahrhundertchance“, erklärt Stöger. „Wir wissen, dass die Aufgaben des Roten Kreuzes immer umfangreicher werden, und wir sind nach dem Umbau im Jahr 2009 wieder an allen Ecken und Enden am Limit.“

„Aufgaben des Roten Kreuzes werden umfangreicher“

Die Alternative wäre, einen zweiten Standort zu suchen und „das wird auf Dauer viel teurer kommen“. Das Areal umfasse ungefähr 1.000 Quadratmeter: „Wir wollen es sobald wie möglich nutzen, derzeit denken wir nicht an einen Umbau“, ergänzt Stöger.

Platz für Notarzt, Pflegebetten und mehr

Der Bezirksstellenleiter beschreibt, wohin sich in letzter Zeit das Rote Kreuz entwickelt hat: „Erstens haben wir seit einigen Monaten eine Unterkunft für den Notarzt.“ Dieser ist zuvor stets vom Landesklinikum Waidhofen abgeholt worden, jetzt befindet sich seine Station im Rotkreuz-Haus. Der Gesundheits- und Soziale Dienst wachse zudem, dazu gehöre etwa der Verleih von Pflegebetten, wofür wiederum ein entsprechendes Lager gebraucht werde.

„Wir sind überhaupt im Bereich der Gesundheits- und Sozialen Dienste sehr aktiv“, sei dies neben den Rettungs- und Krankentransporten ein Hauptbereich des Roten Kreuzes. So überlege man, in Waidhofen einen zweiten Standort zum „Henry Laden“ in Groß Siegharts aufzubauen.

Fuhrpark: landesweite Koordinierung

Der Fuhrpark sei zwar in den letzten zwölf Jahren größer geworden, aber mit dem „Rettungsdienstvertrag neu“ werde eine landesweite Koordinierung der Fahrzeuge erfolgen. „Wir haben künftig eine gewisse Anzahl von Autos bereitzustellen und wissen noch nicht, wie diese Zahl aussehen wird.“

Stöger hat den beinahe besiegelten Kauf des Jirku-Areals bei der Bezirksstellenversammlung am vergangenen Freitag bekannt gegeben. Die Zusammenkunft fand in der Rotkreuz-Garage in einem kleineren Rahmen als sonst statt, wo auf Corona-Bestimmungen Rücksicht genommen wurde. Der Bezirksstellenleiter blickte auf die letzten Monate zurück.

Eine Million Kilometer und 2.200 neue Mitglieder

2020 werden voraussichtlich die Fahrzeuge des Roten Kreuzes mehr als eine Million Kilometer zurücklegen: „Das haben wir noch nie gehabt, es ist eine stetige Entwicklung nach oben.“

Corona sei eine neue Herausforderung gewesen, weil ältere Ehrenamtliche eine Zeit lang nicht eingesetzt werden konnten. „Sie mussten durch jüngere Freiwilligere oder Hauptamtliche ersetzt werden. Das war ein riesiger Kraftaufwand, dafür möchte ich mich bei allen bedanken.“

Erfreulich ist für ihn, dass die Zahl der Mitglieder viel höher ist als früher – dank der Werbeaktion im Sommer, in dem das Team von Haus zu Haus gegangen ist. 2200 neue zahlende Mitglieder sind zu den bestehenden 2500 dazugekommen. „Hier sieht man, dass uns die Bevölkerung vertraut. Wir versuchen, dieses Vertrauen so gut wie möglich zu erfüllen.“

Laufend gesucht werden freiwillige Helfer. „Jeder, der ein bisschen Freizeit hat, sollte überlegen, ob er sich nicht bei uns die Rotkreuz-Jacke abholen will – nach den Schulungen.“