Grenze in Fratres blieb dicht: Unmut bei Landwirten. Eigentlich sollte Grenzübergang Fratres seit Donnerstag für österreichische Land- und Forstwirte offen sein.

Von Michael Schwab. Erstellt am 19. Mai 2020 (07:00)
Trotz anderslautender Ankündigung sowohl am Freitag als auch am Montag noch gesperrt: Der Grenzübergang in Fratres, der eigentlich für Land- und Forstwirte geöffnet hätte werden sollen.
privat, Michael Schwab

Zu früh gefreut hieß es am Freitag am Grenzübergang Fratres: Eigentlich hätte die Grenze für österreichische Land- und Fortswirte, die in Tschechien Felder und Wald besitzen und bewirtschaften müssen, geöffnet werden sollen, doch die diesbezügliche Ankündigung des Innenministeriums am Donnerstag entpuppte sich als nichts als Schall und Rauch.

Betonpflöcke und Absperrgitter noch nicht entfernt

Der Lokalaugenschein am Freitagnachmittag am Grenzübergang zeichnete nicht nur wettermäßig ein trübes Bild. Schon bei der Annäherung mit dem Pkw waren die Sperrgitter und Betonpflöcke auszunehmen, die ein Passieren der Grenze mit Fahrzeugen jeglicher Art unmöglich machten. Und für den Fall, dass jemand sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durchzuwinden versuchen sollte, hielten eine Handvoll Milizsoldaten in einem blauen Bundesheer-Kleinbus Wache.

Kaum das Fahrzeug am Straßenrand geparkt, stiegen die Soldaten schon aus und wollten wissen, was man da tut. Fotos von der Grenze? Kein Problem, nur sie selbst wollen nicht drauf sein. Ob sie wissen, warum der Grenzübergang von den Tschechen nicht wie angekündigt aufgemacht wurde? Nein. Nur dass von österreichischer Seite aus der Übertritt für die Landwirte kein Problem sei, aber solange die Tschechen die Betonklötze nicht wegräumen, könne man nichts machen.

Bauern müssen Umwege in Kauf nehmen

Für die Landwirte im nördlichen Bezirk Waidhofen, die zu ihren tschechischen Feldern wollen, bedeutet diese Verzögerung weitere Unannehmlichkeiten. Die einzige Möglichkeit, doch dorthin zu kommen, ist auf die offenen Übergänge in Grametten (Bezirk Gmünd) oder Oberthürnau (Bezirk Horn) auzuweichen und entsprechend lange Umwege in Kauf zu nehmen.

Martin Litschauer: „Abstimmung hat versagt.“

Der grüne Nationalratsabgeordnete Martin Litschauer kritisiert, dass hier offenbar die Abstimmung zwischen Innenministerium und den tschechischen Behörden nicht geklappt hat: „Ich frage mich schon, wie man eine Grenzöffnung vollmundig ankündigen kann, ohne das vorher wirklich wasserdicht abzustimmen, damit es dann tatsächlich klappt. Nach dem Wortlaut der Aussendung hätte Fratres eigentlich schon am Donnerstag offen sein müssen.“

Nationalratsabgeordneter Martin Litschauer beim Lokalaugenschein.
privat

Woran es auf tschechischer Seite kranke, könne er nicht sagen, nur spekulieren. Möglicherweise fehlt es am Personal für die Kontrolle des Übergangs, oder es gibt andere organisatorische Probleme. Gerade für die Belange der Land- und Forstwirte hätte Litschauer einen Alternativvorschlag: „Man sollte für diese Leute die grüne Grenze aufmachen. Sie müssen sowieso ein Schriftstück mitführen, mit dem sie ihren Grundbesitz belegen können, falls sie kontrolliert werden.“

Anregung: „Grüne Grenze“ für Landwirte öffnen

Er habe dies im Parlament bereits angeregt, die entsprechende Verordnung, welche den Grenzübertritt regelt, sei aber noch nicht angepasst worden, um dies von österreichischer Seite aus zu erlauben. Zu Wochenbeginn zeigte sich auch keine Veränderung. Am Montag war der Grenzübergang nach wie vor geschlossen, ein Schild, welche auf die Öffnungszeiten hinweisen soll, mit Absperrband zugeklebt.