Theater und Konzerte bei den Burgschauspielen Raabs. Die Burg Raabs wurde von Mittwoch bis Sonntag zur Theater- und Konzertbühne – mit den „Burgschauspielen“, die im Rahmen des „Szene Waldviertel“-Festivals abgehalten wurden. Los ging es am Mittwochabend mit dem Stück „iPET“ der niederländischen Gruppe „Bontehond“, das nicht nur Kinder faszinierte.

Von Michael Schwab. Erstellt am 26. Juni 2019 (07:50)

Die beiden Schauspieler verzauberten fast ohne Worte, dafür mit umso mehr Musik, Magie und Bewegung das junge und junggebliebene Publikum. Dazu spielten sie perfekt synchron zu Videos auf fünf Tablets und ließen die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt verschwinden.

„Was macht ein Ritter im Fitnessstudio?“

Brüllend komisch, tief berührend – mit diesen Worten wurde die Uraufführung der Produktion „Don Quijote – traurige Gestalten“ angekündigt. Dieses Versprechen war nicht zu hoch gegriffen und wurde eindrucksvoll eingehalten. Regisseur und Autor Holger Schober schrieb den zwei Komödianten Marcel Mohab und Simon Dietersdorfer eine leichtfüßige Show auf den Leib, die vor Gags nur so strotzt. Wortwitze werden im Dauerfeuer abgeschossen und überschlagen sich förmlich.

„Was macht ein Ritter im Fitnessstudio?“ „Rittersport“ – natürlich. Absurde Szenen werden mit einfallsreicher, elektronischer Musik und viel Slapstick garniert. Gleichzeitig wendet sich das Stück immer wieder zu einem berührenden Tiefgang und trifft einen an einer Stelle, an der man es nicht vermutet hätte.

Zum Abschluss des Eröffnungsabends war schließlich noch Birgit Denk mit ihrer Band zu Gast, die es seit dem Jahr 2000 gibt und somit auf fast 20 Jahre zurückblicken kann. Mit heiteren Erzählungen zwischen den Liedern, wie etwa von der Album-Aufnahme in Schweden, wo im teuren Tonstudio zu Beginn überhaupt nichts funktionierte und die Schweden cool blieben, oder der starken Fürsorglichkeit selbiger für die Fahrer beim Mittsommernachtsfest, die ja keinen Tropfen Alkohol erwischen dürfen, sorgte Birgit Denk für Heiterkeit im Publikum. Zug um Zug kamen die Zuhörer in Wallung und tanzten zum Schluss in großer Zahl vor der Bühne.

„Nipplejesus“ als weiteres Highlight

Ein feines und poetisches Spiel zeigte das Theater Zitadelle aus Berlin mit dem Kinderstück „Frau Meier, die Amsel“.

Mit einer Mischung aus Figuren- und Schauspiel wurden die kleinen Zuschauer in die Welt der Frau Meier entführt. Diese macht sich nämlich viele Sorgen. Ihr Mann rät ihr, die Sorgen an einen Baum zu hängen. Im Herbst fallen sie vielleicht hinunter. Als sie eine kleine Amsel in der Wollschublade entdeckt, beginnt sie sich um den Vögel zu kümmern und denkt plötzlich nicht mehr an ihre Sorgen. Als die Amsel fliegen lernen wollte, gefiel das Frau Meier überhaupt nicht. Denn sie hatte Angst, dass ihre Sorgen wieder zurückkehren, wenn ihr neuer gefiederter Freund davon fliegt. Schließlich gewann sie Vertrauen und brachte der Amsel das Fliegen bei.

Ihr Leben wurde ganz leicht und sie flog mit der Amsel durch die Luft.

Ein weiteres Highlight war das Stück „Nipplejesus“ am Freitagabend. Regisseur Juergen Maurer hatte das Theaterstück aus der Feder von Nick Hornby nach Österreich verlegt. Roland Winkler ist der Wachmann, der auf der Burg Raabs drei großformatige Bilder bewacht und feststellen muss, dass der erwartete Vortragende doch nicht kommt. Er erzählt daraufhin im burgenländischen Dialekt dem Publikum sein Erlebnis im „Mumok“, wo er auf „Nipple-Jesus“ aufpasste.

Ihn ergreift zuerst das schmerzverzerrte Gesicht von Jesus auf dem Bild, dann ist er entsetzt. Das Antlitz setzt sich aus einem Brustwarzen-Mosaik zusammen. Winkler lernt dann die Künstlerin kennen, verfolgt die Debatte mit und sieht, wie Besucher ihr Urteil schon vor dem Betrachten bilden. Roli wird zum reflektierenden Kunstkonsumenten.

Das mehrheitlich ältere Publikum vollzog nach „Nipplejesus“ einen fliegenden Wechsel zu „Da Luz“. Die Bandformation, angeführt von Vokalistin Jacqueline Patricia Da Luz, ließ das Pochen des brasilianischen Herzens mit Samba und Bossa Nova hören.

Roben Mlauzi hörte nicht nur zu, sondern verstärkte bei einer Zugabe spontan die Percussion. Er gehört zu den „3 Klicklauten“: Drei Musiker, Tänzer und Schauspieler aus Simbabwe, die im „Szene Waldviertel“-Programm immer wieder zum Vorschein kommen. Sie verstehen es, mit ihren authentischen Stimmen und ihrer Percussionsvielfalt ausgelassene Lebensfreude zu versprühen.