Waidhofen/Thaya: Skulpturale „Kinder“

Raphael Schuster spielte auf Musikinstrumenten, die der 2019 verstorbene bildende Künstler Paul Seidl aus Blech schuf.

Erstellt am 23. November 2021 | 16:21

„Ewiges Kind“, rief Raphael Schuster am Beginn und am Ende seiner exzeptionellen Performance in der Kunst.Galerie.Waldviertel. Der junge Musiker spielte auf Musikinstrumenten, die der 2019 verstorbene bildende Künstler Paul Seidl skulptural aus Blech geschaffen hatte und die er stets als seine „Kinder“ bezeichnete.

„Nur Raphael kann auf Pauls Skulpturen spielen“, ist Elisabeth Seidl, die Witwe des Künstlers, überzeugt. Paul Seidl und Raphael Schuster traten einige Male gemeinsam in großteils improvisierten Darbietungen ohne vorherige Proben auf und hatten Erfolg. Am Sonntag spielte Schuster in memoriam seines Freundes in einer Matinee, erzeugte Töne und Geräusche mit den Händen, den Fingerspitzen auf den aus rohem Eisenblech seltsam ge- und verformten Unikaten, rollte, drehte und schleifte die Instrumente über den Boden, erzeugte Grooves mit Drum Sticks und Jazzbesen. Zwischendurch beteiligte sich ungeplant auch das Glockenspiel des Rathausturms an der Performance.

Raphael Schuster: In mehreren Projekten aktiv

Raphael Schuster kommt aus Heidenreichstein, studiert Jazz-Schlagzeug an der Bruckner-Universität in Linz und absolviert seit dem Wintersemester 2020 ein Erasmus-Praktikum in Leipzig. Er ist auch in drei weiteren Projekten aktiv: Die „Saitenfalter“ bilden ein Kammer-Jazz-Trio aus Cello, Kontrabass und Schlagzeug, die Band „Pumn de Țărână“ gründet auf einer Idee des aus Rumänien nach Wien gekommenen Rappers Onisim Lungu, und „Dream Noir“ bewegen sich zwischen Singer/Songwriter- und Pop-Genres.

2021 nicht einfach, aber viele Höhepunkte

Im Gespräch mit den NÖN hielt Sonja Eder, Organisatorin der Kunst.Galerie.Waldviertel, Rückschau auf das Jahr 2021: „Es war kein einfaches Jahr, dennoch hat ein Höhepunkt den anderen gejagt. Sehr erfolgreich war die Veranstaltung zum 850-Jahr-Jubiläum der Stadt. Die lustigste Ausstellung mit den meisten Besuchern war ‚Bilderfallen und Klingelbilder‘ von Reiner Tiefenbacher und Adolf Wallner, die im Juli eröffnet wurde.“

Sonja Eder und Vereinsobmann Jimmy Moser freuen sich, dass die Kunst.Galerie.Waldviertel seit einigen Monaten auch über etwa 2.200 Bücher in der neu geschaffenen Bibliothek verfügt. Die Bücher wurden nach einem Spendenaufruf der NÖN im vergangenen Jahr von verschiedenen großzügigen Spendern an die Galerie übergeben. Die Bibliothek enthält Biografien von Bildenden Künstlern, Ausstellungskataloge, Bücher über Filme, Fotografien, etc. Sie befindet sich im selben Raum wie die Traubenwäscher-Sammlung, die in Kürze um weitere 40 Gläser erweitert und dann die größte Traubenwäscher-Sammlung der Welt sein wird.